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Rodeln: Hüfner in Erklärungsnot: Sieg trotz Pleite

zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 12:29

Paramonowo (RPO). Als nach 13 Jahren die unglaubliche Siegesserie der deutschen Rodlerinnen gerissen war, stand Weltmeisterin Tatjana Hüfner wie versteinert im Zielraum. Im russischen Paramonowo hatte sie keine Erklärung für ihren ungewohnten Absturz vom ersten auf den vierten Platz und konnte sich über ihren vierten Gesamtweltcupsieg in Folge überhaupt nicht freuen.

Die Stratnummer eins war die Beste der Welt: Tatjana Hüfner.  Foto: AP, AP
Die Stratnummer eins war die Beste der Welt: Tatjana Hüfner. Foto: AP, AP

Die Kanadierin Alex Gough hatte den erfolgsverwöhnten deutschen Frauen die Show gestohlen und als erste Nicht-Deutsche seit der Österreicherin Andrea Tagwerker am 29. November 1997 ein Weltcup-Rennen gewonnen.

"An den Weltcupsieg denke ich im Moment noch nicht. Ich überlege noch, wie es zu dem Fehler gekommen ist", sagte die 27-jährige Hüfner, die nach einem Patzer auf der neuen ersten russischen Kunsteisbahn 80 Kilometer vor den Toren von Moskau nur die neuntbeste Laufzeit erzielt hatte. "In Sigulda will ich diese Schlappe wieder wettmachen", sagte die Olympiasiegerin mit Blick auf das Saisonfinale in Lettland am kommenden Wochenende, bei dem ihr der Gesamtweltcup nicht mehr zu nehmen ist.

"Für viele andere ist es ein Riesending, dass ich nun viermal in Folge die Weltcup-Gesamtwertung gewonnen habe. Aber ich bin nicht so der Statistiker-Typ", sagte Hüfner, die in der ewigen Bestenliste zu Sylke Otto aufschloss. Nur Silke Kraushaar-Pielach war mit insgesamt fünf Gesamtsiegen noch erfolgreicher.

Bundestrainer Norbert Loch nahm das Ende der Erfolgsserie ganz nüchtern auf. "Für uns war das überhaupt kein Thema, nur für die Medien. Für die Sportler zählen nur die einzelnen Rennen. Das hätten wir gewinnen können, wenn wir keine Fehler gemacht hätten. Das ist alles, was für uns zählt. Das Ziel ist, dass das ein Ausrutscher war", sagte Loch.

Wie Hüfner verpassten in Paramonowo, wo die Rodler mit einer bewegenden Gedenkminute am Samstag an den vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Vancouver tödlich verunglückten Georgier Nodar Kumaritaschwili erinnerten, auch die Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) zwar den Tagessieg, der an die Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger aus Österreich ging. Mit Rang zwei sicherten sie sich aber ebenso wie die Olympiasiegerin vorzeitig den Gesamtweltcup, weil Christian Oberstolz/Patrick Gruber (Italien) nicht über Rang sieben hinauskamen.

Für den totalen Erfolg der deutschen Rodler könnte in Sigulda noch Felix Loch sorgen. Der Olympiasieger aus Berchtesgaden verkürzte mit Rang zwei am Sonntag hinter Lokalmatador Albert Demtschenko den Rückstand auf den Italiener Armin Zöggeler, der nur Fünfter wurde, von 65 auf 35 Punkte. Mit einem Sieg in Sigulda könnte Loch den zehnten Gesamtweltcup-Sieg von Zöggeler noch verhindern, wenn der Italiener nicht über Rang vier hinauskäme.

Loch selbst rechnet aber nicht mehr damit, dass der Routinier sich noch abfangen lässt. "Auch wenn ich jetzt den Rückstand auf Armin verringert habe, wird er wohl die Gesamtwertung gewinnen. Ihm langt ja in Sigulda ein Platz auf dem Siegerpodest. Wenn ich auf Platz zwei bleibe, bin ich auch sehr, sehr zufrieden", sagte er. Vater Norbert sieht das ähnlich. "Das wird sehr, sehr schwer, weil Armin in Sigulda stark fahren wird und Felix seit drei Jahren nicht mehr dort war", sagte der Bundestrainer: "Aber möglich ist alles, Armin muss auch erstmal zwei fehlerfreie Läufe zeigen."

Glücklich über ihren Erfolg waren unterdessen Wendl und Arlt. "Nach dem Sturz bei der WM war der Sieg im Gesamt-Weltcup nun unser Ziel. Das er uns jetzt gelungen ist, stellt natürlich das Highlight der Saison für uns dar", sagte Wendl.

Völlig aus dem Häuschen war natürlich die Kanadierin Gough, die vor Carina Schwab (Berchtesgaden), Natalie Geisenberger (Miesbach) und Hüfner triumphierte. "Das ist unglaublich, ich kann es kaum fassen. Ich wusste immer, dass diese Serie eines Tages zu Ende gehen würde, aber ich hätte nie geglaubt, dass ausgerechnet ich diejenige bin, die diese Serie beendet", sagte sie: "Das war hier für uns alle eine neue Bahn, da hatte niemand einen Heimvorteil. Ich bin überglücklich und froh."

Quelle: SID/rl

 
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