Dopingspekulationen im Biathlon: Disl: "Ich war noch nie in Wien!"
zuletzt aktualisiert: 20.02.2008 - 16:22München (RPO). Biathlon-Idol Uschi Disl will rechtliche Schritte gegen den anonymen Verfasser einer Liste einleiten, auf der auch Disls Name in Zusammenhang mit möglichem Blutdoping in Wien gebracht wird. "Ich will, dass diese Sache jetzt aus der Welt geschafft wird. Dieser Kerl muss zur Rechenschaft gezogen werden", sagte die Olympiasiegerin der "Münchner Abendzeitung".
Uschi Disl bestritt erneut, jemals in ihrer Karriere gedopt zu haben. "Ich habe nicht gedopt. Ich war noch nicht einmal in meinem Leben in Wien. Noch nicht einmal Urlaub habe ich dort gemacht", sagte die 37-Jährige. Das alles sei nur "ein richtig schlechter Scherz, ein Riesenschmarrn einfach, eine Sauerei."
Sie könne für sich und ihre ehemaligen Teamkollegen die Hand ins Feuer legen: "Wir haben nichts genommen. Ich kann versprechen, dass ich, dass wir alle beim DSV eine absolut reine Weste haben."
Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte derweil den Eingang der vom Deutschen Skiverband (DSV) im Zusammenhang mit aufgekommenen Dopingverdächtigungen eingereichten Anzeige gegen Unbekannt wegen Verleumdung, übler Nachrede, Beleidigung und falscher Verdächtigung.
"Die Anzeige ist bei uns eingegangen. Wir prüfen nun deren Inhalt und ob sich daraus möglichweise Ermittlungen ergeben", sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld auf sid-Anfrage. Eine Entscheidung solle darüber in der kommenden Woche fallen.
In Österreich war im Zusammenhang mit einer anonymen Anzeige eine Liste mit Namen von 31 Sportlern aufgetaucht, die angeblich in Wien Blutdoping betrieben haben. 16 Athleten sind Österreicher, unter den 15 restlichen befinden sich zehn Deutsche.
Alle in der Liste aufgeführten deutschen Biathleten setzen sich mit einer eidestattlichen Versicherung, nie gedopt zu haben, zur Wehr. Falls sich die Vorwürfe in der anonymen Anzeige als falsch erweisen und ein Schuldiger ermittelt werden kann, würde der DSV auch noch Schadenersatz einklagen.
Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, ist nach seinen Angriffen auf den DSV wieder zurückgerudert. "Ich bedaure es, wenn der Eindruck entstanden ist, dass es von meiner Seite eine Vorverteilung der deutschen Biathleten gab. Das ist nicht der Fall, auch von meiner Seite aus gilt weiter die Unschuldsvermutung", sagte der SPD-Politiker. Union und FDP nahmen daraufhin von der geplanten Aussprache zum Thema wieder Abstand.
Danckert hatte die eidesstattlichen Versicherungen der Athleten als "irrelevant und juristisch wertlos" bezeichnet, obwohl sie ausdrücklich zur möglichen Einführung vor Gericht abgegeben wurden. In diesem Fall könnte eine Falschaussage mit einer Geldstrafe oder Gefängnis geahndet werden.
Trotz des Danckert-Rückziehers zeigten sich Union und FDP weiter "irritiert" über den Vorgang. "Unser Ausschuss soll sich mit Sportpolitik befassen, nicht mit juristischen Spitzfindigkeiten", sagte FDP-Obmann Detlef Parr.
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