Skilanglauf: Jubilar Behle bleibt Bundestrainer
zuletzt aktualisiert: 05.07.2010 - 18:53Willingen (RPO). Wo ist Behle? Auf dem Posten des Skilanglauf-Bundestrainers, und den will er auch zumindest bis zu den Olympischen Spielen in Sotschi behalten. "Bis 2014 - davon gehe ich aus. München 2018 wäre natürlich ein Traum. Aber ich bleibe nur, wenn es Sinn macht und ich etwas bewegen kann", sagt Jubilar Jochen Behle vor seinem 50. Geburtstag.
Am Mittwoch feiert er seinen runden Ehrentag ohne großes Brimborium im Ortsteil Schwalefeld in seiner Heimatgemeinde Willingen. "Ich habe einen kleinen Kreis von Freunden eingeladen. Nichts Außergewöhnliches - es ist halt der Gang der Zeit, dass man älter wird", erzählt Behle. Diese Gelassenheit ist eines der Erfolgsrezepte des Mannes, der seit dem Ende seiner sportlichen Karriere ein paar Kilo zugelegt hat.
Trotz seiner Rundungen überrascht Behle die Konkurrenz aber beim Speed-Golfen, wenn es darum geht, die 18 Löcher möglichst schnell und treffsicher zu spielen. Eine eigene Stiftung kümmert sich um benachteiligte Kinder. Doch die Leidenschaft des genialen Tüftlers und Organisators gilt vor allem seinem Bundestrainer-Job, in dem er das deutsche Team aus dem Mittelmaß in die Weltspitze führte.
Er genießt die großen internationalen Erfolge, die ihm als Sportler verwehrt geblieben waren. Als größten Moment seiner Karriere als Coach bezeichnet er selbst den sensationellen Staffel-Olympiasieg der deutschen Langläuferinnen 2002 in Park City. "Damals hat die ganze Erfolgsserie richtig angefangen", erinnert sich Behle. Bei den Winterspielen im Februar in den Loipen von Whistler erlebte er beim Goldgewinn von Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad die zweite Sternstunde bei Olympia.
Es ist seltsam, dass ihm ausgerechnet die Frauen die größten Erfolge beschert haben, obwohl er wahrlich nicht als "Frauenversteher" gilt. Auch seine Ehe mit Biathlon-Olympiasiegerin Petra Behle scheiterte, doch die beiden verstehen sich noch heute gut, ein "Rosenkrieg" war nie ein Thema. Wirklich am Herzen liegen ihm aber eher die Langlauf-Männer, die immer noch auf den ersten Olympiasieg der Geschichte warten.
Zwar gewann Axel Teichmann bei Olympia nach zwei Weltmeistertiteln in den letzten Jahren zweimal Silber, auch vier Gesamtweltcupsiege stehen auf dem Konto von Behles Deutschen. Aber der große goldene Staffel-Triumph fehlt noch in der Sammlung. "Das ist das größte Ziel, was ich in den nächsten Jahren als Bundestrainer erreichen will", sagt Behle.
In seiner eigenen sportlichen Karriere holte er nur einen Weltcupsieg, dafür aber 42 deutsche Meistertitel. Er war sechsmal bei Olympia dabei, gewann nie eine Medaille und erlebte 1998 als Fahnenträger in Nagano den "emotionalen Höhepunkt". Erinnern tut man sich aber vor allem an den legendären Hilferuf von ZDF-Altmeister Bruno Moravetz bei Olympia 1980 in Lake Placid: "Wo ist Behle?". "Das ist mein Markenzeichen geworden", sagt Behle heute dazu.
Er war vor 30 Jahren einfach zu langsam, doch heute ist er als Langlauf-Bundestrainer ganz oben.
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