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Ehemaliger Ski-Star
Höfl-Riesch betreibt perfekte Eigenvermarktung

Fotos: Ball des Sports 2016: Promis auf dem Roten Teppich
Fotos: Ball des Sports 2016: Promis auf dem Roten Teppich FOTO: dpa, brx kno
Neuss. Maria Höfl-Riesch beendete mit gerade einmal 29 Jahren ihre aktive Karriere. Seitdem macht sie vor allem mit ihrem Namen Geld. Von Patrick Scherer

An Titeln mangelt es Maria Höfl-Riesch nicht. Vor ein paar Tagen hat sie ihre Sammlung erweitert: Die 31-Jährige ist nun Schneebotschafterin für das Skigebiet Obertauern in Österreich. Von außen betrachtet, könnte der Eindruck entstehen, es sei ein Abstieg nach klangvolleren Titeln wie Gesamtweltcup- oder Olympiasiegerin. Doch das ehemalige deutsche Aushängeschild im alpinen Skisport lächelt diese Art der Interpretation weg. "Ich wurde es schon so oft gefragt", sagt sie bei einem Besuch der Skihalle Neuss. "Und ich kann immer nur antworten: Es ist vorbei. Ich bereue es nicht, und mir fehlt nichts." Sie hat ihren Weg gewählt, und der ist nicht weniger profitabel.

13 Jahre nach ihrem ersten Weltcup-Rennen hatte Höfl-Riesch im März 2014 ihre Karriere beendet. Mit gerade einmal 29 Jahren. Kritiker warfen ihr vor, den Skisport zu verraten. Die Verbandsverantwortlichen hatten die berechtigte Vorahnung, nicht so schnell einen neuen Star aufbauen zu können. "Maria darf nicht aufhören. Wir brauchen sie unbedingt", sagte ihr Weggefährte Felix Neureuther, mit dem sie schon gemeinsam eine Schulklasse besucht hatte. Doch sie ließ sich nicht umstimmen, hörte auf, hatte genug von Trainingsfleiß, Verletzungen und Rekonvaleszenz. "Ich weiß noch genau, wie sich die Phasen anfühlen, in denen es zäh wurde. Trainingsfahrt nach Trainingsfahrt, und du weißt nicht, warum sich die Bremse nicht löst", erklärt sie heute. Die Qual hatte sich allerdings gelohnt: Drei Mal stand sie bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi auf dem Treppchen ganz oben. "Es war eine tolle Zeit, ich denke gerne daran zurück und bin auch stolz auf das Erreichte, aber es war der perfekte Zeitpunkt, es zu beenden", sagt sie.

"Der Reiz des Wettkamps ist total weg"

Mittlerweile steht Höfl-Riesch während der Saison ein paar Meter neben dem Treppchen – als Expertin für die ARD. "Es waren schon Rennen dabei, als ich gedacht habe: Boah, super Piste", gibt sie zu. "Aber nie mit dem Gefühl, dass ich gerne das Rennen mitfahren will." Die gebürtige Garmisch-Partenkirchenerin will nicht mehr um Zeiten und Punkte kämpfen. "Der Reiz des Wettkampfs ist total weg. Ich hatte schon öfter Anfragen, ob ich bei irgendwelchen Gaudi-Rennen mitmachen möchte. Darauf habe ich aber auch überhaupt keine Lust", sagt Höfl-Riesch.

Somit hat sie viel Zeit, sich abseits der Piste auszuprobieren. Und die nutzt sie gewinnbringend. Zusammen mit einem Versandhandelsunternehmen erscheinen unter dem Namen Maria pro Jahr jeweils eine Kollektion für Fitness-Kleidung und eine für Wintersport. Eine Uhr hat sie auch kreiert: die Big Bang "Snow Leopard Maria Höfl-Riesch". Auch mit Auto-, Reise- und Lebensmittelgeschäften ist Höfl-Riesch berufliche Bindungen eingegangen. Und nun eben Schneebotschafterin für Obertauern. Sie hat das Geschäft mit ihrem Namen, die Eigenvermarktung, perfektioniert.

Auch deshalb wird sie – nach eigenem Bekunden – an Liften noch häufig erkannt. Denn ganz aufs Skifahren verzichtet Höfl-Riesch natürlich nicht. Zusammen mit ihrem Mann Marcus Höfl, Sohn des Adidas-Managers Herbert Höfl und selbst Manager von Franz Beckenbauer, lebt sie in Kitzbühel. Wenn es auf die Piste geht, will sie "aus Freude da fahren, wo ich will, und nicht da, wo die Tore stehen". Sie fahre schon "gerne sehr zügig". Aber: "Ich passe wirklich auf, und ich habe durch meine professionelle Laufbahn auch ein ganz anderes peripheres Sehen", sagt Höfl-Riesch. "Ich sehe, wenn einer unkoordiniert die falsche Richtung einschlägt. Ich versuche, die Augen offen zu halten und gefährliche Situationen weit im Voraus zu verhindern."

Was ihre Vorahnung für die laufende Saison angeht, ist sie sich sicher, dass vor allem die deutschen Herren gute Aussichten haben. "Das hätte man zu meiner Zeit nie für möglich gehalten. Ein richtig starkes Team auf der Technikseite und auch das Speedteam hat sich gut entwickelt", lautet ihre Analyse. "Bei den Damen wird es wohl zäh weitergehen. Wir können nicht viele neue Gesichter erwarten. Ich hoffe, dass Viktoria Rebensburg schnell wieder gesund wird. Dann kann sie um den Gesamtweltcup mitfahren." Höfl-Riesch würde das gerne sehen. Aus ein paar Meter Entfernung, neben dem Podium.

Quelle: RP
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