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Biathlon
Mixed-Staffel deklassiert Rest der Welt

Das ist Magdalena Neuner
Das ist Magdalena Neuner FOTO: dapd, Matthias Schrader
Chanty-Mansijsk (RPO). Erst holte sie als erste Deutsche zum zweiten Mal den Gesamtweltcup, dann führte sie die Mixed-Staffel zu WM-Gold: "Gold-Lena" Neuner hat ihre überragende Saison im fernen Sibirien gekrönt. Als Schlussläufer Arnd Peiffer jubelnd mit der deutschen Fahne über die Ziellinie lief, war auch der Schmerz über das Karriere-Ende der drei "Grandes Dames" des deutschen Biathlons und den Abschied von Bundestrainer Frank Ullrich verflogen.

"Es ist faszinierend, was Magdalena Neuner geleistet hat. Ich ziehe den Hut vor dieser Mannschaft", sagte der scheidende Chefcoach Ullrich. Mit 1:24,0 Minuten Vorsprung auf Norwegen kam das deutsche Mixed-Quartett mit Simone Hauswald, Neuner, Simon Schempp und Peiffer nach einem Start-Ziel-Sieg im letzten Saisonrennen an – eine Ohrfeige für den Rest der Welt. Nach 2008 war es der zweite deutsche WM-Mixedtitel und der insgesamt siebte Weltmeistertitel der 23 Jahre alten "Außerirdischen" Neuner.

Den Vorsprung hatte sie fast allein rausgelaufen: "Das hat nochmal richtig Spaß gemacht zum Abschluss. Und besonders cool ist, dass Simi im letzten Rennen ihr erstes WM-Gold gewonnen hat." Hauswald hatte Tränen in den Augen: "Das ist ein superschöner Abschluss meiner Karriere. Ich trete auf dem Höhepunkt ab."

Neuner hatte schon nach ihrem Triumph im Massenstart die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Beck in den Arm genommen, die mit Tränen in den Augen Abschied vom Weltcup-Zirkus nahmen. "Ich habe eine unglaubliche Saison gekrönt und das mit einem Sieg - einfach unbeschreiblich. Ich wollte unbedingt diese Kugel und da habe ich es mit dem Sieg lieber ganz sicher gemacht", sagte Neuner mit einem strahlenden Lächeln.

Die mit Startnummer 1 gestartete Neuner feierte im Massenstart ihren fünften Saisonsieg mit 17,2 Sekunden Vorsprung vor der Französin Sandrine Bailly. Nach 2008 holte Magdalena Neuner damit zum zweiten Mal die große Kristallkugel und kassierte zudem 35.000 Euro Prämie. Nebenbei gewann sie zudem im Massenstart ihre zweite kleine Kristallkugel in dieser Saison.

Dass sie damit einmal mehr Geschichte schrieb, war ihr relativ egal: "Ich bin nicht der Fan von so was. Ich sammle die Titel für mich selbst und kann schon jetzt auf eine Wahnsinns-Karriere zurückblicken. Und es kann ja auch noch einiges dazukommen." Neuner freut sich nun auf den Urlaub: "Ich muss all diese Erfolge in dieser genialen Saison erstmal sacken lassen."

Schluss war für ein deutsches Trio: Die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm bedankte sich mit einer riesigen Fahne bei ihren Fans und lief mit Tränen in den Augen auf Platz sechs ins Ziel. Bei ihr steht jetzt genau wie bei der Gesamtweltcup-Zweiten Simone Hauswald und Martina Beck (29.) die Familienplanung im Mittelpunkt des Lebens.

Für das letzte Rennen waren die Sponsoren-Aufdrucke ihrer Mützen mit Goodbye-Aufklebern überklebt worden. Bundestrainer Uwe Müssiggang und viele Wegbegleiter trugen Aufkleber, auf denen Hauswald, Wilhelm und Beck mit den Haarfarben Schwarz-Rot-Gold abgebildet waren. Am Ende wurden die Frauen im Ziel von einem Plakat mit den Dreien mit der Aufschrift "Goodbye. Wir werden Euch vermissen!" empfangen.

Auch für Müssiggang war es das letzte Wochenende als Frauen-Bundestrainer, er wird ab der kommenden Saison zum deutschen Chefcoach aufsteigen und damit auch für die zuletzt erfolglosen Männer zuständig sein. Neuer Männer-Coach wird Mark Kirchner, und Ullrich konnte nach der 38. Medaille seiner Karriere beruhigt gehen: "Ich habe den Staffelstab übergeben. Er wird das Schiff weiterführen."

Vor dem WM-Gold hatte Peiffer Platz zwei im Massenstartrennen mit nur 3,6 Sekunden Rückstand hinter Weltmeister Dominik Landertinger (Österreich) belegt. Dem Norweger Emil Hegle Svendsen reichte Platz 14 zum Triumph im Gesamtweltcup.


Biathlon, Saison-Finale in Chanty-Masijsk/Russland:

Mixed-Weltmeisterschaft:
1. Deutschland (Simone Hauswald/Gosheim, Magdalena Neuner/Wallgau, Simon Schempp/Uhingen, Arnd Peiffer/Clausthal-Zellerfeld) 1:18:17,4 Stunden/0 Strafrunden nach Schießfehlern, 2. Norwegen 1:24,0 Minuten zurück/0, 3. Schweden 1:30,8/0, 4. Russland 1:42,1/1, 5. Frankreich 2:08,2/0, 6. Ukraine 2:24,3/0

(SID/can)
 
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