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Biathlon-Star beendet Karriere
Kati Wilhelm – ohne Gewehr

Kati Wilhelm ohne Gewehr
Kati Wilhelm ohne Gewehr FOTO: Ingo Peters / Bildrechte: Deutsche Sport-Marketing
Düsseldorf (RPO). In ihrem Pass steht der Name Katarina. Ihre Original-Haarfarbe ist blond. Bekannt aber wurde sie als die Kati mit den roten Haaren. Jetzt hört sie auf. Der Biathlonsport verliert in Kati Wilhelm eine seiner auffälligsten Figuren. Von Martin Beils

Auffällig nicht nur, aber auch wegen der Frisur. Dass sich die Skijagd durch den Winter binnen eines Jahrzehnts zu einer "Premium- Sportart”, wie die Marketingleute so etwas nennen, mauserte, darf sie sich als Verdienst anheften.

Wegen ihrer Erfolge natürlich, aber auch wegen ihrer Art. Geduldig, offen, verbindlich, unkompliziert und geradlinig gab sie stets Auskunft über ihren Beruf und –­ in wohl dosiertem Maß –­ auch über ihr Privatleben. "Wenn ich koche, schmeckt es meinem Freund und mir”, erzählte sie im November rheinischen Schülern in einem Telefonat. Wie es nach der Saison, die sie damals in Angriff nahm, mit ihr weitergehen würde, verriet sie da allerdings noch nicht. Weil sie es selbst nicht wusste.

Doch seit Dienstag steht fest: Kati Wilhelm beendet mit dem Abschluss der laufenden Weltcup-Saison ihre Karriere. Im Alter von 33 Jahren will sie sich verstärkt ihrem Studium in Ansbach (Internationales Management) widmen. Und dass sie irgendwann eine eigene Familie gründen möchte, hat sie auch schon häufiger erwähnt.

Ihre Laufbahn nach den Olympischen Spielen in Vancouver nur um ein Jahr zu verlängern, stand für sie nie zur Debatte. Entweder gleich aufhören oder noch zwei dranhängen ­ so lautete ihre Fragestellung. Die Heim-WM in Ruhpolding, wo die Thüringerin seit ein paar Jahren lebt, wäre ein Anreiz gewesen, noch bis 2012 weiterzumachen.

Am Dienstag sagte sie: "Ich habe alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Die Olympischen Winterspiele waren noch einmal ein Höhepunkt, aber nun ist es Zeit, die Biathlonstrecke jüngeren Leuten zu überlassen.” Der Generationswechsel wurde auf der olympischen Anlage in Whistler vollzogen.

Wilhelm holte mit der Staffel noch einmal die Bronzemedaille, verpasste den Sprung aufs Treppchen im Einzelrennen als Vierte aber knapp. Die Rolle der "Miss Biathlon” übergab die dreimalige Olympiasiegerin von 2002 und 2006 an Magdalena Neuner.

Nach der Ära von Uschi Disl stand Wilhelm in der ersten Reihe. Als "unseren Leitwolf” bezeichnete Bundestrainer Uwe Müssiggang sie häufig. Noch in Vancouver nannte Magdalena Neuner die Thüringerin als die Frau, die in der Mannschaft den Ton angibt: "Aber es ist nicht so, dass wir abends bei einem Wein oder einer Schokolade alle auf dem Boden hocken, und nur Kati sitzt auf einem Stuhl.”

Neben Wilhelm hört auch Martina Glagow nun auf. Andrea Henkel und Simone Hauswald kündigten in Whistler ebenfalls an, dass sie nicht mehr bis Sotschi 2014 denken. Ihre Nachfolgerinnen stehen bereit. Neben Neuner sind das in erster Linie die zuletzt bei den Langläuferinnen eingesetzte Miriam Gössner und Tina Bachmann, die in Kanada nicht zum Einsatz kam, aber auch Kathrin Hitzer und Juliane Döll.

Weltcups in Norwegen, Finnland und Russland liegen nun noch vor Wilhelm: "Ich will die Wettkämpfe noch einmal richtig genießen. Sollte ein Platz auf dem Treppchen dabei herauskommen, wäre das toll.”

(RP/chk)
 
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