Biathlon: Kati Wilhelms letzte Gold-Jagd
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 10:03Herzogenaurach/Leichlingen (RP). Die dreimalige Olympiasiegerin im Biathlon startet in Vancouver zum letzten Mal bei den Spielen. Morgen beginnt in Östersund die Weltcup-Saison, in der das deutsche Team wieder den Ton angeben will.
Kati Wilhelm kann gut mit Kindern umgehen. Ihren Neffen bringt sie bisweilen in den Kindergarten, oder sie spielt mit ihm und dessen Meerschweinchen. Kürzlich gab sie Fünf- und Sechstklässlern der Leichlinger Realschule an der Wupper geduldig Auskunft.
Die dreimalige Weltmeisterin im Biathlon erzählte, wie sie im Trainingslager einen Kuchen backte, dass sie nicht raucht, dass sie Doping verabscheut, dass sie die Filme "Ice Age'" und "Keinohrhasen" mag und dass sie ziemlich nervös sein wird, wenn es jetzt auf ihre letzten Olympischen Spiele zugeht. Sie nahm sich Zeit, war geduldig und auskunftsfreudig. "Gespräche mit Kindern sind lustiger, aber häufig auch herausfordernder als Interviews mit Journalisten", sagt sie, "Kinder sind so herrlich unbeschwert und offen."
Kinderwunsch
Ob sie ihren Freund, den Skitechniker Andreas Ermländer, heiraten wird ("Wir leben auch ohne Trauschein gut zusammen"), weiß sie noch nicht. Kinder aber möchten die beiden unbedingt. Deshalb steht der Entschluss der 33-Jährigen fest, dass sie ihre Karriere nicht bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi (Russland) fortsetzen wird. In Vancouvers Ski-Resort Whistler wird sie im Februar auf jeden Fall ihre letzten olympischen Runden drehen, sagte sie bei der Einkleidung der deutschen SkiNationalmannschaft in Herzogenaurach.
Anders als vor einem halben Jahr mag sie sich noch nicht darauf festlegen nach dieser Weltcup-Saison aufzuhören, die morgen mit einem Sprint im schwedischen Östersund beginnt. Die Überlegung, ihre Laufbahn noch bis zur WM 2012 in ihrer Wahlheimat Ruhpolding fortzusetzen, schwirrt ihr durch den Kopf. Doch bis dahin ist es ja noch lange hin. Wenn sie diesen Winter aber als Abschied deklarieren würde, könnte sich das negativ auf ihre Anspannung auswirken, meint sie. Also lässt sie sich die Entscheidung noch ein Weilchen offen.
Als Miss Biathlon wird sie auf jeden Fall in die deutsche Sportgeschichte eingehen. Mit ihren roten Haaren ist sie zur Marke geworden. Und an ihrem Rang ändert sich auch nichts dadurch, dass Magdalena Neuner zuletzt etwas erfolgreicher war als die gebürtige Thüringerin. Wilhelm wirkt glaubhaft, wenn sie sagt, dass sie der Oberbayerin die Erfolge gönnt. Im Rampenlicht ist ja auch genug Platz für beide. Auf die Rennen in Östersund muss Neuner wegen eines viralen Infekts ("sehr ärgerlich") verzichten.
Nachdem sie im vergangenen Jahr mit dem norwegischen Trainer Odd Lierhus ihre Lauftechnik verändert hat, ließ sie nun alles beim Alten. "Ich habe den Sommer über ziemlich genau so trainiert, wie im vergangenen Jahr auch", sagte sie, "es würde ja auch nur wenig Sinn machen, ausgerechnet im wichtigsten Winter all das, was sonst immer gut funktioniert hat, in Frage zu stellen."
Vor dem Weltcup-Auftakt im derzeit schneearmen Mittelschweden, zu dem sie aus dem Trainingslager im finnischen Munio angereist ist, glaubt sie gut in Schuss zu sein: "Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Ich konnte das trainieren, was ich mir vorgenommen habe und bin soweit gut durchgekommen."
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