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Skispringen
Polizistin Vogt geht auf Titeljagd: "Gesamtweltcup ist mein Traum"

Porträt: Die erste Skisprung-Olympiasiegerin der Geschichte
Porträt: Die erste Skisprung-Olympiasiegerin der Geschichte FOTO: dpa, fux
Carina Vogt ist Olympiasiegerin und Weltmeisterin, ab Freitag greift die Skispringerin nach ihrem ersten Triumph im Gesamtweltcup. Rundum zufrieden ist Vogt aber nicht.

Sie ist Olympiasiegerin, Weltmeisterin - und seit ein paar Wochen sogar Polizeimeisterin: Titel hat Skispringerin Carina Vogt zuletzt in Hülle und Fülle gesammelt, genug hat die 23-Jährige aber noch lange nicht. "Der Sieg im Gesamtweltcup ist mein großer Traum", sagt die Schwäbin vor dem Saisonstart am Freitag (15 Uhr/Eurosport) im norwegischen Lillehammer.

Mit der großen Kristallkugel hat Vogt in der Tat noch eine Rechnung offen. "Vor zwei Jahren war ich Zweite, zuletzt Dritte", sagt die einzige Olympiasiegerin der Skisprung-Geschichte und schaltet in den Angriffsmodus: "Der Gesamtweltcup ist das Größte, das man erreichen kann, weil man über einen langen Zeitraum gut sein muss."

Für Vogt galt das in den vergangenen Jahren nicht immer. Gerade zum Saisonstart flog sie oft hinterher, war dafür aber zum Höhepunkt des Winters topfit. Auch diesmal stehen hinter ihrem Leistungsstand vor dem Auftakt ein paar Fragezeichen. Die erst im September abgeschlossene Polizei-Ausbildung sorgte inklusive Lehrgang für eine Doppel-Belastung, die Trainingssprünge wurden nur langsam besser.

"Zuletzt ging es bei Carina wieder bergauf. Der Gesamtweltcup ist daher ein berechtigtes Ziel", sagt auch Andreas Bauer. Der Bundestrainer setzt dennoch auch auf Mixed-Weltmeisterin Katharina Althaus und Juliane Seyfarth, die zuletzt mit dem DM-Titel, aber auch freizügigen Fotos für Aufsehen sorgte. Skisprung-Urgestein Ulrike Gräßler (28) hat dagegen einen Platz im deutschen Weltcup-Team zunächst verpasst.

Fotos: Wieder Gold: Carina Vogt kann's nicht fassen FOTO: afp, CS ej

Eitel Sonnenschein herrscht bei Vogt und Bauer aber nicht. Grund ist erneut der Weltcup-Kalender. "In Lillehammer haben wir nur einen Wettbewerb, in Oslo oder Lahti ebenso. Das ist schade", sagt Bauer. Noch unverständlicher ist der Verzicht auf ein Mixed-Springen. Bei der WM gehört der gemeinsame Wettbewerb mit den Männern längst zum Programm, irgendwann soll er olympisch werden. Im Weltcup dagegen findet er wie schon im vergangenen Winter nicht statt.

"Wir würden den Sport natürlich gerne auf einem ähnlichen Level bestreiten wie die Männer", sagt Vogt, die auch schon einmal eine Art Vierschanzentournee ins Gespräch gebracht hatte. Als Vorbild nennt die Degenfelderin das Frauen-Biathlon, das erst 32 Jahre nach den Männern olympisch wurde und längst ebenbürtig ist.

Immerhin: Zumindest in Deutschland ist das Frauen-Skispringen dank Vogt auf dem Vormarsch, Bauer spricht sogar vom einem "Boom". Gerade in Sachsen und Thüringen ist die Begeisterung bei jungen Mädchen groß, eine ähnliche Entwicklung gibt es wohl nur in Japan.

Von dort dürfte auch wieder Vogts größte Konkurrentin kommen. Von den bisherigen 60 Springen der Weltcup-Geschichte gewann Sara Takanashi (19) unglaubliche 30, Carina Vogt dagegen ganze zwei. Für die Polizeimeisterin ist das auf ihrer Titeljagd nur ein weiterer Ansporn: "So schnell gehen mir die Ziele zum Glück nicht aus."

(sid)
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