Vierschanzentournee: Kofler triumphiert vor Schlierenzauer
zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 - 19:03Bischofshofen (RPO). Als der strahlende Gesamtsieger Andreas Kofler auf den Schultern der Austria-Überflieger durchs tobende Stadion getragen wurde, waren die deutschen Skispringer mit der schlechtesten Tournee-Bilanz aller Zeiten nur staunende Zuschauer. Beim dramatischen Finale der 58. Vierschanzentournee landete der wieder beste Deutsche Pascal Bodmer auf Platz neun und reist als guter Siebter der Gesamtwertung aus Bischofshofen ab. Werner Schuster hat seinen Posten als Bundestrainer dennoch sicher.
"Das ist die Krönung, einfach gewaltig, der Wahnsinn. Ich habe mir das immer erträumt, und nach zwei ganz harten Jahren ist es wahr geworden", sagte Kofler. Nach einem dramatischen Finale nahm der 25-Jährige strahlend den Schlüssel für eine 35.000 Euro teure Nobelkarosse in Empfang und sang mit 25.000 begeisterten Fans die österreichische Hymne mit.
13,3 Punkte rettete der Auftaktsieger von Oberstdorf (1027,2) nach einem dramatischen Finale vor dem finnischen Tournee-Rekordsieger Janne Ahonen (1013,9) ins Ziel. Bodmer (936,2) hatte als einzig überzeugender Deutscher beim Skisprung-Grand-Slam umgerechnet über 50 Meter Rückstand auf Kofler. Die perfekte Tournee-Bilanz der Austria-Adler wurde mit dem Tagessieg von Thomas Morgenstern (264,7) vor Ahonen (264,0) beim Finale komplettiert. Die anderen beiden Tourneespringen hatte der Österreicher Gregor Schlierenzauer gewonnen.
Lob für Bodmer
"Die Österreicher sind einfach eine Klasse besser als der Rest der Welt. Ich freue mich für Kofi, den ich auch mal trainiert habe", sagte Chefcoach Schuster, selbst Österreicher: "Aber die Leistung von Bodmer sollte nicht untergehen. Er ist eine tolle Tournee gesprungen. Mit dem Rest kann ich aber nicht zufrieden sein. " Auch wenn es beim Finalspringen mit vier Springern unter den besten 21 einen leichten Aufwärtstrend gab. Michael Neumayer schaffte als Zwölfter eine halbe Olympia-Norm, Michael Uhrmann wurde 13. und Vizeweltmeister Martin Schmitt landete auf Platz 21.
"Mannschaftlich war das ein besserer Tag für uns, aber ich kann überhaupt nicht zufrieden sein. Ich bin auf der Suche", sagte Schmitt." Die einzigen beiden Top-Ten-Platzierungen schaffte Bodmer mit zwei achten Rängen. Er war an allen vier Tourneestationen bester Deutscher. "Ich habe mich immer wieder rangekämpft und kann zufrieden sein", sagte Bodmer.
Trotzdem war der deutsche Auftritt noch schlechter als beim bis dato schwächsten Ergebnis vor drei Jahren mit vier Top-Ten-Plätzen. "Natürlich können wir mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden sein. Aber Schuster ist unser Mann und seine schwierige Aufgabe ein Mehrjahresprojekt", sagte aber Verbandspräsident Alfons Hörmann dem SID.
Ammann macht es spannend
Doch im Mittelpunkt stand das dramatische Finale um den Tourneesieg, das durch einen genialen Schachzug des Schweizers Simon Ammann noch spannender gemacht wurde. "Ich bin in der Qualifikation absichtlich schlecht gesprungen, um möglichst weit weg von den anderen Favoriten zu springen", berichtete der Doppel-Olympiasieger mit dem Spitznamen "Harry Potter".
Er flog ganz am Anfang des ersten Durchgangs auf die Bestweite von 136 Meter. Spitzenreiter Kofler schaffte eine Dreiviertelstunde später sieben Meter weniger. So nahm der Österreicher nur noch 12,8 Punkte oder sieben Meter Vorsprung auf Ahonen und Ammann mit in den letzten Sprung. Doch dort zeigte er mit 133,5 Metern gute Nerven und feierte während des Feuerwerks mit Tränen in den Augen den größten Triumph seiner Karriere.
STATISTIK:
Skispringen, vierte und letzte Station der 58. Vierschanzentournee in Bischofshofen: 1. Thomas Morgenstern (Österreich) 264,7 Punkte (133+136 Meter), 2. Janne Ahonen (Finnland) 264,0 (134+133,5), 3. Simon Ammann (Schweiz) 261,5 (136+131,5), 4. Wolfgnag Loitzl 260,9 130,5+135), 5. Andreas Kofler 255,0 (129+133,5), 6. Gregor Schlierenzauer (alle Österreich) 253,5 (128,5+134), 7. Dimitri Wassilijew (Russland) 250,2 (130+131,5), 8. Martin Koch (Österreich) 245,1 (128,5+131), 9. Pascal Bodmer (Meßstetten) 236,9 (127+128,5), 10. Anders Jacobsen (Norwegen) 233, 4 (126,5+126,5), ... 12. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 230,0 (125+127,5), 13. Michael Uhrmann (Rastbüchl) 227,3 (120+131), ... 21. Martin Schmitt (Furtwangen) 218,8 (122,5+123,5), ... nicht im Finale der besten 30 ... 34. Andreas Wank (Oberhof) 103,8 (121), ... 42, Richard Freitag (Aue) 94,8 (116), ... nicht qualifiziert Maximilian Mechler (Isny)
Endstand in der Tourneewertung nach vier Springen: 1. Kofler 1027,2 Punkte, 2. Ahonen 1013,9, 3. Loitzl 1011,6, 4. Schlierenzauer 1011,1, 5. Ammann 1008,3, 6. Morgenstern 987,1, 7. Bodmer 936,2, 8. Koch 935,0, 9. Adam Malysz (Polen) 932,9, 10. Jacobsen 927,5, ... 21. Schmitt 739,9, ... 25. Neumayer 670,1, ... 28. Uhrmann 605,7, ... 34. Wank 491,5, ... 38. Freitag 453,1, ... 52. Mechler 188,4 ... 60. Severin Freund (Rastbüchl) 92,4, ... 62. Stephan Hocke (Oberhof) 67,6
Stand im Gesamtweltcup nach zehn Springen: 1. Ammann 669 Punkte, 2. Schlierenzauer 651 Punkte, 3. Kofler 521, 4. Morgenstern 440, 5. Loitzl 411, 6. Björn Einar Romören (Norwegen) 353, 7. Ahonen 350, 8. Bodmer 286, 9. Malysz 246, 10. Harri Olli (Finnland) 238, ... 15. Uhrmann 196, ... 22. Schmitt 84, ... 25. Wank 71, 26. Neumayer 69, ... 63. Freitag 1
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