"Geflogen wie ein Stück Holz": Rohwein geht auf seine Springer los
zuletzt aktualisiert: 18.02.2008 - 17:23Willingen (RPO). Bundestrainer Peter Rohwein hat nach dem Debakel von Willingen seine Skispringer scharf kritisiert. "Die sind geflogen wie ein Stück Holz. Ich bin absolut enttäuscht. Man darf sich nicht immer hinter den Bedingungen verstecken", meinte Rohwein stocksauer. Eine Medaille bei der am Donnerstag startenden Skiflug-WM in Oberstdorf betrachte er nach dem Resultat als "völlig unrealistisch".
Als Konsequenz wurde der in Willingen in der Qualifaiktion gescheiterte Stephan Hocke (Oberhof) überraschend aus dem Team verbannt. Statt des Team-Olympiasiegers von 2002 steht Jörg Ritzerfeld als fünfter Mann und damit Ersatzspringer in der Mannschaft.
In einer hochklassigen Konkurrenz mit Tagessieger Björn Einar Romören aus Norwegen verbuchten die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) eines der schlechtesten Willingen-Ergebnisse der vergangenen Jahre. Michael Uhrmann war als 23. bester Deutscher, Michael Neumayer landete auf Rang 27, Martin Schmitt und Georg Späth erreichten nicht einmal das Finale der besten 30.
Rohwein läuft wenige Tage vor dem Saisonhöhepunkt im Allgäu die Zeit davon, und so setzt er ganz auf starke Worte. Die Aussprache zwischen Trainer und Athleten erfolgte noch in der Nacht zu Montag in Willingen. "Man muss Klartext reden, damit die Springer den Kopf wieder frei bekommen. Das ist einfach nicht unser Leistungsstand", erklärte Rohwein. Viel könne man in drei Tagen ohnehin nicht ändern.
Der durch die Resultate selbst in der Kritik stehende Rohwein verlangt von seinen Vorfliegern, dass sie wieder mehr nach Gefühl springen, selbst wenn sich dann Fehler einschleichen. Nur stundenlang vor dem Video zu hocken und zu analysieren, sei Blödsinn.
Einzig den lange verletzten Uhrmann nahm Rohwein von seiner Kritik aus. Der nach seinem Trümmerbruch im Fuß mit ständigen Schmerzen springende 29-Jährige zeigte über das gesamte Weltcup-Wochenende stabile Leistungen. "Mehr können wir von ihm momentan einfach nicht erwarten", sagte Rohwein.
Uhrmann selbst fährt trotz der Tiefflüge im Hochsauerland optimistisch zur WM. Natürlich brauche man nichts zu beschönigen, aber man müsse trotzdem weitermachen. "An einem guten Tag können wir Bronze holen", sagte der Olympiavierte.
Eben dieses Edelmetall fordert der DSV von seinen Springern im Teamwettbewerb. Allerdings zeigte sich in Willingen auch, dass Österreich, Norwegen und Finnland momentan in einer anderen Dimension springen.
Die Teamkollegen Neumayer und Schmitt klangen da schon weniger optimistisch als Uhrmann. Schmitt habe der Weltcup "keinen Schritt vorwärts gebracht", und der Tournee-Dritte Neumayer bangt: "Hoffentlich können wir das Ergebnis schnell wieder ablegen. Bei mir ist momentan alles so verkrampft, ich muss die Lockerheit von der Tournee wiederfinden."
Gerade diese Lockerheit ist für Cheftrainer Rohwein reine Kopfsache. Beim Skifliegen sollen seine Athleten mit Herz und Emotionen dabei sein. Man müsse sich auf sich selbst besinnen und absolut locker an die WM herangehen.
Gelingt es Rohwein nicht, in die Köpfe der Springer vorzudringen, dürfte es das Ende seiner Laufbahn als Bundestrainer bedeuten. Der Allgäuer selbst schießt auch einen Rücktritt nicht aus. Erst am Wochenende betonte er erneut, dass er seinen Posten räumen werde, wenn die Springer nicht mehr hinter ihm stünden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







