Chancenlos bei Österreichs Skisprung-Gala: DSV-Adler bekommen Grenzen aufgezeigt
zuletzt aktualisiert: 07.01.2012 - 15:18Düsseldorf (RPO). Historischer Dreifach-Triumph für Österreich, mageres Abschneiden für Deutschland: Die 60. Vierschanzentournee hat die gewohnte Rangordnung im Skispringen zementiert. Bundestrainer Werner Schuster konnte mit dem Ergebnis dennoch leben.
Österreichs Überflieger stürzten sich in eine lange Partynacht, die deutschen Adler legten Katerstimmung an den Tag: Als die 60. Vierschanzentournee nach vielen Wetterkapriolen und Stimmungsschwankungen endlich ihren Schlussakt geschrieben hatte, war die gewohnte Rangordnung im Skispringen wieder hergestellt. Der erhoffte Angriff der DSV-Adler war beim Saisonhöhepunkt ebenso ausgeblieben wie die Wachablösung der Austria-Stars.
"Ich bin unglaublich stolz und glücklich. Wenn man lange für etwas kämpft und es erreicht, ist das wunderschön. Die Tournee hat uns alles abverlangt", sagte der strahlende Sieger Gregor Schlierenzauer, der bei der Nationalhymne Tränen in den Augen hatte.
Rot-weißer Hexenkessel
Dem verdienten Bad in der Menge waren kuriose Minuten vorausgegangen: Nach dem Abbruch des Springens musste sich Schlierenzauer zunächst am Lift anstellen und anschließend lange Minuten ins Tal fahren, ehe er im Zielraum seiner Familie in die Arme fiel.
"Herr Schuster, wie lautet Ihr Tournee-Fazit?"
Schuster: "Es war für uns alle eine lehrreiche Tournee. Es wäre schon sehr bemerkenswert gewesen, wenn wir die Vorleistungen getoppt hätten und um einen Sieg gesprungen wären. Die Stabilität ist noch nicht da."
"Fehlt Ihren jungen Springern noch die mentale Stärke?"
Schuster: "Ein Gregor Schlierenzauer hat auch fünf Jahre gebraucht und Sehnsüchte entwickeln müssen, bis er diese Veranstaltung gewonnen hat. Er musste bis zum letzten Sprung kämpfen und hat mentale Stärke bewiesen. Die kommt im Laufe der Jahre, da sind wir mit unseren jungen Springern noch nicht so weit."
Dann aber konnte die lange Party beginnen: Bengalische Feuer, Sprechchöre der 26.000 ausgelassenen Fans und ein Cheftrainer Alexander Pointner, der sich gerührt vor dem Publikum verneigte: Bischofshofen wurde zum rot-weiß-roten Hexenkessel.
"Das ist Wahnsinn. Ich bin stolz, ein Teil dieses tollen Teams zu sein", sagte Schlierenzauer, der gleich doppelten Grund zur Freude hatte: Nur wenige Stunden nach seinem ersten Tournee-Sieg durfte der Weltmeister auf seinen 22. Geburtstag anstoßen.
Thomas Morgenstern und Andreas Kofler machten den historischen Dreifachsieg perfekt: Erst zum dritten Mal in der Tournee-Geschichte standen am Ende drei Springer aus einer Nation auf dem Treppchen.
1955 war der Dreifachsieg an Finnland gegangen, 1975 ebenfalls an Österreich. "V wie Victory", schrieb Tagessieger Morgenstern auf seiner Facebook-Seite, während die österreichischen Zeitungen "Schlieri, Morgi und Kofi" feierten.
Katerstimmung im deutschen Lager
Weniger Anlass zur Partystimmung gab es bei den deutschen Adlern. Zwar sorgten Severin Freund und Richard Freitag als Siebter und Zehnter der Gesamtwertung für ein besseres Abschneiden als im vergangen Winter ohne Top-10-Platzierung.
Doch erhofft hatte sich das DSV-Team ein wenig mehr. "Es war für uns alle eine lehrreiche Tournee. Es wäre schon sehr bemerkenswert gewesen, wenn wir die Vorleistungen getoppt hätten und um einen Sieg gesprungen wären", sagte Bundestrainer Werner Schuster.
Beim Saisonhöhepunkt hatte sich gezeigt, dass noch immer eine große Lücke zwischen den Stars aus Österreich und den Herausforderern aus Deutschland klafft. "Ein Gregor Schlierenzauer hat fünf Jahre gebraucht, bis er diese Veranstaltung gewonnen hat. Er hat hier mentale Stärke bewiesen. Die kommt im Laufe der Jahre, da sind wir mit unseren jungen Springern noch nicht so weit", sagte Schuster: "Die Stabilität ist noch nicht da."
Doch es gab auch Kritik. So bemängelte der ehemalige Tournee-Sieger Hans-Georg Aschenbach technische Defizite: "Mir fällt auf, dass die Deutschen in der Explosivität beim Absprung weit hinter den Österreichern zurückliegen", sagte der Olympiasieger von 1976.
Im Sprung zu passiv
"Auch im zweiten Flugdrittel erkennt man die Riesenunterschiede. Während die Österreicher aktiv versuchen, den Sprung in die Länge zu ziehen, bleiben die Deutschen in dieser Phase zu passiv." Schuster sei das aber nicht anzulasten, sondern ein Fall für die Heimtrainer.
Am Ende konnte Schuster dann mit dem deutschen Ergebnis auch gut leben. "Als Team haben wir uns insgesamt gut geschlagen. Wir werden jetzt die Lehren aus dieser Tournee ziehen und nächstes Jahr wieder voll angreifen."
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