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Freestyle-Wettbewerb in Mönchengladbach
Skiverband will cooler werden

Freestyle-Wettbewerb in Mönchengladbach: Skiverband will cooler werden
Diese Animation zeigt, wie es in einem Jahr im Sparkassenpark aussehen wird. Für die Rampe, deren Aufbau mehrere Tage dauert, sind 130 Tonnen Stahl nötig. Die Snowboarder fahren mit einem Aufzug nach oben. Die Bühne wird anders als in dieser Visualisierung gegenüber der Rampe stehen. FOTO: Allrounder
Neuss. Der DSV möchte mit einem Wettbewerb in Mönchengladbach sein Image entstauben und sich weiter für Trendsportarten wie Freestyle-Ski öffnen. Von Gianni Costa

Lisa Zimmermann hat sich im vergangenen Jahr viel Zeit für sich genommen. Ausspannen, relaxen, mal was anderes sehen. Sie sagt dazu "schneefrei" – fünf Monate. Zimmermann, gerade 20 Jahre alt geworden, zählt zu den besten Ski-Freestylern der Welt. Sie soll bei den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang für den Deutschen Skiverband (DSV) um Medaillen kämpfen.

Neben ihr auf dem Podium in der Neusser Skihalle sitzt Heli Herdt. Der Sportliche Leiter des DSV, zuständig unter anderem für Trendsportarten wie Slopestyle, zuckt zusammen, als Zimmermann von ihrer Vorbereitung auf die neue Saison erzählt, weil er genau weiß, was er für Fragen zu hören bekommt. Zum Beispiel so eine, ob es unter professionellen Gesichtspunkten vertretbar sei, dass eine Athletin ihre Trainingssteuerung derart frei interpretiert. Herdt versucht sich in einem maximal entspannten Gesichtsausdruck und sagt dann den fast schon verzweifelten Satz: "Wenn es zum Erfolg führt, ist mir jedes Mittel recht. Leuten wie Lisa kann man einfach nicht die Regeln des klassischen Systems aufzwingen."

Bei Lisa Zimmermann ist das Konzept bisher aufgegangen. Im vergangenen Jahr ist sie am Kreischberg in Österreich Weltmeisterin im Slopestyle geworden, den Gesamtweltcup in der Disziplin hatte sie bereits 2014 gewonnen. Ihre neue Herausforderung heißt "Big Air". In dieser Disziplin veranstaltet der Internationale Skiverband (Fis) zum ersten Mal einen Weltcup. Anders als im Slopestyle sind die Athleten dabei nicht in einem Parcours aus Schanzen und Geländern unterwegs, sondern katapultieren sich über eine einzige riesige Schanze. "Für die Zuschauer ist das megacool", sagt Zimmermann, "die Wettkämpfe kann man prima mit Konzerten verbinden". So war das Anfang Februar in Boston, als sie den ersten Wettkampf der noch jungen Disziplin gewinnen konnte.

Die extremsten Wintersportarten FOTO: AP

Und so soll es auch am 2. und 3. Dezember sein, wenn die Serie im Mönchengladbacher Nordpark ausgetragen wird. Dann sogar mit einer Europa-Premiere - neben den weltbesten Freeskiern treten in einem weiteren Wettbewerb auch noch Snowboarder auf der Rampe im XXXL-Format an. Die Aufbauarbeiten der Anlage, 49 Meter hoch, 120 Meter lang, sollen rund drei Wochen dauern.

Formate wie das in Mönchengladbach sind der Grund, warum der DSV Profis wie Zimmermann überhaupt noch für sich gewinnen kann. Denn viele Spitzensportler der sogenannten Trendsportarten haben kein Interesse, sich einem Verband unterzuordnen. Ihnen geht es nicht um Medaillen. Sie wollen sich selbst verwirklichen. "Ich war am Anfang echt skeptisch", sagt Zimmermann, "ob es Sinn macht, meinen Sport in so einer organisierten Form zu machen. Aber der DSV macht das wirklich gut und lässt uns viele Freiheiten."

Lisa Zimmermann gewinnt Slopestyle-Gold FOTO: ap

Die Exoten im Verband dürfen sich im Gegensatz zu beispielsweise Biathleten und Langläufern selbst vermarkten. "Es sind sehr junge Sportarten, da müssen wir noch Erfahrungen sammeln", sagt Herdt. "Das ist vor allem für uns als Verband eine Herausforderung. Wir müssen uns für Neues öffnen."

Quelle: RP
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