Eiskunstlauf-EM in Warschau: Gold für Savchenko und Szolkowy
zuletzt aktualisiert: 24.01.2007 - 22:25Warschau (RPO). Die goldene "Mission" war ein voller Erfolg: Zu betörenden Klängen haben Aljona Savchenko und Robin Szolkowy bei der Eiskunstlauf-EM in Warschau ihren ersten großen Titel gewonnen und 4000 Zuschauer im Torwar-Eispalast verzaubert. Schon nach dem Kurzprogramm an der Spitze, gaben die beiden Chemnitzer mit 199,39 Punkten der Konkurrenz eindeutig das Nachsehen.
Es war der erste EM-Titel für die Paarlauf-Nation Deutschland seit zwölf Jahren. 1995 in Dortmund hatte Ingo Steuer, mittlerweile Trainer der neuen Europameister, zusammen mit seiner damaligen Partnerin Mandy Wötzel die Goldmedaille gewonnen. Silber und Bronze in der polnischen Hauptstadt gingen an die russischen Ex-Weltmeister Maria Petrowa und Alexej Tichonow (179,61) sowie Dorota und Mariusz Siudek aus Polen (170,91).
Die viermaligen deutschen Meister, in schwarz und weiß gekleidet, lieferten eine nahezu perfekte Kür ab. Alle Höchstschwierigkeiten wurden souverän gemeistert, mehrfach vom rhythmischen Klatschen des Publikums begleitet. Besonders die ungewöhnlichen Hebungen fanden großen Anklang. Während sich das Paar am Ende freudestrahlend umarmte, verzog Coach Steuer hinter der Bande keine Miene.
Der Triumph von Warschau war auch für Steuer ein ganz persönliches Erfolgserlebnis. Der Ex-Weltmeister muss sich wegen seiner Stasi-Vergangenheit seit fast einem Jahr nahezu bei jedem Wettbewerb vor Gericht erstreiten, sein Paar betreuen zu dürfen. "Diese Schwierigkeiten haben uns nur noch stärker zusammengeschweißt, auch wenn es finanziell für mich nicht leicht ist", sagte der 40-Jährige.
Im Schatten der neuen Titelträger, die die Nachfolge der russischen Olympiasieger Tatjana Totmianina und Maxim Marinin antraten, entschieden die Düsseldorferin Mari-Doris Vartmann und Florian Just aus Essendas interne deutsche Duell um die Tickets für die Weltmeisterschaften Ende März in Tokio für sich. Die deutschen Vize-Meister kamen mit 132,76 Punkten auf Rang sieben, Zwölfte wurden Rebecca Handke aus Möhnesee und der Essener Daniel Wende (119,25).
Für Stefan Lindemann hingegen hatte die EM bereits am Nachmittag mit einer riesigen Enttäuschung begonnen. Nach einem völlig missratenen Kurzprogramm stürzte der sechsmalige deutsche Meister aus Erfurt mit 54,21 Punkten bis auf den 17. Platz ab und war dabei Lichtjahre von der Weltklasse entfernt.
Die Leistung des WM-Dritten von 2004 reichte nicht einmal aus, um seinen nationalen Rivalen Philipp Tischendorf in die Schranken zu verweisen. Der EM-Debütant aus Berlin überraschte mit einem nahezu fehlerfreien Programm und Rang 16 (54,48) vor der Kürentscheidung am Donnerstag (18.30 Uhr/live bei Eurosport).
Dem zur Berliner Trainerin Viola Striegler gewechselten Lindemann hingegen gelang so gut wie nichts. An den dreifachen Lutz konnte er nur den doppelten Toe-Loop anhängen, beim dreifachen Axel stürzte er, den dreifachen Flip landete er nur mühsam auf zwei Füßen. "Ich habe dafür keine Erklärung, beim Einlaufen habe ich mich noch gut gefühlt", sagte der 26 Jahre alte Zeitsoldat.
An der Spitze sorgte Tomas Verner für eine Überraschung. Der in Oberstdorf trainierende Tscheche lag mit 76,56 Punkten sogar vor dem Topfavoriten Brian Joubert aus Frankreich (75,18) sowie dem Weißrussen Sergej Dawidow (70,14). Der Wahl-Allgäuer profitierte allerdings von der Absage des Schweizer Weltmeisters Stephane Lambiel (Motivationsprobleme). Olympiasieger und Titelverteidiger Jewgeni Pluschenko aus Russland hat seine Laufbahn beendet.
Die europäischen Titelkämpfe werden am Donnerstag (13.30 Uhr) mit dem Originaltanz der Eistänzer fortgesetzt.
Eiskunstlauf, Europameisterschaften in Warschau, Paarlauf, Endstand:
1. Aljona Savchenko/Robin Szolkowy (Chemnitz) 199,39 Punkte, 2. Maria Petrowa/Alexej Tichonow (Russland) 179,61, 3. Dorota und Mariusz Siudek (Polen) 170,91, 4. Julia Obertas/Sergej Slawnow (Russland) 156,96, 5. Tatjana Wolososchar/Stanislaw Morosow (Ukraine) 155,35, 6. Jelena Efajewa/Alexej Menschikow (Russland) 141,05, 7. Mari-Doris Vartmann/Florian Just (Düsseldorf/Essen) 132, 76, 8. Marylin Pla/Yannick Bonheur (Frankreich) 130,67, 9. Laura Magitteri/Ondrej Hotarek (Italien) 130,15, 10. Dominika Piatkowska/Dimitri Chromin (Polen) 12,98, 11. Stacey Kemp/David King (Großbritannien) 121,06, 12. Rebecca Handke/Daniel Wende (Möhnesee/Essen) 119,25, 13. Adeline Canac/Maxima Coia (Frankreich) 118,90, 14. Diana Rennik/Alexej Saks (Estland) 115,54.
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