Ski Alpin: Cuche landet Rekordsieg auf der "Streif"
zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 12:55Kitzbühel (RPO). Stephan Keppler freute sich gerade wie ein Schneekönig über das beste Ergebnis eines Deutschen auf der "Streif" seit 25 Jahren, da beugte der Mann, den sie in Österreich "Kaiser Franz" nennen, sein Haupt vor einem Schweizer, der ihn gerade von seinem Thron gestoßen hatte.
"Er ist jetzt der Kaiser von Kitzbühel", sagte Franz Klammer, Olympiasieger in der Abfahrt von 1976, über Didier Cuche. Zum dritten Mal in Serie und bereits zum fünften Mal insgesamt hatte der 37 Jahre alte Metzger die Abfahrt am "heiligen Berg" der Österreicher gewonnen, er hat damit einen Sieg mehr als Klammer.
Ein bisschen wehrte sich Klammer noch. Als Cuche vor 14 Jahren zum ersten Mal auf der "Streif" gewann und außerdem zum ersten Mal überhaupt im Weltcup, wurde die Abfahrt auf verkürzter Strecke in zwei Durchgängen ausgetragen. Auch diesmal, 75 Jahre nach den ersten Hahnenkamm-Rennen, war die berüchtigte Piste ziemlich beschnitten worden, wegens Nebels und Schneefall wurden unter anderem "Mausefalle" und "Steilhang" nicht gefahren. "Genau genommen", sagte Klammer mit gespielter Entrüstung, habe Cuche "jetzt viermal gewonnen." Dann grinste er und ergänzte: "Irgendetwas muss man ja versuchen."
Genau genommen hat Cuche viereinhalb Abfahrten auf der "Streif" gewonnen, und er war dort aber auch schon mal Erster in einem Super-G. Die Österreicher werden wohl erleichtert sein, dass der Schweizer ihnen an ihrem "heiligen Berg" nicht mehr gefährlich wird: Zwei Tage vor dem Rekordsieg hatte Cuche seinen Rücktritt zum Saisonende erklärt. "Er hat ein Jahr zu spät aufgehört", sagte scherzhaft der österreichische Alpin-Direktor Hans Pum - was verständlich war: Romed Baumann (0,24 Sekunden zurück) wurde Zweiter, Klaus Kröll (0,30) Dritter, und seit 2006 hat kein Österreicher die Abfahrt in "Kitz" gewonnen.
Keppler feiert Rang acht
Der letzte Sieg eines Deutschen auf der berühmtesten Ski-Rennstrecke der Welt liegt noch länger zurück: Sepp Ferstl gewann 1978 und 1979 - jeweils über die volle Länge. Diesmal fuhr sein Sohn Josef mit, der 23-Jährige belegte Rang 47, Andreas Sander (Ennepetal) Rang 55. Dass Sportdirektor Wolfgang Maier aber dennoch von einer Leistung sprach, "die extrem hoch einzuschätzen ist", lag an Stephan Keppler: Als Achter war der 29-Jährige so gut wie nie in einer Abfahrt, und er war darüber hinaus so gut wie kein Deutscher auf der "Streif" seit einem Vierteljahrhundert: Markus Wasmeier war 1987 Sechster geworden.
Keppler war selbstverständlich "super zufrieden", auch wenn er es ein bisschen bedauerte, dass die Strecke um 45 Fahrsekunden verkürzt worden war. Gestartet wurde am Super-G-Start in der "Alten Schneise", "es ist losgegangen mit dem Abschnitt, der mir nicht so liegt", erklärte Keppler, "ich wäre gerne Mausefalle und Steilhang gefahren". Aber auch so war er dann ziemlich schnell unterwegs, was der Wahl-Münchner auch als Lob an seinen Servicemann verstanden wissen wollte. "Ich wusste, dass er mir schnelle Ski gemacht hat, am Start habe ich schon gemerkt, ui, der Ski läuft."
Am Ende war Keppler immer noch eine knappe halbe Sekunde langsamer als der Sieger (0,48 Sekunden), aber das konnte er verkraften. "Cuche ist einfach der beste Abfahrer der Welt, das hat er heute wieder gezeigt", sagte Keppler, der als erster Deutscher seit Stefan Krauss 1995 auf der "Streif" in die Top 10 fuhr. Der hochgelobte Schweizer behauptete unterdessen, dass er ganz und gar nicht entspannt gewesen sei, als er da unten mit der Bestzeit im Ziel stand, bis zur Hausbergkante sei seine Fahrt ja in der Tat "nicht perfekt" gewesen. "Das war schon ein Nervenkitzel im Ziel."
Cuche rechnete hinterher übrigens nach und meinte, er habe "nicht mal vier" Abfahrten auf der "Streif" gewonnen, aber im Grunde genommen sei ihm das auch ziemlich egal. Die Siegerlisten sagen seit Samstag etwas ganz anderes aus: Der "Kaiser von Kitzbühel" ist ein Schweizer.
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