Neuner schweigt zu ihrer Zukunft : "Ich kann ein ganz neues Leben beginnen"
zuletzt aktualisiert: 07.12.2011 - 14:36Leogang (RPO). Als sich Magdalena Neuner erstmals zu ihrem Rücktritt äußerte, strahlten ihre Augen und die Biathlon-Königin setzte ihr freundlichstes Lächeln auf. "Ich freue mich einfach auf die Normalität", sagte die Doppel-Olympiasiegerin: "Ich kann mit 25 nochmal ein ganz neues Leben beginnen. Einfach mal die Dinge machen, die man vielleicht noch nie machen konnte."
Einen Tag nach der Ankündigung, ihre Karriere nach dem Weltcupfinale im März 2012 aus privaten Gründen frühzeitig zu beenden, wirkte die Wallgauerin gelöst und unheimlich erleichtert.
"Die letzten beiden Wochen waren schwierig, weil der Entschluss für mich schon feststand", sagte die Rekordweltmeisterin bei einer Pressekonferenz im österreichischen Leogang zwei Tage vor dem nächsten Weltcup in Hochfilzen.
Hoffnung auf ein Comeback wollte sie zwar nicht machen, schloss einen Rücktritt vom Rücktritt aber nicht gänzlich aus. "Die Chance ist sehr, sehr, sehr, sehr gering und liegt vielleicht bei zwei Prozent", sagte Neuner. Darüber denke sie jedoch aktuell nicht nach und "freut sich jetzt ganz arg" auf die Zeit nach der Karriere.
"Ich habe alles erreicht"
Erneut begründete die Rekordweltmeisterin ihren Rückzug aus dem Leistungssport. "Ich habe alles gewonnen und alles erreicht. Die Entscheidung ist über lange Zeit nach Olypia in Vancouver gereift", sagte Neuner: "Mir war es wichtig, die Entscheidung meinen Fans zuerst auf meiner Homepage mitzuteilen." Mit der Folge, dass es am Dienstag in ihrem Heimatdorf Wallgau drunter und drüber ging. "Ich wurde zum ersten Mal in meinem Leben von Paparazzis verfolgt, das war schon komisch", sagte Neuner.
Mit einem derartigen Echo auf ihr Karriereende ("Das war ein ganz schöner Hype") habe sie nicht gerechnet. In zehn Mikrofone musste Neuner am Mittwoch erklären, warum sie sich aus dem Biathlon-Zirkus zurückzieht. Die Pressekonferenz wurde sogar live übertragen. "Es ist nicht so, dass ich keinen Bock mehr habe. Ganz im Gegenteil, ich habe unheimlich viel Spaß am Sport", sagte die zweimalige Gesamtweltcup-Siegerin.
Der Spaß ist aktuell sogar derart groß, dass sie in den letzten Tage ihre Trainingsleistungen ausgerechnet hat. "Ich habe 16 Jahre meines Lebens Sport gemacht, insgesamt 12.500 Stunden. Dabei bin ich 6500-mal aufgestanden und zum Training gefahren", sagte Neuner: "Ich habe gern verzichtet. Aber jetzt reicht es auch."
Wie die Zukunft ohne Loipe und Schießstand aussieht, weiß Neuner, die sich nach anstrengenden Jahren zwischenzeitlich ausgebrannt fühlte, noch nicht. "Es gibt viele Angebote, aber ich habe mich noch nicht konkret entschieden. Ich möchte mir erstmal eine Pause gönnen", sagte die Wallgauerin. Deswegen dürfte nach dem letzten Weltcup des Winters in Chanty-Mansijsk (Russland/16. bis 18. März 2012) vor allem Freund Sepp mehr Aufmerksamkeit bekommen. "Ich freue mich auf die Zeit mit ihm und meiner Familie", sagte Neuner, die gerade auch ihre C-Trainerlizenz macht. Eigene Kinder seien aber noch kein Thema für sie.
"Wir verlieren eine Topathletin"
Weniger Freude verbreitet das Karriereende beim Deutschen Skiverband (DSV), denn Bundestrainer Uwe Müssiggang muss in den nächsten Jahren ohne seinen Superstar auskommen. "Wir verlieren mit Lena eine Topathletin, die den Biathleton international geprägt hat. Wir verlieren einen internationalen Superstar", sagte Müssiggang und ergänzte: "Da wird nicht morgen Ersatz kommen und es ist immer bitter für uns, wenn Topathleten gehen."
Zwar hatte Neuner in den letzten Wochen mehrfach über einen Rücktritt gesprochen, trotzdem ist sie weiter fokussiert auf Erfolge. "Ich will natürlich weiter gewinnen und die Heim-WM in Ruhpolding im März 2012 ist ein absolutes Highlight", sagte Neuner. Im Sommer kündigte sie an, bei den Titelkämpfen unweit ihrer Heimat (29. Februar bis 11. März) sechs Medaillen gewinnen zu wollen. Aber selbst wenn das nicht gelingt, dürfte sie glücklich in den frühzeitigen Sportler-Ruhestand gehen.
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