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Historischer Triumph im Eiskunstlauf: Savchenko/Szolkowys goldene Gala

zuletzt aktualisiert: 26.03.2009 - 13:35

Los Angeles (RPO). Die alten und neuen Paarlauf-Weltmeister fielen sich glückstrahlend in die Arme, Trainer Ingo Steuer weinte sogar und Vorbild Hans-Jürgen Bäumler war entzückt. "Aljona und Robin verkörpern einen völlig neuen Stil des Schwebens über das Eis", lobte der mittlerweile 67-Jährige einstige "Eisprinz" die magische Gala von Savchenko/Szolkowy bei den Welttitelkämpfen in Los Angeles.

Zumindest sportlich zogen die beiden Chemnitzer gleich mit dem deutschen Traumpaar Kilius/Bäumler, das 1963 und 1964 ebenfalls zweimal WM-Gold gewonnen hatte.

Zünftiges Feiern allerdings ist für die sechsmaligen deutschen Meister immer noch eine größere Herausforderung als jede WM-Kür. "Eigentlich beginnt morgen schon die neue Saison", meinte Savchenko abwehrend und Stoiker Szolkowy setzte da noch einen drauf: "Ich gehe erstmal schön unter die Dusche." Damit fingen sie sich prompt einen milden Tadel von Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt ein: "Feiern müssen sie wohl noch lernen." Es reichte nur zu einem Glas Sekt im Mannschaftshotel.

Der sonst so hartgesottene Steuer war aber nicht der einzige unter den 12.000 Menschen im Staples Center, der seine Emotionen kaum kontrollieren konnte. Der umstrittene Coach ballte immer wieder die Fäuste, riss die Arme in die Höhe und in seinen Augen schimmerte es tatsächlich feucht: "Es war eine phantastische Kür und eine Super-Super-Leistung. Ich bin so stolz auf die Beiden!" Und gestattete ihnen prompt am Donnertag einen Ausflug samt Fotosession an den Strand von Venice Beach.

Seine Schützlinge hatten es sich verdient, denn von einem kleinen Ausrutscher Szolkowys bei einer Kreisschrittfolge abgesehen interpretierten die dreimaligen Europameister ihre Kürmusik "Schindler's Liste" so brillant, dass auch Witt hingerissen war: "Sie sind in ihrer eigenen Liga und das bei einer Weltmeisterschaft, das ist unglaublich."

In der Tat war die Überlegenheit der beiden Sachsen kaum zu fassen. 203,48 Punkte sammelten Savchenko/Szolkowy, mit deutlichem Rückstand ging Silber und Bronze an die beiden Chinesen Zhang Dan und Zhang Hao (186,52) sowie Yuko Kavaguti und Alexander Smirnow aus Russland (186,39). Dass die Steuer-Schützlinge den inoffiziellen Weltrekord der Ex-Weltmeister Shen Xue und Zhao Hongbo (206,54) knacken, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Nicht einmal die sonst so überkritische Savchenko konnte diesmal ein Haar in der Suppe finden. "Es war einfach ein Genuss", schwärmte die gebürtige Ukrainerin, die die Favoritenrolle für Olympia 2010 in Vancouver gerne annahm: "Wir bereiten uns auf jeden Wettbewerb gleich vor, wir wollen immer unser Bestes geben." Und auch ihr Partner geht gelassen in den olympischen Winter: "Wir sind Typen, die unter Belastung nicht zerbrechen."

Ganz im Schatten der alten und neuen Titelträger belegten Maylin Hausch und Daniel Wende (Oberstdorf/Essen) bei ihrem gemeinsamen WM-Debüt den 15. Platz und sicherten damit der Deutschen Eislauf-Union (DEU) einen zweiten Startplatz für die olympische Paarlauf-Konkurrenz. Wende war während der gesamten Saison wegen einer Bänderverletzung auf Doppelsprünge limitiert, im nächsten Winter will und muss das Paar von Trainer Karel Fajfr im technischen Bereich aufstocken.

Wegen technischer Probleme muss hingegen Peter Liebers seine olympischen Ambitionen erst einmal zurückstellen. Der Berliner verpasste als 25. im Kurzprogramm wie im Vorjahr das Kürfinale und damit den direkten Weg nach Vancouver. Nachbessern kann der deutsche Meister allerdings bei der Olympia-Qualifikation Ende September in Oberstdorf.

"Zuerst kamen meine Schlittschuhe verspätet in Los Angeles an und dann ist mir beim Warmlaufen auch noch ein Hosenband gerissen", sagte der 20-Jährige. An die Spitze des Teilnehmerfeldes setzte sich Europameister Brian Joubert aus Frankreich (84,40) vor Evan Lysacek aus den USA (82,70) sowie dem Kanadier Patrick Chan (82,55).

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Kommentar

Auf Kufen Weltmeister, ohne Schlittschuhe Nobodys - daran wird sich für Aljona Savchenko und Robin Szolkowy auch nach der erfolgreichen Titelverteidigung bei den Welttitelkämpfen in Los Angeles kaum etwas ändern. Ein Problem ist dieser ungewöhnliche Kontrast anscheinend aber nur für Andere, für die beiden Paarläufer selbst ganz offensichtlich nicht. Sie igeln sich nun mal am liebsten in ihrer Chemnitzer Eissporthalle am Küchwald ein und trainieren fleißig.
Und da nichts erfolgreicher als der Erfolg ist, mag man diese selten gewordene Konsequenz bedauern oder sogar belächeln, kritisieren darf man sie nicht. Denn zusammen mit Trainer Ingo Steuer haben die beiden Sachsen einen zugegebenermaßen streng puristischen Weg gefunden, der sie von Titel zu Titel führt. Wenig spricht derzeit dagegen, dass er bei Olympia 2010 in den Gewinn der Goldmedaille mündet.
Höchstleistungssport (fast) nur um des Sports willen, das erscheint vielen gerade im glamourösen Eiskunstlauf als anachronistisch, als vorgestrig. Doch vielleicht spüren die beiden Sachsen ganz genau, dass allzuviele Ablenkungen ihrer Profession erheblich schaden würden. Also vertrauen sie einfach ihrem Bauchgefühl und verzichten dafür auf so manchen scheinbar leicht verdienten Euro.
Jetzt nach Jahren der Askese und immer noch virulenter Probleme um die Vergangenheit ihres Trainers Ingo Steuer plötzlich ins Rampenlicht zu drängen, wäre zweifellos ein Irrweg auf dem Kurs Richtung Vancouver. Die olympische Goldmedaille dort allerdings ein Triumph der Standfestigkeit. Und genau die ist bekanntlich die Grundlage aller erfolgreichen Kufenkünstler.

Quelle: SID

 
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