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"Wie Brasiliens 1:7"
Historische WM-Pleite macht deutsche Eiskunstläufer ratlos

"Wie Brasiliens 1:7": Historische WM-Pleite macht deutsche Eiskunstläufer ratlos
WM-Hoffnung Peter Liebers verpasste das Kür-Finale. FOTO: dpa, hy ss
Shanghai/Hamburg. Ein Jahr nach dem kleinen Olympia-Hoch von Sotschi sind die deutschen Eiskunstläufer bei den Weltmeisterschaften in Shanghai brutal abgestürzt

Zwei vorletzte Plätze, eine Aufgabe, einmal ausgeschieden - statt ihr kleines Olympia-Hoch von Sotschi zu bestätigen sind die deutschen Eiskunstläufer bei den Weltmeisterschaften in Shanghai gerade einmal 13 Monate später brutal abgestürzt. Dass der EM-Sechste Peter Liebers, einzige Top-Ten-Hoffnung der Deuschen Eislauf-Union (DEU), als 29. nicht einmal das Kürfinale erreichte, war dabei die größte Enttäuschung.

Sein Psychologe Veit Klenner wagte angesichts des eisigen Desasters in der chinesischen Hafenmetropole sogar den Vergleich mit dem übermächtigen Fußball: "Es war wie bei Brasiliens 1:7 bei der WM gegen Deutschland. Da wusste hinterher auch kein Brasilianer, was da passiert ist." Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass die Südamerikaner ungeachtet dieser historischen Pleite nach wie vor Rekord-Weltmeister sind.

Grundsätzlich allerdings bleibt der fünfmalige deutsche Meister Liebers mangels aktueller Alternativen in den übrigen Disziplinen noch der solideste Hoffnungsträger Richtung Olympia 2018 im südkoreanischen Pyeongchang. Zumindest ansatzweise musste man dem 26-Jährigen seine lange Trainingspause im Herbst nach einem Schulterbruch im Sommer zugutehalten.

Weit schlimmer als bei den Herren sieht es bei Eistänzern und Paarläufern aus. Nach dem Rücktritt von Alexander Gazsi, den im Oriental Sports Complex überdies ein Magen-Darm-Virus flachlegte, sucht Nelli Zhiganshina einen neuen Tanzpartner. Paarlauf-Kollegin Mari Vartmann will ihr Glück nun mit Ruben Blommaert versuchen.

Ob und wann Ex-Weltmeisterin Aljona Savchenko mit dem Franzosen Bruno Massot für Deutschland durchstarten kann, blieb auch während der Welttitelkämpfe ungeklärt. Weiter ist da schon ihr langjähriger Eispartner Robin Szolkowy, der als Trainer sein erstes Paar auf Anhieb auf den sechsten Platz führte - bedauerlicherweise für Russland.

Um die zum Teil "indiskutablen Leistungen", wie sie DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf nannte, zukünftig zu vermeiden, sollen die bereits vorhandenen Kontakte nach Kanada zu Starcoach Brian Orser intensiviert werden. Dem einstigen Weltmeister gelang bei der WM das Kunststück, mit Europameister Javier Fernandez aus Spanien und dem japanischen Olympiasieger Yuzuru Hanyu die ersten beiden Plätze zu belegen.

Wenigstens im Rahmen ihrer noch bescheidenen Möglichkeiten bewegte sich als 23. WM-Debütantin Nicole Schott. Immerhin hat die deutsche Meisterin aus Essen, die in Oberstdorf trainiert, zumindest schon einen Weltmeisterinnen-Macher an der Bande stehen: Erst vor drei Jahren führte Michael Huth seinen damaligen Schützling Carolina Kostner aus Italien zum WM-Gold.

(sid)
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