| 18.44 Uhr

Freitag und Wellinger siegen
DSV-Adler schon in Olympia-Form

Porträt: Andreas Wellinger – Skispringer und Medaillengewinner
Porträt: Andreas Wellinger – Skispringer und Medaillengewinner FOTO: afp, FABRICE COFFRINI
Nischni Tagil. Die deutschen Skispringer beherrschen den Weltcup im russischen Nischni Tagil. Nach Siegen von Freitag und Wellinger führen die beiden auch den Gesamtweltcup an. Können die DSV-Springer die überragende Form bis zur Vierschanzentournee halten?

Das versammelte Team jubelte gemeinsam auf dem Podest, Sieger Andreas Wellinger freute sich über eine perfekte  Haltungsnote und Werner Schuster kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus: Die deutschen Skispringer sind vier Wochen vor Beginn der Vierschanzentournee das Maß der Dinge. Nur einen Tag nach dem Sieg von Richard Freitag gewann am Sonntag Wellinger und sorgte damit auch für eine deutsche Doppelführung im Gesamtweltcup.

"Hammergeil. Es war ein geiler Wettkampf, einfach nur unglaublich", sagte Wellinger, der sich nach Sprüngen auf 132 Meter und 133,5 Meter über seinen dritten Weltcup-Sieg freuen durfte. Bei seinem zweiten  Versuch bekam der Bayer sogar erstmals die perfekte Haltungsnote von 20,0. "A Zwanziger", rief er spontan in die Fernsehkamera, kurz bevor der Jubel über seinen Sieg ausbrach.

"Fast schon historisch", fiel Bundestrainer Werner Schuster nach dem deutschen Doppelerfolg zunächst ein. Beinahe hätten die DSV-Adler den zweiten Dreifachsieg in der Geschichte perfekt gemacht, doch Markus Eisenbichler landete die Winzigkeit von 0,3 Punkten hinter dem Österreicher Stefan Kraft. "Wir haben die Spannung nach dem Sieg von Richard hochgehalten. Es war mannschaftlich eine Top-Leistung. Ich freue mich riesig für die Jungs", sagte Schuster. Eisenbichler, der nur knapp am Podest vorbeischrammte, ärgerte sich ein wenig über das verpasste Dreifach-Podest: "Mich nervt's brutal, die paar Zehntel", sagte er - und kündigte noch Steigerungspotenzial an.

Volles Programm für die Skispringer

Mit dem Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt, der Tournee ab 30. Dezember und der Skiflug-WM in Oberstdorf Mitte Januar geht es für die DSV-Springer in den kommenden Wochen Schlag auf Schlag. "Für uns ist es eine sehr, sehr gute Situation", sagte Schuster. Der gebürtige  Österreicher warnte aber davor, jetzt leichtsinnig zu werden. "Die anderen schauen auch Video, da sollte man sich nicht zu sicher sein", sagte er im ZDF. Bereits am Samstag hatte der Erfolg von Freitag für kollektive Freude im Lager der Springer gesorgt.

Mit Wellinger, Freitag und Eisenbichler kann Schuster auch in Abwesenheit des verletzten Olympiasiegers Severin Freund drei absolute Top-Athleten aufbieten. Im Gesamtweltcup trägt der Sachse Freitag (270 Punkte) das Gelbe Trikot in den Schwarzwald, wo er es am kommenden Wochenende vor allem gegen seinen bayerischen Teamkollegen Wellinger (239 Punkte) verteidigen muss.

Die Norweger Daniel Andre Tande (5.) und Johann Andre Forfang (15.) konnten einen Tag nach ihren Podestplätzen diesmal nicht in die deutsche Phalanx einbrechen. Mit Karl Geiger, der in Russland Sechster und Neunter wurde, steht zudem ein verlässlicher vierter Mann für das Team bereit.

"Ich bin super happy mit dem Wettkampf. Das Wochenende war richtig cool", sagte Geiger, der am Samstag nach einem Wertungssprung sogar geführt hatte und auf seinen ersten Weltcup-Sieg hoffen durfte. Fast schon bescheiden fügte er an: "Unser Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen."

Nach dem durchwachsenen Start in Wisla gelang Deutschlands  Top-Athleten eine kontinuierliche Steigerung. In Kuusamo ging es für Wellinger und das Team aufs Podest, am Ural gewannen Schusters Springer nun alles, was es zu gewinnen gab. "Das Selbstbewusstsein war da", sagte Vize-Weltmeister Wellinger. Die eigentlich höher gehandelte Konkurrenz aus Österreich, Polen und Norwegen muss sich derzeit hinten anstellen.

(dpa)
 
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