| 22.21 Uhr

Sturz beim Training zur Skiflug-WM
Müller verletzt sich schwer an der Wirbelsäule

Fotos: Freund kommt im Probedurchgang zu Fall
Fotos: Freund kommt im Probedurchgang zu Fall FOTO: dpa, jh mr
Bad Mitterndorf. Ein schwerer Sturz des Österreichers Lukas Müller hat das Einfliegen für die Skiflug-WM am Kulm überschattet. Der 23-Jährige erlitt am Mittwoch eine Rückenverletzung und wurde umgehend an der unteren Halswirbelsäule operiert.

"Es ist eine sehr schwere Wirbelsäulenverletzung mit noch nicht vorhersehbaren Folgen", sagte Notarzt Ulf Karner in Bad Mitterndorf. Müller hatte in der Luft die Balance verloren und war bei etwa 120 Metern auf den Hang geknallt. Auslöser des Sturzes war wahrscheinlich ein Materialproblem. Der frühere Junioren-Weltmeister wurde nach dem Unfall mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Wegen der schlechten Sicht musste dieser jedoch nach wenigen Kilometern wieder landen und Müller mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus nach Graz gebracht werden.

Österreichs Cheftrainer Heinz Kuttin reagierte entsetzt auf den Unfall. "Der Schock sitzt tief. Da ist es schwierig, den Fokus auf den Sport zu richten", sagte Kuttin. Die WM-Teilnehmer gehen erst am Donnerstag im Training und in der Qualifikation auf die Schanze. Am Freitag und Samstag wird der Einzel-Weltmeister ermittelt, am Sonntag werden die Team-Medaillen vergeben.

Den Berg hinaufgehen, mit 100 km/h auf eine Kante zufahren, in acht Flugsekunden auf 130 km/h beschleunigen, möglichst unbeschadet landen - in der Verrücktheit des Skifliegens liegt auch dessen Anziehungskraft. Bis zu 100.000 Besucher werden erwartet, wenn auf dem Kulm zum fünften Mal nach 1975, 1986, 1996 und 2006 die WM stattfindet. Einige Tragödien ereigneten sich am Kulm. Der Finne Pekka Salo blieb nach seinem Sturz und Wirbelbrüchen 1962 gelähmt.

In jüngster Vergangenheit war der Kulm vor allem wegen des folgenschweren Unfalls von Thomas Morgenstern im Januar 2014 in den Schlagzeilen. Der dreifache Olympiasieger erlitt bei seinem Trainingssturz schwere Kopfverletzungen und eine Lungenquetschung. Der Kärntner gewann zwar im Februar noch Olympia-Silber mit dem ÖSV-Team, beendete aufgrund des Sturzes aber seine Karriere.

"Früher war Skifliegen richtig brutal", sagte Organisationschef Hubert Neuper der Zeitung "Die Presse" im Vorfeld der Weltmeisterschaft, "es gab keine Windmessungen, keine Anlaufspur. Der Erste ist einfach mal hinuntergefahren. Das war viel gefährlicher. Durch das weiterentwickelte Material ist Skifliegen professioneller, eine Hightech-Angelegenheit geworden." Doch ein Materialfehler ist Lukas Müller womöglich zum Verhängnis geworden.

Österreichs Skisprung-Nachwuchsreferent Harald Haim schilderte auf einerden Unfallhergang: "Der linke Ski hat sich gelöst, was zum Sturz führte. Es gibt auch Fotos, auf denen sich der Schuh gelockert hat. Man kann momentan nur mutmaßen, warum das passiert ist."

(seeg/RP)
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