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Biathlon
Schempp sehnt sich nach Schnee

Fotos: Simon Schempp gewinnt Weltcup im Sprint in Pokljuka
Fotos: Simon Schempp gewinnt Weltcup im Sprint in Pokljuka FOTO: dpa, ab mr
Pokljuka/Gelsenkirchen. Der Schwabe feiert in Slowenien seinen siebten Weltcup-Sieg. Nach Weihnachten tritt er auf Schalke an. Von Martin Beils

Als sich Simon Schempp am Dienstagabend auf den Weg zu den nächsten Wettkämpfen nach Slowenien machte, wollte er nicht allzu viel von sich verlangen. "Die Messlatte liegt sehr hoch", sagte der Biathlet nach dem über die Maßen erfolgreichen Wochenende im österreichischen Hochfilzen, bei dem er im Sprint Erster und im Jagdrennen Zweiter geworden war.

Schempp hat die überragende Form mitgenommen. Gestern feierte er im Sprint auf der alpinen Hochfläche Pokljuka seinen siebten Weltcupsieg. "Ich habe mich einfach gut gefühlt. Es ist der Wahnsinn, dass es wieder gereicht hat", sagte der Schwabe, der dem norwegichen Altmeister Ole Einar Björndalen (41) den 95. Weltcupsieg wegschnappte.

Das ist Simon Schempp FOTO: afp, CHRISTOF STACHE

Björndalen hatte Schempp zuletzt schon als Kandidaten auf den Weltcup-Gesamtsieg ins Gespräch gebracht. Davon aber will der in dem einst als Pershing II-Standort berühmt-berüchtigten Mutlangen geborene und für die Skizunft Uhingen startende Athlet nichts wissen. Noch nichts wissen. "Es ist schwierig, so früh in dieser Saison Prognosen abzugeben", sagte Schempp im Gespräch mit unserer Redaktion, "über dieses Thema kann man sich frühestens im Januar Gedanken machen." Sein Tonfall erinnert dabei an den früheren Läufer Dieter Baumann.

Björndalen, die Boe-Brüder, Martin Fourcade, Jakub Fak, Anton Schipulin - an Anwärtern auf den Sieg in der Saisonwertung mangelt es nicht. Letzter deutscher Gesamt-Weltcupsieger war Michael Greis vor neun Jahren. Dass Schempp - bis auf wenige Ausreißer - nunmehr konstant auf höchstem Niveau unterwegs ist, sieht er als "Konsequenz aus der jahrelangen Arbeit". Und es gibt ja auch noch die WM in Oslo (3. bis 13. März) als weiteres Ziel.

Mit 27 Jahren kommt Schempp ins beste Biathleten-Alter. Erfolge stellen sich mit schöner Regelmäßigkeit ein. Im vergangenen Jahr gehörte er zur Staffel, die im finnischen Kontiolahti WM-Gold holte. Das Quartett ist ein Anwärter auf den Titel "Deutschlands Mannschaft des Jahres", der am Sonntag in Baden-Baden vergeben wird. Nach der Feier im Kurhaus geht es für ein paar Tage nach Hause und dann weiter zum Biathlon auf Schalke am 28. Dezember. "Da war ich noch nie", sagt Schempp und lässt Vorfreude durchklingen. Von der prächtigen Atmosphäre hat er sich erzählen lassen und davon, dass die Rennen vor lautstarkem Publikum eine gute Vorbereitung auf die stimmungsvollen Januar-Weltcups in Oberhof, Ruhpolding und Antholz seien.

Die erfolgreichsten deutschen Sportler FOTO: dpa, Hannibal Hanschke

Durch eine neue Streckenführung sind die Bedingungen im und am Fußballstadion des FC Schalke fast so wie bei Weltcuprennen. Die Organisatoren haben den Kurs um 100 Meter verlängert, er umfasst eine Kurve mehr und bietet mehr Überholmöglichkeiten. Der Schnee kommt größtenteils aus der Skihalle Neuss. An natürlichem Schnee mangelt es auch in den Alpen. In Hochfilzen liefen die Biathleten auf einem weißen Band durch grün-graue Landschaft, auf der Pokljuka sieht es ein bisschen winterlicher aus, die Loipen aber sind mit Kunstschnee belegt. Schempp sehnt sich nach frischem Naturschnee: "In den vergangenen Jahren war es immer so, dass bei den Dezember-Wettkämpfen kaum etwas lag." Aber im Januar kam dann in der Regel genügend.

Im Sprint der Frauen hat Franziska Hildebrand heute (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) als erste Deutsche nach der vor bald vier Jahren zurückgetretenen Magdalena Neuner die Chance auf die Weltcup-Gesamtführung. Sie liegt nur 16 Punkte hinter der Tschechin Gabriela Soukalova. Das Team des Deutschen Skiverbands präsentiert sich so stark wie noch nie in der Frühphase einer Saison. Schempps Erfolg war bereits der 15. Podiumsplatz. Dabei hat erst das dritte Wettkampf-Wochenende angefangen.

Quelle: RP
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