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Kinderglück statt Leistungssport
Evi Sachenbacher-Stehles Leben nach dem Doping-Schock

Porträt: Das ist Evi Sachenbacher-Stehle
Porträt: Das ist Evi Sachenbacher-Stehle FOTO: dpa
Fischen . Sie war Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Skilanglauf - und ein echter Wintersport-Darling. Vor vier Jahren in Sotschi wurde Evi Sachenbacher-Stehle als Biathletin dann positiv auf Doping getestet. Jetzt führt die 37-Jährige ein neues Leben.

Töchterchen Mina sitzt auf dem Kinderwagen, auch Baby Greta ist an Bord. Evi Sachenbacher-Stehle schiebt ihre beiden Mädels und strahlt. Vier Jahre nach dem Doping-Schock von Sotschi hat die Olympiasiegerin und Weltmeisterin ihr Lachen wiedergefunden. "Sehr selten" werde sie noch auf ihren positiven Test bei den Winterspielen 2014 angesprochen, sagt sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Ganz verheilen, sagt sie, werde die Wunde aber wohl nie. "Dafür war der Schmerz zu tief. Aber ich habe gelernt, damit zu leben."

Verunreinigter Tee als Grund für positive Dopingprobe

Nach Platz vier im Biathlon-Massenstart am 17. Februar 2014 wurden in ihrem Körper Spuren des Stimulanz-Mittels Methylhexanamin gefunden. "Das war ein riesiger Schock. Man hört ja oft von Dopingfällen, aber dass es einen aus unserer Mannschaft treffen kann, war unvorstellbar", erinnert sich die siebenmalige Weltmeisterin Laura Dahlmeier in der "Sport Bild" (Mittwoch). "Die Momente waren sehr prägend, das vergisst man ein Leben lang nicht". Ihren positiven Test hatte Sachenbacher-Stehle mit einem verunreinigtem Tee erklärt, den sie von einem Ernährungsexperte erhalten hatte.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte daraufhin die vom Biathlon-Weltverband IBU verhängte Zweijahressperre auf sechs Monate reduziert. "Es war hart, von der IBU die gleiche Strafe auferlegt zu bekommen wie Athleten die vorsätzlich mit Epo oder sonstigen leistungssteigernden Substanzen versucht haben, zu betrügen", sagt Sachenbacher-Stehle.

Nach dem CAS-Urteil hätte die vom Langlauf zum Biathlon gewechselte Olympiasiegerin wieder starten können, doch sie beendete die Karriere. Nachdem ihr Doping-Vergehen publik geworden war, versteckte sie sich. "Ich war lange nicht daheim und wollte auch gar nicht zurück. Ich hatte Angst vor den Leuten und traute mich nicht auf die Straße." Sie habe, sagt sie rückblickend, "sicherlich den falschen Menschen vertraut".

Längst hat sich vieles gefügt - ihr Lachen ist zurück. "Ich liebe es, Mutter zu sein, die Zeit mit meinen Mädels zu genießen und nicht mehr ständig reisen zu müssen", sagt sie. Seit November ist die Familie zu viert. Mit ihren beiden Töchtern und Ehemann Johannes Stehle, einem ehemaligen alpinen Skirennläufer, lebt die 37-Jährige in Fischen. "Ich bin sehr glücklich so eine tolle Familie zu haben, auch Hannes Eltern und Familie haben mir in dieser schweren Zeit sehr geholfen und dafür bin ich sehr dankbar."

Sachenbacher-Stehle arbeitet als Ernährungsberaterin und gibt Biathlonkurse

Ganz viel Normalität ist eingezogen. In der Ferienwohnung im renovierten Haus kann man "Urlaub bei Evi" machen. Und in der Skischule gibt die ehemalige Weltklasse-Athletin Biathlon- und Langlaufkurse. "In Zukunft möchte ich gerne etwas in Richtung Ernährungsberatung in Verbindung mit Fitness machen", sagt sie.

Sachenbacher-Stehle hat Ernährungsberatung studiert, nicht unbedingt wegen der Doping-Affäre. "Ob das der ausschlaggebende Punkt war, kann ich nicht sagen, das ganze Thema Ernährung interessiert mich aber schon länger." An ihre Sport-Karriere denkt sie trotz des unrühmlichen Endes "sehr gerne" zurück. "Ich durfte unvergessliche und emotionale Momente erleben."

Und falls die Töchter in die sportlichen Fußstapfen der Eltern treten wollen, "warum nicht?" Allerdings wäre es der Mutter "lieber wenn sie sich für Skilanglauf oder Biathlon anstatt Alpinskifahren entscheiden, das ist weniger gefährlich."

Trotz der bitteren Stunden in Sotschi hat sie sich vom Sport nicht abgewendet. Wenn die Spiele beginnen, dann wird auch sie vor dem Bildschirm sitzen. "Ich finde es toll, bei Olympia auch mal was von Sportarten zu sehen, die sonst nicht im Fernsehen übertragen werden."

(dpa)
 
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