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Sechs Verletzte auf der Streif
Zocken um den Platz im OP-Saal

Schwere Stürze auf der Streif
Schwere Stürze auf der Streif FOTO: dpa, sam
Kitzbühel/Düsseldorf. Sechs alpine Skirennfahrer zogen sich in Kitzbühel bei Stürzen teils schwere Verletzungen zu. Die Verletzten nehmen es mit Humor. Aksel Lund Svindal und Georg Streitberger spielen "Schnick-Schnack-Schnuck" darum, wer als Erster auf den OP-Tisch darf. Von Martin Beils

Das ärztliche Bulletin dieses Wochenendes im Ski-Weltcup:

Giuliano Razzoli (Italien), Slalom: Kreuzbandriss im linken Knie

Aksel Lund Svindal (Norwegen), Abfahrt: Kreuzband- und Meniskusriss

Georg Streitberger (Österreich), abfahrt: Kreuzbandriss

Hannes Reichelt (Österreich), Abfahrt: Knochenstauchung

Florian Scheiber (Österreich), Training zur Abfahrt: Kreuzbandriss

Max Franz (Österreich), Training zur Abfahrt: Kapseleinriss im linken Kniegelenk, Riss des vorderen Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk, Absprengung am Mondbein am linken Handgelenk

Dass der Norweger Henrik Kristoffersen den Slalom am Ganslernhang gewonnen, dass der nach dem ersten Durchgang noch führende Oberbayer Fritz Dopfer den dritten Rang belegt und dass der Italiener Peter Fill die Hahnenkamm-Abfahrt für sich entschieden hatte, rückte in Kitzbühel in den Hintergrund. Das prestigeträchtigste Rennwochenende im alpinen Ski-Weltcup war gekennzeichnet von Hubschraubereinsätzen und der Meldung "Race interrupted" auf den Fernseh-Bildschirmen, wenn der Wettkampf mal wieder wegen eines Abflugs in die Fangzäune unterbrochen werden musste.

Fragen und Antworten zum Sturz-Rennen auf der Streif

Alle Beteiligten waren sich über den Grund der Sturzserie in der Abfahrt einig: schlechte Sicht. Das Rennen sei "defintiv am Limit" gewesen, sagte Carlo Janka aus der Schweiz, der Rang drei belegte. Kritik an der Piste und ihrer Präparierung gab es nicht. Die schwierigste Stelle wurde sogar vom norwegischen Cheftrainer Christian Mitter als "absolut fahrbar" bezeichnet.

Ein Foto von Streitberger, Schweiber und Svindal aus ihrem Krankenzimmer eine Spezialklinik bei Innsbruck zeigt drei gut aufgelegte Sportsleute. Alle drei waren hinter der Hausbergkante gestürzt. "Gleiche Kompression, gleiche Verletzung, gleicher Raum und gleiche Krankenschwester", stand neben dem Online-Schnappschuss. "aber wir haben Spaß". Für die drei Sportler ist die Saison nach ihren Unfällen und schweren Knieverletzungen frühzeitig beendet. Svindal und Streitberger spielten sogar per "Schnick-Schnack-Schnuck" aus, wer als erste auf den OP-Tisch darf.

 

When a bunch of downhill racers end up at the hospital at the same time. And you do paper, scissors, rock over who gets to do surgery first. :) Gotta keep the spirit high.

Posted by Aksel Lund Svindal on  Sonntag, 24. Januar 2016

Ihnen war offenbar bewusst, dass die Streif ihre Opfer sucht. Die Athleten bewegen sich auf dieser Piste immer zwischen Ruhm und Rettungshubschrauber. Das Hahnenkamm-Wochenende ist de facto der höchste Feiertag in Österreich. Prominenz aus allen Sparten - angeführt von Arnold Schwarzenegger - gibt sich in dem Tiroler Ort die Ehre.

Der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier sagte: "Aus meiner Sicht war es eine Verkettung von Umständen, die extrem unglücklich waren. Zunächst einmal ist das hier ja Kitzbühel, der Mythos Kitzbühel. Man fordert hier Extremes von allen Sportlern, aber man bietet natürlich auch extrem viel. Es besteht hier schon eine gewisse Verpflichtung, eine schwierige Abfahrt zu präsentieren. Aber diesmal hatten sie hier einfach Pech, denn: Für das Wetter kann keiner was." Wegen böigen Windes war der Abfahrtsstart ein wenig nach unten verlegt worden.

Der österreichischen Slalomspezialist Marcel Hirscher war anderer Meinung als Maier. "Es ist der Punkt, wo man sich Gedanken machen muss, was ist möglich und was ist schaffbar und was ist fahrbar und was ist zu gefährlich", sagte er am "Tag der Angst" (Zeitung "Kurier").

Den weniger erfahrenen Athleten, die Starnummern höher als 30 trugen, muteten die Organisatoren einen Start auch gar nicht mehr zu. Das Rennen wurde abgebrochen, konnte nach den Regeln des Internationalen Skiverbands (Fis) dennoch gewertet.

Quelle: RP
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