WM-Bronze für die Europameister: Szolkowy und Savchenko holen Bronze
zuletzt aktualisiert: 21.03.2007 - 17:01Tokio (RPO). Nach dem Gewinn der Bronzemedaille wusste Aljona Savchenko nicht, ob sie sich ärgern oder freuen sollte. "Irgendwie ist es schon ein Erfolg, aber wir wissen natürlich, dass wir es besser können", sagte die Chemnitzer Paarläuferin nach ihrem dritten Platz an der Seite von Robin Szolkowy bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio.
Nach einer nicht fehlerfreien Kür hatten die Paarlauf-Europameister gegen die neuen Weltmeister Shen Xue und Zhao Hongbo keine Chance. Die Chinesen verpassten mit 203,50 Punkten ihren eigenen Weltrekord nur knapp, die beiden Sachsen hingegen mussten sich mit 187,39 Punkten begnügen.
Beim dreifachen Toe-Loop kam Szolkowy ins Straucheln, den Axel sprang die gebürtige Ukrainerin Savchenko nur einfach statt wie geplant doppelt. Auch bei einer Pirouette drehten die viermaligen deutschen Meister asynchron. Waren sie nach ihrem Kurzprogramm noch mit einem strahlenden Lächeln vom Eis gefahren, richteten sich diesmal ihre Blicke geradezu ängstlich auf die Anzeigetafel.
Szolkowy, ohnehin der Gelassenere in dieser sportlich so erfolgreichen Partnerschaft, hatte direkt nach der Siegerehrung mit mehreren Blumensträußen im Arm schon den Rückblick auf einen turbulenten Winter vollzogen: "Unser Gesamtresümee ist ganz bestimmt positiv. So richtig realisieren werden wir das vielleicht erst in ein paar Monaten."
Die neuen Titelträger aus dem Reich der Mitte konnten mit diesem Triumph in perfekter Art und Weise ihre Amateur-Karriere beenden. Die Silbermedaille ging an ihre chinesischen Landsleute Pang Qing und Tong Jian. Trainer Ingo Steuer nahm seine beiden Schützlinge ungeachtet ihrer Patzer am Rande der Bande fürsorglich in die Arme.
Immerhin war die Bronzemedaille für Savchenko und Szolkowy die erste deutsche WM-Medaille im Paarlauf seit zehn Jahren. 1998 hatte das Berliner Paar Peggy Schwarz und Mirko Müller bei den Welttitelkämpfen in Minneapolis Rang drei belegt. Ein Jahr zuvor war Steuer an der Seite seiner Partnerin Mandy Wötzel Paarlauf-Weltmeister geworden. Nach einer fast indiskutablen Leistung landeten die Düsseldorferin Mari Vartmann und Florian Just aus Essen lediglich auf Rang 18 (116,81).
Lindemann nur auf Rang 16
Mit einem nur mäßigen Kurzprogramm war indes auch Stefan Lindemann bereits am Mittag in die Herren-Konkurrenz gestartet. Der sechsmalige deutsche Meister nimmt vor der Kür-Entscheidung am Donnerstag (8.15 Uhr MEZ) mit 65,40 Punkten nur den 16. Platz ein.
Seinem ersten WM-Titel hingegen läuft Brian Joubert entgegen. Der Europameister aus Frankreich begeisterte die 6800 Zuschauer im ausverkauften Tokio Metropolitan Gymnasium mit einer fehlerfreien Kurzkür und dem einzigen gelungenen Vierfach-Sprung. Der 22-Jährige kam auf eine persönliche Bestleistung von 83,64 Punkten und distanzierte den Kanadier Jeffrey Buttle (79,90) und Daisuke Takahashi aus Japan (74,51) deutlicher als erwartet.
Lindemann musste sich bei seinem Programm zur Musik "Robot City" die Landung des dreifachen Axel mit der Hand abstützen, beim dreifachen Flip kam der Erfurter fast zu Fall. Die Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung, die der Deutschen Eislauf-Union einen zweiten Startplatz bei der WM 2008 in Göteborg bescheren würde, sind nur noch minimal.
Der Schützling von Trainerin Viola Striegler, der zu Saisonbeginn wegen einer Viruserkrankung wochenlang ausgefallen war, war dennoch nicht unzufrieden mit seiner Leistung. "Gegenüber den Europameisterschaften und der gesamten vergangenen Winter war es eine Verbesserung", sagte der 26-Jährige, der nach eigenem Bekunden auch mit seinem verunglückten Axel leben konnte: "Er war nicht ganz sauber, aber ich bin dabei nicht gestürzt. Das gibt mir Selbstvertrauen für die Kür."
Die Welttitelkämpfe werden am Donnerstag (3.00 Uhr MEZ) mit dem Originaltanz der Eistänzer fortgesetzt.
Eiskunstlauf, Weltmeisterschaften in Tokio:
Paarlauf, Endstand:
1. Shen Xue/Zhao Hongbo 203,50 Punkte, 2. Pang Qing/Tong Jian (alle China) 188,46, 3. Aljona Savchenko/Robin Szolkowy (Chemnitz) 187,39, 4. Tatjana Wolososchar/Stanislaw Morossow (Ukraine) 173,62, 5. Zhang Dan und Zhang Hao (China) 173, 39, 6. Valerie Marcoux/Craig Buntin 167,25, 7. Jessica Dube/Bryce Davison (alle Kanada) 164,59, 8. Rena Inoue/John Baldwin (USA) 163, 97, 9. Yuko Kawaguchi/Alexander Smirnow (Russland) 163,62, 10. Anabelle Langlois/Cody Hay (Kanada) 160,01, 11. Maria Muchortowa/Maxim Trankow (Russland) 150,43, 12. Brooke Castile/Benjamin Okolski (USA) 139,00, 13. Dominika Piatkowska/Dimitri Chromin (Polen) 138,98, 14. Marylin Pla/Yannick Bonheur (Frankreich) 131,31, 15. Angelika Pylkina/Niklas Högner (Schweden) 130,75, ... 18. Mari Vartmann/Florian Just (Düsseldorf/Essen) 116,81
Herren, Stand nach dem Kurzprogramm:
1. Brian Joubert (Frankreich) 83,64 Punkte, 2. Jeffrey Buttle (Kanada) 79,90, 3. Daisuke Takahashi (Japan) 74,51, 4. Johnny Weir 74,26, 5. Evan Lysacek (beide USA) 73,49, 6. Stephane Lambiel (Schweiz) 72,70, 7. Christopher Mabee (Kanada) 71,33, 8. Sergej Dawidow (Weißrussland) 70,72, 9. Tomas Verner (Tschechien) 70,45, 10. Alban Preaubert (Frankreich) 70,06, 11. Emanuel Sandhu (Kanada) 69,42, 12. Yannick Ponsero (Frankreich) 68,76, 13. Wu Jialing (China) 67,70, 14. Nobunari Oda (Japan) 67,17, 15. Kristoffer Berntsson (Schweden) 66, 09, 16. Stefan Lindemann (Erfurt) 65,40, ... 18. Jamal Othman (Schweiz) 63,71, ... 29. Christian Rauchbauer (Österreich) 49,19
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