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Nordische Ski-WM: Stinkefinger über dem silbernen Staffel-Tag

VON LARS BECKER UND TORSTEN TEICHERT - zuletzt aktualisiert: 27.02.2009 - 07:47

Liberec (RP). Beide versuchten es mit dem Ausfallschritt. Kombinierer Tino Edelmann verlor dabei den Kampf um den WM-Titel, Langläuferin Claudia Nystad gewann das Duell um Platz zwei und fiel durch einen "Stinkefinger" auf.

Claudia Nystad sorgte mit einem Stinkefinger für Aufsehen.  Foto: AFP, AFP
Claudia Nystad sorgte mit einem Stinkefinger für Aufsehen. Foto: AFP, AFP

Zweimal WM-Silber bei der nordischen Ski-WM – trotzdem gab es Stunk in Liberec. Erst verlor Langläuferin Claudia Nystad nach dem sensationellen Staffel-Sturmlauf der Biathletin Miriam Gössner die Nerven und zeigte einen "Stinkefinger". Der sollte wohl Bundestrainer Jochen Behle gelten. Dann verpassten die Kombinierer um eine halbe Skilänge das erste WM-Teamgold seit 22 Jahren und konnten sich mit dem sechsten Silber in Serie nicht so recht trösten.

"Bei einer WM Prügel zu verteilen, ist absolut unprofessionell. Was er sagt, kann ich nicht beeinflussen. Es ist mir auch wurscht", erklärte die von Behles Dauerkritik genervte Nystad und stützte den Frauenchefcoach Ismo Hämäläinen: "Diese Medaille ist einzig allein für ihn." Unmittelbar danach zeigte sie die Finger-Geste. Behle, der neben ihr stand, nahm es gelassen: "Wenn sie so gut läuft, kann sie öfter so eine Reaktion zeigen."

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Das Staffel-Silber hat den größten Frust beseitigt, es darf aber die Kritik nicht verstummen lassen. Was die Langläuferinnen in dieser Saison zeigten, ist enttäuschend, entspricht auch nicht den selbst gesteckten Erwartungen. Ob eine WM der richtige Schauplatz für den Beginn einer Diskussion ist, darüber kann man streiten wie über die Reaktion von Claudia Nystad, die Behle erfreulich unaufgeregt kommentiert hat. Nicht vergessen darf man, dass der Erfolg ohne fremde Hilfe ausgeblieben wäre. Die Biathletin Miriam Gössner, von Sportchef Thomas Pfüller gegen den Widerstand einiger Trainer ins Team gedrückt, machte Silber erst möglich.

Bei Halbzeit noch über eine Minute zurück, führte das erst unmittelbar vor der WM zur Mannschaft gestoßene 18 Jahre alte "Skating-Wunder" Gössner das Quartett mit der besten Rundenzeit wieder heran. Nystad schob auf der Ziellinie die Skispitze noch um 0,4 Sekunden an der Schwedin Charlotte Kalla vorbei. Gold holte Topfavorit Finnland – 13 Sekunden voraus.

"Von der Biathletin zur Vizeweltmeisterin im Langlauf, das ist der Hammer", sagte Gössner: "Aber ich bleibe trotzdem Biathletin." Evi Sachenbacher-Stehle, die als abgeschlagene Sechste an Gössner übergeben hatte, weinte vor Freude: "Die Beste ist eine Biathletin – das ist schon ein bisschen schlecht für uns Langläuferinnen. Die kleine Miri lassen wir nicht mehr weg."

Zwei Stunden später schlug Kombinierer Tino Edelmann im Schnee liegend die Hände vors Gesicht, nachdem er trotz eines Spagats auf der Ziellinie den Spurt gegen den krassen Außenseiter Japan mit Norihito Kobayashi verloren hatte. 0,0 Sekunden Rückstand stand auf der Ergebnistafel – aber den langersehnten Titel gab es trotzdem nicht.

"Ich freue mich über die Medaille, aber wenn man so knapp davor ist, ist das schon ärgerlich. Ich habe fast die ganze Zielgerade an mich geglaubt – aber es sollte nicht sein", sagte Edelmann. "Am Ende hat wieder das letzte Quäntchen gefehlt", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch, der 1987 in Oberstdorf beim letzten Team-Gold noch als Aktiver dabei war.

Bestes Material hatte nur Eric Frenzel an den Füßen, der mit den Ski von Miriam Gössner lief. Edelmann rang auf der Zielgerade zwar den Favoriten Magnus Moan (Norwegen) nieder, aber Kobayashi vereitelte die erste deutsche WM-Siegesfeier in Liberec. Der viermalige Weltmeister Ronny Ackermann war trotzdem zufrieden: "Wir müssen froh sein, dass wir überhaupt eine Medaille gewinnen."

Mitfavorit USA hatte sich selbst geschlagen. Der WM-Dritte Bill Demong hatte seine Startnummer verloren und musste beim Springen zuschauen. Null Punkte für Demong, damit aussichtslos auf dem letzten Platz – das US-Quartett verzichtete auf die Staffel.


Skilanglauf, 4x5-km-Staffel der Frauen (klassische und freie Technik):

1. Finnland (Pirjo Muranen, Virpi Kuitunen, Riitta-Liisa Roponen, Aino Kaisa Saarinen) 54:24,3 Minuten

2. Deutschland (Katrin Zeller/Oberstdorf, Evi Sachenbacher-Stehle/Reit im Winkl, Miriam Gössner/Garmisch Partenkirchen, Claudia Nystad/Oberwiesenthal) 0:13,0 Minuten zurück

3. Schweden (Lina Andersson, Britta Norgren, Anna Haag, Charlotte Kalla) 0:13,4, 4. Norwegen 0:16,1, 5. Italien 0:52,5, 6. Polen 1:12,1

Quelle: RP

 
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