Bob/Rodeln: Mit dem Schlitten im Windkanal
zuletzt aktualisiert: 24.07.2010 - 09:34München (RPO). Mitten im Hochsommer machen sich die deutschen Bob- und Schlittenfahrer winterfest. Bei ersten Tests in Zusammenarbeit mit dem neuen Premium- und Technologiepartner BMW müssen die deutschen Medaillensammler an ihre Grenzen gehen.
Dabei zeigen sie Kampfgeist für eine ganze Saison. "Ich will eine WM-Medaille", sagt Olympiasieger Felix Loch: "Und in den nächsten Jahren den Gesamtweltcup."
Dass erfolgreiche Jahre vor dem Shootingstar liegen, daran zweifeln auch die Größten nicht mehr. "Felix vereint alle für einen Rodler wichtigen Komponenten", sagt Rodel-Legende Georg Hackl über den 20-Jährigen: "Er ist jetzt schon überragend und kann noch mehr. " Wenn Loch in den kommenden Jahren Konstanz erlange, habe er sogar bessere Voraussetzungen als der "Hackl-Schorsch" zu seiner Zeit: "Und das liegt nicht nur an den neuen technischen Möglichkeiten, sondern an seiner überragenden Physis", sagt Lochs Vorbild.
Zwar durfte auch Hackl seit 1988 in den Windkanälen des Automobilherstellers tüfteln, jedoch im Rahmen der damaligen Möglichkeiten. In den weiterentwickelten aerodynamischen sowie Energie- und Umwelttechnischen Versuchszentren können heute durch verstellbare Wärme- und Luftfeuchtigkeitsregler sogar die Bedingungen eines Eiskanals simuliert werden.
"An einem Testtag liegen wir hier bis zu 16-mal am Stück für mindestens sechs Minuten", sagt Loch, für den sich die Anstrengung aber lohnt: "Meistens haben wir ja dann auch die besten Schlitten." Auch die Bedingungen der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler, auf der Loch mit bis zu 130 km/h in den Kurven lag, wurden im Vorfeld der Winterspiele getestet - mit Erfolg: In Vancouver raste der 20-Jährige prompt zu Gold.
Auch in der kommenden Saison soll die Kombination aus Physis und Technik für Siege sorgen. "Uns bringt das hier wahnsinnig viel", sagt der neue Bob-Bundestrainer Christoph Langen, der die Messgenauigkeit als großen Vorteil sieht: "Wenn ich um zwei Hundertstel Olympiasieger werde, habe ich auch gewonnen."
Die Testzentren seien die richtige Basis, "um den anderen Nationen einen Schritt voraus zu sein". Die Bobfahrer können ihr Material auf Schnee und Eis einstellen, die Rodler an der optimalen Körperhaltung und der Form des Schlittens tüfteln: "Diese Kanäle sind die Einrichtungen, die uns am weitesten voran bringen", sagt auch Hackl.
Nach zehn Olympia-Medaillen in Vancouver sind die Höhepunkte im nächsten Winter die Weltmeisterschaften in Königssee (Bob/14. bis 27. Februar) und im italienischen Cesana (Rodeln/28. bis 30. Januar). Neben Loch rechnen sich die Rodler David Möller, Tatjana Hüfner, Natalie Geisenberger und Bobpilot Thomas Florschütz Medaillenchancen aus.
Auch die Olympia-Vierte Sandra Kiriasis ist motiviert. "Eine Medaille wär aber schön", sagt die 35-Jährige. Dafür lohnt es sich auch, im Sommer den Winter-Ernstfall zu proben. "Es war schön kalt", sagt Kiriasis über die erste Testphase: "Flip-Flops waren definitiv das falsche Schuhwerk."
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