Bob-Shootingstar: Machata: Ein Leben auf der Überholspur
zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 11:50Königssee (RPO). Als Adrenalin-Junkie kann Manuel Machata einfach nicht anders. "Bei einer freien Strecke juckt es richtig in meinem Fuß, der drückt das Gaspedal automatisch durch", sagt der 26-Jährige, der mit seiner ausgeprägten Vorliebe für Hochgeschwindigkeiten fleißig Punkte sammelt.
Im Weltcup verhalfen sie dem Bob-Piloten gleich in seiner Premierensaison zum Gesamtsieger im Vierer, doch beim Kraftfahr-Bundesamt hätte jeder weitere Zähler fatale Folgen. "Ich habe 16 Punkte in Flensburg. Ich muss mich zusammenreißen, sonst bin ich den Führerschein los", erklärt Machata.
Gut, dass der für den SC Potsdam startende Berchtesgadener in den nächsten Tagen sein Auto in der Garage stehen lassen kann. Doch auch bei der WM auf seiner Heimbahn am Königssee (bis 27. Februar) muss der Europameister nicht auf den Adrenalin-Kick verzichten. In den vier Läufen am Samstag und Sonntag geht er im kleinen Schlitten ebenso als Mitfavorit ins Rennen wie eine Woche später im prestigeträchtigen Vierer.
Danach darf Machata wieder im Auto rasen - dieses Mal sogar ganz legal. Im März tauscht der zweimalige Junioren-Weltmeister die Kufen gegen Räder und fährt an der Seite von Playmate Doreen Seidel in einem 141 PS starken Chevrolet Rennen im ADAC-Cruze-Cup. Machata ist begeistert: "Das ist fast so geil wie Bobfahren."
Seinen Sport hat der Shootingstar in diesem Winter neu lieben gelernt. Bereut hat er seinen Wechsel vom Skilanglauf zwar nie, zwischendurch kamen aber Zweifel am Durchbruch auf. Besonders groß war der Frust im vergangenen Jahr. Machata hatte im Vorfeld von Olympia 2010 den Viererbob des FES-Instituts maßgeblich optimiert und in einer internen Selektion sogar den viermaligen Olympiasieger Andre Lange geschlagen. Ein Startplatz in Vancouver blieb Machata dennoch verwehrt.
"Da war damals Politik im Spiel", meint Machata. Mehr möchte er dazu nicht sagen. Durch die Ernennung von Christoph Langen zum neuen Bundestrainer hat sich das Blatt eh zu seinen Gunsten gewendet. Der zweimalige Olympiasieger gilt als großer Förderer Machatas. Langen nahm den Zwei-Zentner-Koloss vor vier Jahren in sein Nachwuchsteam auf und formte ihn zu einem Top-Piloten.
"Manuel stand damals alleine da. Sein Talent wurde von anderen nicht erkannt", sagt Langen. Mittlerweile hat Machata alle überzeugt. Gleich in seinem ersten Weltcuprennen raste der Sportsoldat im schwierigen Eiskanal von Whistler zum ersten von insgesamt fünf Saisonsiegen. Am Ende sicherte er sich die Kristallkugel im Vierer und wurde hervorragender Gesamtzweiter im kleinen Schlitten.
Doch Langen warnt: "Erst bei der WM wird sich zeigen, ob er wirklich weltklasse ist." Zudem seien die Titelkämpfe "nur das Gesellenstück. Die Meisterprüfung sind die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi", meint der Bundestrainer.
Der Druck auf Machata ist mit den Erfolgen gewachsen. "Das juckt mich gar nicht. Ich ziehe mein Ding durch", sagt Machata mit bayerischer Gelassenheit. Eine gewisse Nervenstärke ist bei seiner Vorliebe für hohe Geschwindigkeiten sicher von Vorteil.
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