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Biathlon
Gössner auf dem Weg zurück nach oben

Porträt: Das ist Miriam Gössner
Porträt: Das ist Miriam Gössner FOTO: dpa, Andreas Gebert
Miriam Gössner darf beim Weltcup-Auftakt in Östersund starten. Die Leistungskurve zeigt nach oben - auch wenn es mit dem Schießen noch etwas hapert.

In der Idylle der italienischen Alpen verlor Miriam Gössner dann doch für kurze Zeit ihre Unbekümmertheit. "Was macht man eigentlich, wenn man einen Bären trifft?", fragte die Biathletin ihren Vater Joachim während der nicht ganz ungefährlichen Bergwanderung. "Das ist nicht zum Spaßen", antwortete der gelernte Bergführer, "aber bloß nicht weglaufen."

Weglaufen oder schier unüberwindbare Hürden meiden - nein, das war ohnehin noch nie die Stärke der Miriam Gössner. Kein Wunder also, dass die 25-Jährige die legendäre "Via delle Bocchete" mit jeder Menge Begeisterung absolvierte. "Das sind total schöne Eindrücke, das ist eine unglaubliche Natur. So etwas erdet einen auch wieder", sagte Gössner im Magazin des Bayerischen Rundfunks, das passenderweise "Bergauf-Bergab" heißt.

Ähnlich turbulent wie die Wanderung im Sommer gestaltete sich bislang auch Gössners Karriere im Biathlon-Zirkus. Erst wurde sie als mögliche Nachfolgerin von Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner gehandelt, dann warf sie ein Mountainbike-Unfall im Frühjahr 2013 weit zurück. Aktuell scheint Gössner aber auf dem aufsteigenden Ast, die Nominierung für den Weltcup-Auftakt am Sonntag im schwedischen Östersund war der Lohn für die Schinderei der Vergangenheit.

"Es geht wirklich voran, sie hat toll trainiert", sagte Gerald Hönig dem sid. Der 57-Jährige hat als Frauentrainer Gössners Achterbahnfahrt aus nächster Nähe erlebt, bei drei Weltcup-Siegen mitgejubelt und bei Rückschlägen Tränen getrocknet. Und Hönig sagt: "Die Ruhe hat Miri gutgetan. Es hat geholfen, dass sie im Schatten der anderen ihr Ding durchziehen konnte."

Während Laura Dahlmeier und Co. in der Vorsaison groß auftrumpften, war es um Gössner ruhig geworden. Ungewohnt ruhig. Dabei soll laut Hönig ein "Gesinnungswandel" stattgefunden haben. "Sie gefällt mir von ihrer Herangehensweise sehr. Sie hat die Wichtigkeit des Schießens nochmal überdacht", sagte Hönig.

Bei den Testwettkämpfen im norwegischen Sjusjoen haperte es mit dem Gewehr allerdings noch etwas, acht Fahrkarten schoss Gössner in etwa beim Massenstart. "Dass sie wieder die beste Laufzeit lieferte", gestand Hönig, habe ihn gleichzeitig jedoch "positiv überrascht."

Einen großen Anteil an Gössners Rückkehr hatten Freunde und Familie. "Ohne die wäre ich wohl durchgedreht", sagte Gössner. Und es bleibt zu hoffen, dass die Leistungskurve der bayerischen Frohnatur auch weiter nach oben zeigt. "Selbst im Winter war ich lange nicht so fit und gut drauf wie jetzt. Aber man soll es lieber nicht verschreien", sagte sie unlängst in der ARD. Der Gipfel ist zwar noch lange nicht erreicht, aber Gössner hat ihn im Blick.

"Nur noch 100 Tage bis Oslo", schrieb sie am Montag passend bei Facebook. In Norwegen, der Heimat ihrer Mutter, findet im kommenden Jahr die WM statt. Und vielleicht kann die Frohnatur am legendären Holmenkollen ja wieder von ganz oben grüßen.

(sid)
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