| 12.19 Uhr

Norwegens Volksheld
Ole Einar Björndalen: Erst "enter" drücken, dann die Medaille

Das ist Ole Einar Björndalen
Das ist Ole Einar Björndalen FOTO: dpa, Filip Singer
Als Ole Einar Björndalen auf der Medal Plaza seine Silbermedaille erhielt, skandierten die 15 000 Fans lauthals seinen Namen. Kein Biathlet der Welt ist so populär wie Norwegens Volksheld.

Ole Einar Björndalen ist und bleibt der König der Biathleten. Auch wenn er den Status des weltbesten Skijägers an seinen legitimen Nachfolger Martin Fourcade abgegeben hat: Keiner verkörpert Ehrgeiz, Leidenschaft und das Fokussieren auf den Saisonhöhepunkt so wie er. "Silber ist für mich wie Gold", sagte Norwegens Volksheld nach seinem sensationellen zweiten Platz im WM-Sprint von Oslo hinter dem französischen Dominator Fourcade. Kein Simon Schempp, keine Bo's und kein Svendsen holte eine Medaille - dafür schnappte sich der Rekord-Weltmeister 20 Jahre nach seinem ersten Weltcupsieg sein 41. WM-Edelmetall und ist damit der älteste WM-Medaillengewinner der Geschichte.

Norwegens Presse huldigte ihrem Biathlon-König. "Superveteran Björndalen mit noch einer WM-Medaille: Das war ein goldener Lauf", titelte "Verdens Gang" und die "Aftenposten" schrieb: "Kanonenlauf von Björndalen auf dem Holmenkollen - Das war einfach unglaublich".

"Ole ist eine Legende. Er war einer der Jungs, die ich im Fernsehen sah, als ich jung war. Jetzt bin ich 27 und er ist immer noch hier. Es ist erstaunlich, und er gibt weiterhin so viel für den Biathlon", sagte Fourcade, der Björndalen der Neuzeit. Anders als sein Vorbild will er aber nicht ewig durch die Loipe jagen. "Ich glaube, meine Tochter würde mich umbringen, wenn ich mit 40 noch Biathlon mache."

Björndalen indes hat immer noch nicht genug. Dabei hatte der Rekord-Olympiasieger seit Januar eine "Krise", schoss schlecht und lieferte keine Resultate ab. Aber Björndalen kann sich wie kein anderer punktgenau auf ein Rennen vorbereiten. Er ließ die letzten beiden Weltcups vor der WM aus und fokussierte sich voll auf die WM.

Bilder: Björndalen schnappt Schempp den Sieg weg FOTO: dpa, sam

"In den vergangenen paar Jahren hat er das Gleiche jedes Jahr gemacht. Es ist Sprint, und er legt sich im Computer ein Excel-Formular an, wie er sich in Form bringen kann. Dann drückt er "enter" und holt sich die Medaille. Es sieht so einfach aus", zollte sein 20 Jahre jüngerer Teamkollege Johannes Thingnes Bø dem Altmeister Respekt.

Die norwegischen Fans sagen, sie haben zwei Könige: Den richtigen, Harald V., und Ole Einar. Das sei zu viel des Lobes, meint Björndalen. "Wir haben in Norwegen nur einen König. Ich mache nur Biathlon." Eigentlich sollte die Heim-WM der krönenden Abschluss der einmaligen Karriere des "Kannibalen" sein.

Aber "Aftenpostens" Sportkommentator Ola Bernhus schrieb: "Warum sollte der zweitbeste Biathlet der Welt aufhören? Nicht einmal die Ehrgeizigsten haben mehr Erfolg als Bjørndalen, wenn eine Meisterschaft näher rückt. Es sind ja nur zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen."

(dpa)
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