Ski Alpin: Abfahrts-König Cuche siegt schon wieder
zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 - 13:26Garmisch (RPO). Auf seine letzten Tage als Ski-Rennläufer lässt es Didier Cuche noch mal so richtig krachen. Vor einer Woche gewann der 37 Jahre alte Schweizer, der am Saisonende seine glanzvolle Laufbahn beenden wird, schon zum fünften Mal die Abfahrt auf der "Streif" in Kitzbühel. Am Samstag nun siegte er auch bei seiner letzten Abfahrt auf der "Kandahar" in Garmisch-Partenkirchen, zum zweiten Mal nach 2004.
Und wie am Wochenende zuvor war auch die Strecke vom Kreuzjoch wegen der schlechten Sicht um etwa 45 Sekunden Fahrzeit verkürzt worden - in den oberen Abschnitten hingen Nebel und Wolken fest. Das komme ihm als älterem Herren ja vielleicht entgegen, sagte Cuche mit einem Augenzwinkern, "aber ich habe auch schon bewiesen, dass ich im unteren Teil einer Abfahrt, wenn ich müde bin, immer noch gut Ski fahren kann." Hat er. Reichlich.
"Das war die Rache"
Gemessen an seiner Siegerzeit von 1:09,10 Minuten war die Fahrt von Cuche erneut sehr eindrucksvoll. Immerhin 0,27 Sekunden lag er im Ziel vor Erik Guay aus Kanada, der vor gut einem Jahr an gleicher Stelle die WM-Abfahrt gewonnen hatte - vor Cuche. "Das war die Rache", sagte Guay mit einem breiten Grinsen. Im Februar 2011 wurde allerdings auf der neuen "Kandahar" gefahren, und auch von ganz oben. Diesmal wurde die alte Strecke genutzt.
Während Hannes Reichelt aus Österreich 0,30 Sekunden hinter Cuche auf Rang drei fuhr, scheiterte Stephan Keppler spektakulär bei seinem recht ehrgeizigen Vorhaben, aufs "Stockerl, zumindest aber unter die ersten Zehn zu fahren. Bei der Einfahrt in den technisch anspruchsvollen Eishang nach etwa 30 Fahrsekunden wählte der 29-Jährige eine ziemlich mutige Linie, legte sich dabei zu weit nach innen, rutschte weg und stürzte.
"Wenn du vorne reinfahren willst, musst du volles Risiko gehen. Ich muss ja irgendwo die Zeit rausholen, entweder es geht gut - oder nicht", sagte Keppler. Besser erging es Andreas Sander. Er kämpfte sich mit Startnummer 36 wacker über die schon recht ruppige "Kandahar" und belegte am Ende Rang 21. Es war immerhin die zweitbeste Abfahrtsplatzierung seiner Karriere. Auch unter Berücksichtigung seiner hohen Startnummer sei er "sehr zufrieden", sagte der 21-Jährige.
Cuche nach Rücktritts-Ankündigung wie befreit
Cuche versetzte unterdessen mit seiner Fahrt Publikum, Konkurrenten und Mannschaftskollegen in Staunen. Auf die Frage, ob man sich bei einer derart kurzen Strecke noch Fehler erlauben könne, sagte der Schweizer Carlo Janka, im Riesenslalom Olympiasieger (2010) und Weltmeister (2011), lächelnd: "Wir nicht, der Cuche schon." Der Gelobte wiederum betonte wie bereits in Kitzbühel, dass ihn die Ankündigung seines Rücktritt nun wie befreit fahren lasse.
Er habe sich diesen Rücktritt gut überlegt, wiederholte Cuche, "ja, ich glaube, dass mich das lockerer macht. Ich habe auch beim Fahren nicht mehr so Sorgen, dass ich Fehler mache - und wenn du Fehler machst, hast du keine Chance mehr aufs Podest." Diese Angst vor Fehlern habe ihn bis in den Dezember hinein wohl ein bisschen gehemmt, mutmaßte Cuche, "vielleicht lag es daran, dass ich zu viel überlegt habe, ob ich weiterfahre oder nicht."
Das Schweizer Boulvardblatt Blick sammelte im Zielraum der "Kandahar" aus Spaß an der Freude bereits Unterschriften für die Aktion "Cuche muss bleiben", die Entscheidung des "Bruce Willis des alpinen Ski-Rennsports" ist allerdings unumstößlich. Ein Ziel hat der Altmeister allerdings noch: Am Ende der Saison würde er gerne zum fünften Mal den Abfahrtsweltcup gewinnen - das hat vor ihm nicht keiner geschafft.
Mit dem Sieg in Garmisch-Partenkirchen, seinem 20. im Weltcup, hat Cuche im Kampf um die kleine Kristallkugel erst mal die Führung übernommen - vor seinem 13 Jahre jüngeren Landsmann Beat Feuz.
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