Nordische Ski-WM: Skispringer Schmitt macht Hoffnung
VON KLAUS-ECKHARD JOST - zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 09:53Oslo (RP). Es war nur eine kleine Geste. Aber die sagte mehr als viele Worte. Skispringer Michael Neumayer tippte Martin Schmitt im Vorbeigehen kurz an die Schulter und reckte den Daumen nach oben. Während Schmitt sein strahlendstes Lächeln zeigte, sagte Neumayer: "Ich bin mir sicher, dass ich am Wochenende nicht dabei bin."
Bundestrainer Werner Schuster hatte das letzte Training bei der Weltmeisterschaft in Oslo zur Qualifikation ausgerufen. Nach den drei Übungssprüngen auf der kleinen Schanze wollte er die vier Springer benennen, die beim Einzelspringen morgen an den Start gehen werden. "Ich werde mir ein Bild von den Springern machen, die am leistungsstärksten sind", hatte er im Vorfeld gesagt. Wobei er sich nur ein Bild von zwei machen musste. Denn von Severin Freund als zweimalige Saisonsieger und Michael Uhrmann (beide Rastbüchl) hatte er bereits ein klares, er hatte sie gesetzt.
Eine Stunde nach dem Ende des Trainings hatte Neumayer (Berchtesgaden) endgültige Gewissheit. Und sein Gefühl hatte ihn nicht getrogen. "Die Entscheidung war ganz knapp, Martin Schmitt und Pascal Bodmer werden springen", ließ Schuster über Pressesprecher Stefan Schwarzbach ausrichten.
Routinier Schmitt hatte sich sehr souverän präsentiert. Mit 105,5 und 103 Meter war er zweimal Zweiter, mit seinem dritten Sprung auf 99 Meter Vierter. Bodmer hatte sich ganz knapp gegenüber Neumayer durchgesetzt. Pascal habe Ausschläge nach oben gehabt, so Schuster. Keine entscheidende Rolle im Ausschlussverfahren hatte Richard Freitag gespielt. Was aber auch nicht schlimm war, denn der 19-jährige Schüler aus Aue soll in Oslo vor allem lernen.
Trotz aller Schwankungen sind Titelkämpfe ohne einen Einsatz von Martin Schmitt beinahe unvorstellbar. Seit seinem WM-Debüt 1997 in Trondheim gehörte der 33-jährige Schmitt bei allen Großereignissen zum Team. Fünf Goldmedaillen, fünfmal Silber und zwei Bronzene sammelte er dabei bei den vier Olympischen Spielen und sieben Weltmeisterschaften. Kein Wunder, dass er bei seiner achten WM-Teilnahme der Entscheidung ganz gelassen entgegensah. "Ich habe mich ganz auf mich konzentriert", sagte er nach seinen Übungssprüngen, "ich habe nicht verfolgt, wie die anderen gesprungen sind." Ansonsten vertraute er ganz auf das Urteil des Trainers. "Werner hat ein Auge dafür."
Der hatte auch in den vergangenen Wochen das richtige Auge. Anfang Februar hatte der Bundestrainer Schmitt aus dem Wettkampfgeschehen herausgenommen. Auf kleinen Anlagen in Seefeld und Hinterzarten hatten sie an Schmitts Technik, vor allem dem Absprung, gefeilt. Mit gutem Erfolg. Schuster schürte Hoffnungen: "Von der Anlage unserer Springer müsste uns die kleine Schanze liegen."
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