| 17.17 Uhr

Platz zwei im Teamwettbewerb
Deutsche Kombinierer fühlen sich um Sieg gebracht

Fotos: Fabian Rießle stützt im umkämpften Zielspurt
Fotos: Fabian Rießle stützt im umkämpften Zielspurt FOTO: dpa, pse htf
Die deutschen Kombinierer haben den Sieg im Teamwettbewerb beim Weltcup-Finale in Schonach knapp verpasst. Obwohl der deutsche Schlussläufer Fabian Rießle im Zielspurt behindert wurde, erklärte die Jury Norwegen zum Sieger.

Fabian Rießle setzte gerade zum entscheidenden Überholmanöver an, als er nach einer Attacke von rechts unsanft im Schnee landete. Beim Weltcup-Finale der Nordischen Kombinierer in Schonach hatte sich der Schlussläufer der deutschen Mannschaft im Teamwettbewerb einen packenden Zielsprint mit Norwegens Jörgen Graabak geliefert, ehe dieser ausscherte und ein Sturz die Hoffnung auf den Heimsieg jäh beendete.

Dem spannenden Duell über 4x5 Kilometer im dichten Schneefall folgte eine 90-minütige Diskussion der Jury. Erst danach stand der norwegische Sieg im Team-Wettkampf der nordischen Kombinierer beim Weltcup in Schonach fest. Obwohl der deutsche Schlussläufer Rießle im Zielspurt behindert wurde, erklärte die Jury Norwegen zum Sieger.

Bundestrainer Hermann Weinbuch kochte angesichts des seiner Meinung nach "unfairen" Verhaltens des Norwegers Graabak vor Wut und war auch verärgert darüber, dass der Protest des Deutschen Skiverbandes (DSV) zurückgewiesen wurde. "Man weiß ja, dass der Graabak mit allen Wassern gewaschen ist. Aber Fabi war schneller und in seiner Spur. Ich finde es traurig, dass die Jury nicht im Sinne der Fairness entschieden hat", sagte Weinbuch.

Auch Rießle war total sauer. "Ich komme mit der höheren Geschwindigkeit, Graabak macht vor mir zu. Da hatte ich keine Chance. Er hat mich klar behindert. Doch in der Jury dominieren die Norweger", schimpfte der frustrierte Team-Weltmeister von 2015.

Stattdessen musste sich das Quartett mit Rießle (Breitnau), dem frischgebackenen Gesamtweltcup-Sieger Eric Frenzel, Weltmeister Johannes Rydzek (Oberstdorf) und Manuel Faißt (Baiersbronn) in der einzigen Staffel der Saison Dauerrivale Norwegen mit 7,9 Sekunden Rückstand geschlagen geben. Dritter wurde Österreich (+22,2 Sekunden).

In einer Übergangssaison ohne WM oder Olympia glückte den Skandinaviern damit auch die verspätete Revanche für die Weltmeisterschaften 2015 in Falun/Schweden. Damals siegten Frenzel, Rydzek, Rießle und Tino Edelmann (Zella-Mehlis) vor Norwegen, es war das erste große Mannschafts-Gold für die DSV-Kombinierer seit Olympia 1988.

Nach dem Springen auf der Langenwaldschanze hatte die deutsche Mannschaft noch in Führung gelegen, vor allem Frenzel glänzte dabei mit der Schanzenrekord-Weite von 107,0 m. Kurz zuvor hatte bereits der Japaner Akito Watabe die Bestmarke des Franzosen Jason Lamy-Chappuis aus dem Jahr 2011 um drei Meter auf 106,5 m gesteigert.

In den Langlauf war das DSV-Quartett mit einem Vorsprung von 24 Sekunden auf Norwegen gegangen, der jedoch bereits nach der ersten der vier 5-km-Runden aufgebraucht war. Anschließend lieferten sich die beiden Kombinations-Topnationen an der Spitze ein vor allem von taktischen Spielchen geprägtes Duell, das erst auf der Zielgeraden seinen dramatischen Höhepunkt erreichte.

Am Samstag und Sonntag stehen in Schonach noch zwei Einzelwettbewerbe an. Seit dem Sieg von Hubert Schwarz im Jahr 1987 hat es beim Schwarzwaldpokal keinen deutschen Heimerfolg mehr gegeben. Der Ärger vom Teamwettbewerb sollte bei den DSV-Startern bis dahin möglichst verraucht sein. "Mit Wut im Bauch kann man keine Wettkämpfe absolvieren. Wir müssen das abstreifen", sagte Bundestrainer Weinbuch.

(sid)
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