| 18.34 Uhr

Abfahrt in Kitzbühel
Schwere Stürze überschatten Fill-Sieg – Svindal fällt ein Jahr aus

Schwere Stürze auf der Streif
Schwere Stürze auf der Streif FOTO: dpa, sam
Kitzbühel. Peter Fill aus Südtirol gewinnt auf der Streif in Kitzbühel, doch das Rennen wird überschattet von schweren Stürzen. Nach 30 Startern wird es abgebrochen und gewertet.

Selbst der hartgesottene "Terminator" blickte erschrocken die "Streif" in Kitzbühel hinauf. Dort oben lagen sie - erst Hannes Reichelt, der Sieger von 2014 und die große Hoffnung der Österreicher, dann Aksel Lund Svindal, der große Favorit aus Norwegen. Unmittelbar vor dem Rennen hatte Arnold Schwarzenegger, der ehemalige Mister Universum, noch gesagt: "Es ist das gefährlichste Rennen der Welt. Für mich sind die, die da runterrasen, echte Helden." Dann wurde auch er still.

Es war tatsächlich gefährlich, wegen der schlechten Sicht sogar noch gefährlicher als sonst - und nicht alle "Helden" kamen unten an. Vor Reichelt hatte es bereits Georg Streitberger aus Österreich erwischt. Er stürzte, wie nach ihm Reichelt und Svindal, unmittelbar nach dem Sprung über die Hausbergkante und erlitt einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Reichelt zog sich eine Knochenstauchung im linken Knie zu. Auch bei Svindal lautet die bittere Diagnose Kreuzbandriss. Zudem riss sein Meniskus. Nach Angaben eines Verbandssprechers wird er ein Jahr ausfallen. Seine Teilnahme an der WM 2017 in St. Moritz/Schweiz wäre damit ernsthaft gefährdet.

All das trübte ein wenig die Freude eines Mannes, der mit Bestzeit im Ziel stand und nach dem Abbruch des Rennens nach 30 Startern regelkonform zum zweiten mal im Weltcup gewonnen hatte. "Wenn man Reichelt und Svindal fliegen sieht, das tut weh", sagte Peter Fill aus Südtirol. Der zweitplatzierte Beat Feuz (Schweiz/+0,37 Sekunden) und der drittplatzierte Carlo Janka (Schweiz/+0,65) äußerten sich ähnlich. Ebenso Andreas Sander (Ennepetal/2,00), der Rang 17 belegte.

"Kitzbühel ist so brutal. Ich war heilfroh als ich im Ziel war", sagte Feuz. Dass "drei Topleute" gestürzt seien, "trübt das Ganze sicherlich". ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel rief nach dem Sturz von Svindal sogar bei FIS-Renndirektor Markus Waldner an und schlug ihm einen Abbruch des Rennens vor. Der Abbruch kam auch, aber erst, nachdem Vincent Kriechmayr als 30. gestartet war - damit konnte das Rennen gewertet werden. Kriechmayr wurde Siebter und war bester Österreicher.

Den gestürzten Spitzenfahrern wurde eine Stelle direkt nach der Hausbergkante zum Verhängnis. Sie liegt im Landebereich auf der Ideallinie, ist aber zunächst nicht einzusehen. Hinzu kam diesmal die schlechte Bodensicht, weshalb Janka betonte: "Das Rennen war heute definitiv am Limit", Wellen und Rippen seien kaum erkennbar gewesen. Vorjahressieger Kjetil Jansrud aus Norwegen kommentierte das Rennen mit einem Achselzucken: "Das ist Kitzbühel. In Kitzbühel gibt es immer Stürze."

Sander war bereits mit der Startnummer drei auf die Streif gegangen. Er kam nicht so gut zurecht wie am Tag zuvor im Super-G, als er Rang zehn belegte. Durch den Abbruch wurde er nicht weiter nach hinten durchgereicht. "Den Platz", sagte der 26 Jahre alte Westfale, "nehme ich mit", er sei ihm aber nach den Stürzen "auch echt egal" gewesen: "Da war ich so schockiert, dass ich gehofft habe, dass es einfach nur noch glücklich über die Bühne geht."

Der Glücklichste war diesmal sicher Peter Fill, der mehr als sieben Jahre nach seinem ersten Weltcup-Sieg bei der Abfahrt im kanadischen Lake Louise behauptete: "Mein größter Triumph ist sicherlich die Geburt meines Sohnes. Aber das hier ist der zweitgrößte." Sohn Leon war auf den Tag genau zwei Jahre zuvor geboren worden, Fill gratulierte ihm noch im Ziel über den Stadionlautsprecher. Die, die ihn kennen, glauben: Der Sohn hat ihn schneller gemacht. Er hat jetzt mehr Biss.

Genau 2611 Tage lagen bei Fill, mittlerweile 33 Jahre alt, wohnhaft in Kastelruth, zwischen dem ersten und dem zweiten Weltcup-Sieg - länger hat es nie gedauert bei einem Läufer. Sein Glück war also vollkommen an diesem Tag, und dennoch gingen seine Gedanken auch zu den gestürzten Konkurrenten: "Ich bin vor drei Jahren hier gestürzt. Wenn du in Kitzbühel an den Start gehst, weißt du, dass es gefährlich wird. Du hoffst, dass du in einem Stück unten ankommst."

(sid/dpa)
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