Skisprung-Auftakt: Finne Lappi behält im Schneechaos den Überblick
zuletzt aktualisiert: 24.11.2006 - 19:20Kuusamo (RPO). Der Weltcup-Auftakt der Skispringer im finnischen Kuusamo ist mit einem Überraschungssieg zu Ende gegangen. Lokalmatador Arttu Lappi behielt im Schneechaos den Überblick und landete den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Bester Deutscher beim Skandalspringen war Michael Neumayer auf Rang fünf, Debütant Christian Ulmer wurde Achter. Martin Schmitt rundete mit Platz 13 das gute Ergebnis aus Sicht des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) ab.
"Es ist traurig, dass für so etwas Weltcup-Punkte vergeben werden. Es gibt zwar einen Sieger, aber das war nicht der Beste heute. Die besten Springer hatten einfach keine Chance", polterte Michael Uhrmann. Der beste deutsche Springer stürzte schon fast im wegen des Schneefalls immer langsamer werdenden Anlauf und musste dann als Vorletzter bei 67,5 Metern notlanden. Ähnlich erging es bei zusätzlich starkem Rückenwind auch der gesamten Weltelite mit dem chancenlosen Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern (Österreich/22.), Olympiasieger Lars Bystöl (Norwegen/44.) oder Janne Ahonen (Finnland/55.).
So feierte der finnische Meister Lappi dank seiner frühen Startnummer fünf mit 154,8 Punkten für einen Flug auf 141 Meter den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Der Schweizer Simon Ammann, Doppel-Olympiasieger von 2002, belegte Platz zwei vor dem Norweger Anders Jacobsen. Neumayer schaffte mit 129,9 Punkten für einen Sprung auf 130,5 Meter das beste Weltcup-Resultat seiner Karriere. "Ich habe die Nase in den Wind gehalten und bin noch ganz schön weit runtergeflogen", erklärte der mit gut 3500 Euro belohnte Neumayer. Ex-Kombinierer Ulmer erfüllte ebenfalls die WM-Norm.
Hinter dem zufriedenen Schmitt ("Das war chaotisch") rundeten Georg Späth (18.) und Jörg Ritzerfeld (20.) das freilich wenig aussagekräftige deutsche Ergebnis ab. Ansonsten herrschte aber großer Frust bei den Springern, denn wie in den letzten beiden Jahren hätte das Auftaktspringen abgesagt werden müssen. "Das waren schwierigste Bedingungen mit Wind und Schneefall, manchmal war es auch gefährlich und Uhrmann hatte überhaupt keine Chance", schimpfte Bundestrainer Peter Rohwein.
Zuvor war die Qualifikation wegen starken Schneefalls zweimal binnen 24 Stunden abgebrochen worden, während des Wettkampfs kehrte Skisprungchef Walter Hofer mit einem Besen immer wieder selbst die Anlaufspur frei. Es war allerdings alles zu wenig. Hofer konterte jedoch die berechtigte Kritik an einem Springen, bei dem es nie hätte eine Wertung geben dürfen: "Ich mache das jetzt 25 Jahre und habe noch nie einen regulären Wettkampf gesehen."
Überschattet wurde das Springen im deutschen Team von Betrugsvorwürfen von Alexander Herr gegen Bundestrainer Peter Rohwein. Der Team-WM-Dritte behauptet, dass der Chefcoach den Einsatz von nicht regelkonformen Anzügen bei den Olympischen Spielen in Turin gebilligt habe. Konkret sei es um den Normalschanzen-Wettbewerb gegangen, bei dem Michael Uhrmann auf Platz vier gelandet war. Rohwein, der Herr seinerseits bei Olympia eine Anzug-Manipulation unterstellt hatte, streitet alle Vorwürfe ab.
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