Skispringen: Überflieger Freund siegt auch in Willingen
zuletzt aktualisiert: 30.01.2011 - 16:06Willingen (RPO). Als der größte Erfolg seiner noch jungen Karriere perfekt war, rang Severin Freund nach den richtigen Worten. "Das hier ist absolut genial. Das ist einer meiner schönsten Tage, da muss ich nicht lange nachdenken", sagte der neue deutsche Skisprung-Star nach dem Paukenschlag in der Party-Hochburg Willingen.
Mit seinem zweiten Weltcup-Sieg in nur zwei Wochen war der 22-Jährige aus Rastbüchl endgültig in den Favoritenkreis für die WM in Oslo (23. Februar bis 6. März) gesprungen.
Während im Hintergrund über 10.000 Fans das Lied vom "guten Freund" sangen, konnte der Shootingstar sein Glück kaum fassen. "Als ich vor dem letzten Sprung oben stand, hat mein Herz schon ein wenig schneller geschlagen. Wenn man dann sieht, wie die Fans abgehen, dann gibt einem das den Extraschub", sagte Freund, der für den ersten deutschen Erfolg auf der Mühlenkopfschanze seit Sven Hannawald 2003 sorgte.
"Unglaubliche Geschichte"
Ein Extra-Lob kam vom Bundestrainer. "Das ist eine unglaubliche Geschichte. Dieses Wochenende war toll für ihn", sagte Werner Schuster, der sich für die kommenden Wochen trotz des zu erwartenden Rummels keine Sorgen um seinen neuen Vorflieger macht. "Seine Lockerheit wird er sich bewahren, da bin ich absolut sicher. " Höchstens weniger Interviews solle Freund nun geben.
Routinier Martin Schmitt (Furtwangen), der als 20. erneut am WM-Ticket vorbeiflog, hat seinen elf Jahre jüngeren Kollegen derweil für weitere Großtaten auf der Rechnung. "Sevi ist im Moment extrem stark. Er wird nicht nervös und weiß, was er kann. Das ist eine sehr gute Mischung", sagte der 33-Jährige über seinen "Nachfolger", der erst vor zwei Wochen in Sapporo seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert hatte. Zweiter wurde in Willingen der Österreicher Martin Koch vor Simon Ammann (Schweiz).
Von den weiteren fünf deutschen Springern konnte sich keiner unter den besten 15 platzieren. Wie Schmitt müssen auch Pascal Bodmer (Meßstetten) und Stephan Hocke (Schmiedefeld) nach den Plätzen 27 und 29 weiter um das WM-Ticket zittern. Michael Neumayer (Berchtesgaden) und Michael Uhrmann (Rastbüchl) verpassten als 32. und 33. das Finale knapp, hatten bei ihren Versuchen aber Pech mit schlechten Windverhältnissen. "Das ärgert mich schon ein bisschen", sagte Neumayer, der im vergangenen Jahr in Willingen noch Dritter geworden war.
"Österreicher nicht zu schlagen"
Schon am Samstag hatte Freund in einem spannenden Teamwettbewerb geglänzt. Am 33. Geburtstag von "Oldie" Schmitt sicherte der Youngster mit dem letzten Sprung den sehr guten zweiten Platz. "Mehr ist für uns nicht drin, die Österreicher sind derzeit nicht zu schlagen", sagte Schuster. Beim ersten Teamspringen Ende November in Kuusamo hatten seine Schützlinge noch den enttäuschenden siebten Rang belegt.
Auch Jubilar Schmitt war rundum zufrieden. "Am Geburtstag auf dem Podest zu stehen, ist natürlich ein Traum. Das war ein toller Wettkampf", sagte der einstige Vorflieger, der am Morgen mit Torte und Ständchen überrascht worden war. Auch Uhrmann und Neumayer zeigten eine ordentliche Leistung und unterstrichen die deutschen Medaillen-Ambitionen für die WM in Oslo (23. Februar bis 6. März). Das starke polnische Quartett mit Rückkehrer Adam Malysz wurde knapp hinter dem DSV-Team Dritter vor Norwegen.
Vor dem Saisonhöhepunkt in Norwegen gilt es zunächst, im Kampf um den 100.000-Euro-Jackpot an Österreich dranzubleiben. Nächste Station der Team-Tour ist am Dienstag die Qualifikation in Klingenthal, ehe beim Skifliegen in Oberstdorf am Wochenende die Entscheidung fällt.
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