Nach Doping-Vorwürfen gegen Wintersportler: DSV-Präsident beklagt "Rufmord-Kampagne"
zuletzt aktualisiert: 16.02.2008 - 14:24Östersund (RPO). Deutschlands Biathleten werden direkt nach ihrer Rückkehr von der WM in Östersund eine eidesstattliche Erklärung unterzeichnen, wonach sie niemals in ihrer Karriere mit Doping in Berührung gekommen sind.
Das bestätigte Teamsprecher Stefan Schwarzbach am Samstag. Die Erklärung ergänzt jene bereits vorliegende eidesstattliche Versicherung, wonach kein WM-Starter je Kontakt zu einer in Verdacht geratenen Wiener Blutbank hatte.
Der Verband und seine Athleten reagieren damit auf eine am Freitag in Österreich aufgetauchte Liste mit Namen von Sportlern, die angeblich in Wien Blutdoping betrieben haben. Auf dieser Liste, die offenbar Teil einer anonymen Anzeige ist, sind auch aktive und ehemalige deutsche Spitzensportler aufgeführt. Der DSV hat außerdem Anzeige gegen Unbekannt wegen Verleumdung erstattet.
DSV-Präsident Alfons Hörmann sprach am Samstag in Willingen von einer "hochgradig böswilligen Rufmord-Kampagne". Im DSV habe niemand auch nur einen Funken von Zweifel an den Aussagen der Athleten. "Der Verband wird sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wehren", erklärte Hörmann, in Personalunion auch Vizepräsident der Internationalen Biathlon-Union IBU. Einige Athleten hätten ebenfalls bereits Rechtsanwälte beauftragt, "um den Sumpf trockenzulegen".
"Uns bietet sich ein Bild, wonach eine gezielte Kampagne gegen den deutschen und den internationalen Biathlonsport im Gange ist", sagte Teamsprecher Schwarzbach: "Vor drei Wochen habe ich gesagt, das ist an der Grenze zum Rufmord. Diese Grenze ist jetzt ganz klar überschritten worden."
Einige Athleten hätten die Geschichte "mit einem Schulterzucken abgetan", anderen sei es sehr nahe gegangen: "Wenn man plötzlich so am Pranger steht, ist das natürlich keine ganz einfache Situation." Das bestätigte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich: "Dem einen oder anderen hat es schon die Füße weggezogen." Der Coach bezog im ZDF-Interview klar Position: "Ich stehe voll hinter der Mannschaft und lege beide Hände für die Athleten ins Feuer, ich weiß, wie hart sie sich ihre Leistungen erarbeitet und erkämpft haben."
Alexander Wolf, am Samstag Mitglied der deutschen WM-Staffel, war angesichts der Vorwürfe entsetzt. "Das ist so, als wenn du morgens die Zeitung aufschlägst und jemand hat gesagt, du wärst ein Kinderschänder", sagte Wolf: "Das ist einfach nur hart."
Vollkommen unaufgeregt nahm dagegen ZDF-Experte Sven Fischer zu den Ereignissen Stellung. "Ich weiß nicht, wo diese Liste herkommt, aber wenn es so ist, dass mein Name darauf steht, dann muss ich halt auch dazu Stellung nehmen", sagte der Biathlon-Olympiasieger: "Man darf sowas nicht einfach verschweigen, jeder soll sagen, was ist. Ich habe mir jedenfalls nichts vorzuwerfen und kann sagen, dass ich meine Leistungen immer absolut sauber errungen habe." Ihm sei während seiner gesamten aktiven Zeit niemals Doping angeboten worden: "Das gilt auch für mein Umfeld."
Mit der erneuten eidesstattlichen Erklärung seien laut Schwarzbach alle betroffenen Athleten sofort einverstanden gewesen: "Alle WM-Starter haben sofort erklärt, unterschreiben zu wollen, obwohl es kein Schulhof-Versprechen ist, sondern im Fall einer Falschaussage bis zu drei Jahren Gefängnis drohen."
Die eidesstattliche Versicherung bezieht sich nicht nur auf die Ereignisse rund um die Wiener Blutbank sondern auf die gesamte Karriere. "Es geht darum, nie mit Doping in Berührung gekommen zu sein, egal, zu welcher Zeit, egal, an welchem Ort", erklärte Schwarzbach.
Der DSV nahm unterdessen Kontakt zu dem in Österreich als "Auskunftsperson" genannten alpinen Olympiasieger Stephan Eberharter auf. Der dementiert nach Aussage von Schwarzbach jegliches Wissen um die angebliche Verstrickung deutscher Athleten in eine Dopingaffäre.
In den österreichischen Medien wiederholte Eberharter am Samstag mehrfach sein Dementi. "Das ist das Idiotischste, was ich je in meinem Leben gehört habe", sagte der Riesenslalom-Olympiasieger von 2002: "Genausogut könnte man von mir behaupten, ich sei für die nächste Mission zum Mars als Astronaut eingeplant."
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