Platz drei bei Abfahrtsrennen: Riesch: "Das tut der Seele gut"
zuletzt aktualisiert: 14.01.2012 - 12:20Als sie im Ziel die "3" vor ihrem Namen und ihrer Zeit aufleuchten sah, jubelte Maria Höfl-Riesch - dann atmete sie tief durch. Einmal, weil "ich schon ganz schön platt war", aber vor allem, weil ihr der dritte Rang bei der Weltcup-Abfahrt in Cortina dAmpezzo fast wie eine Erlösung vorkommen musste. "Das tut der Seele gut", sagte Höfl-Riesch mit einem Lächeln, "speziell, wenns vorher nicht so gut gelaufen ist, ist das eine Erleichterung." Und gut gelaufen war es für die Gesamtweltcupsiegerin bislang nicht in diesem Winter.
Als im Ziel die "3" aufleuchtete, lag Höfl-Riesch 0,40 Sekunden hinter Daniela Merighetti aus Italien, die in ihrem 165. Weltcup-Rennen erstmals die Schnellste war. Dahinter platziert hatte sich schon Lindsey Vonn aus den USA, die auf der zwischenzeitlich heftig vom Winde umwehten "Olimpia delle Tofane" 0,21 Sekunden langsamer war als die Siegerin. "Mit dem Ergebnis bin ich auf jeden Fall zufrieden", betonte Höfl-Riesch. Sie habe schon ein paar Fehler gemacht, berichtete sie, "aber es ist gut zu wissen, dass ich auch mit einer nicht perfekten Fahrt vorne dabei sein kann".
Noch immer beeinflusst von den Nachwirkungen einer schweren Erkältung, die sie am Silvestertag befallen und zur Absage des vergangenen Wochenendes in Bad Kleinkirchheim gezwungen hatte, fuhr Höfl-Riesch erst zum dritten Mal in dieser Saison auf das Siegertreppchen. Das war ihr zuvor nur im Slalom gelungen - Ende November in Aspen erreichte sie Rang drei, kurz vor Weihnachten in Flachau Rang zwei. Beinahe elf Monate hat es nun gedauert, ehe die Doppel-Olympiasiegerin in einer Abfahrt wieder ganz vorne mit dabei war. "Das ist für mich natürlich ein Supertag", versicherte sie.
Im vergangenen Jahr hatte Höfl-Riesch die Abfahrt in Cortina immerhin gewonnen auf dem Weg zum Gesamtweltcup, der dritte Rang am Samstag unter einem stahlblauem Himmel in den Dolomiten schien ihr freilich nicht weniger wertvoll zu sein. Gesundheitliche Probleme, Trainingsrückstand - und trotzdem gut dabei: "Ich bin mit dem Rennen sehr glücklich", betonte sie. Dennoch will und muss sie nach wie vor mit ihren Kräften haushalten. Das sogenannte Hangbefahren für den Super-G am Sonntag ließ sie am Samstagnachmittag sausen, sagte aber auch: "Es geht mir von Tag zu Tag besser."
"Ja mei, Freiluftsportart"
Derart gelassen war Höfl-Riesch am Fuße der imposanten Tofana, dass sie nicht mal über den Wind meckern mochte. "Es war sicher nicht für alle gleich", sagte sie, vor allem die Gruppe der besten sieben Läuferinnen der Weltrangliste habe wechselnde Bedingungen gehabt, "aber wenn man bei jedem kleinen Windstoß das Rennen absagt, braucht man gar nicht mehr fahren." Weltmeisterin Elisabeth Görgl aus Österreich verwehte der Wind auf Rang acht, aber auch sie sagte: "Ja mei, Freiluftsportart." Nur Lindsey Vonn jammerte ein wenig: "Ich habe alles gegeben, aber wenn du schlechten Wind hast, dann bist du nicht dabei."
Bei Daniela Merighetti passte alles. Der Wind, vor allem aber auch die Fahrt. "Daniela fährt sehr gut im Moment. Ich würde nicht sagen, dass der Sieg nur dem Wind geschuldet war. Sie kann sehr gut fahren und hat das ausgenutzt", sagte Lindsey Vonn, die ihre Führung im Gesamtweltcup auf 244 Punkte vor der Österreicherin Marlies Schild ausbaute. Höfl-Riesch ist nun Sechste, Viktoria Rebensburg Siebte. Die Riesenslalom-Olympiasiegerin belegte auf der "Tofane" Rang 13 und war damit "schon ganz zufrieden". Es war schließlich ihr erstes Abfahrtsrennen in Cortina.
Kaum beruhigen konnte sich unterdessen die Siegerin. Daniela Merighetti hatte es in zuvor neun Jahren Weltcup erst einmal aufs "Stockerl" geschafft, gleich in ihrer ersten Saison im schwedischen Are. Im Riesenslalom. "Es ist unglaublich, es ist mein Tag", sagte sie, dann fiel ihr Blick auf den linken Daumen. Der ist gebrochen, am Montag wird die 30-Jährige operiert: "Aber ich fahre ja mit den Beinen und nicht mit den Händen."
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