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Vierschanzentournee
Martin Schmitt setzt seinen Höhenflug fort
Vierschanzentournee 12/13: Das 2. Springen
Vierschanzentournee 12/13: Das 2. Springen FOTO: afp, JOHANNES EISELE
Garmisch-Partenkirchen. Mit dem 14. Platz beim Neujahrsspringen überzeugt der Skisprung-Senior. Der Norweger Jacobsen holt sich den zweiten Tagessieg.

Den Zuschauern im Olympia-Skistadion von Garmisch-Partenkirchen stockte der Atem. Anders Jacobsen schoss über den Bakken und geriet bei einem Tempo von fast 100 km/h in der Luft ins Trudeln. Der Norweger, der das Auftaktspringen der 61. Vierschanzentournee gewonnen hatte, schien die Kontrolle über seine Skier verloren zu haben. Doch er gewann sie zurück, rettete den Sprung und damit seine Gesundheit, landete aber im ersten Durchgang nur auf Platz neun.

Das Rennen um den Tagessieg beim Neujahrsspringen schien zu Gunsten des Österreichers Gregor Schlierenzauer gelaufen. So schien es aber nur. Im zweiten Durchgang flog der gelernte Klempner aus Norwegen, der im vergangenen Jahr wegen Motivationsprobleme eine lange Auszeit nahm, allen auf und davon. Mit 143 Metern erreichte er mit Abstand die größte Weite des Tages. Jacobsen, Tournee-Sieger 2006/07, geht als Doppelsieger und damit natürlich auch als Nummer eins der Gesamtwertung in die zweite Hälfte der Wettkampfserie, die morgen mit der Qualifikation am Innsbrucker Bergisel anfängt.

Freund enttäuscht

Den deutschen Springern fehlte gestern das Spitzenresultat. Severin Freund, zwei Tage zuvor noch auf dem Siegertreppchen, konnte sich mit der Partenkirchener Schanze nicht anfreunden. Weder im Training noch im Wettkampf gelang ihm ein Topresultat. Als 15. des Tages schied er aus dem Kampf um den Gesamtsieg aus. Andreas Wellinger war als Neunter bester Deutscher. Bundestrainer Werner Schuster stellte enttäuscht fest: "Unsere Leistungsträger haben heute einfach nicht die Leichtigkeit an den Tag gelegt, die es braucht. Wenn wir keinen in die Spitze kriegen, ist das nicht unser Anspruch."

Für Gesprächsstoff sorgte aber vor allem wieder Martin Schmitt. Der viermalige Weltmeister längst vergangener Zeiten lag nach dem ersten Durchgang auf dem siebten Rang. Trotz eines schwächeren zweiten Versuchs schloss er den Wettkampf noch auf Rang 14 ab. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, wieder voll dabei zu sein. Ich bin ein einfach zufrieden, wie die Tournee bisher für mich gelaufen ist", sagte Schmitt, der seine 17. Vierschanzentournee bestreitet.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), freute sich mit dem 34-jährigen Team-Senior: "Martin Schmitt ist einfach sensationell. Er macht uns allen viel Freude." Sein ehemaliger Teamkollege Sven Hannawald schrieb in seinem Blog bei Eurosport: "Martin ist auf einem guten Weg, und der Bewegungsablauf ist endlich wieder rund und fast so gut, wie er zu erfolgreicheren Zeiten auch schon war." Vor allem aber ist er besser als im vergangenen Winter. Da hatte Schmitt nach den Springen in Deutschland noch die Heimreise antreten müssen.

"In Oberstdorf habe ich Martin zwischen den Durchgängen lächeln gesehen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass er im Moment einen sehr guten Zugang hat", sagte Schuster über das Stehaufmännchen aus dem Schwarzwald: "Er hat sich sehr achtbar geschlagen. Es gibt wenig zu mäkeln." Die Ovationen der Fans waren dem Team-Olympiasieger ohnehin gewiss. In Garmisch wurde Schmitt als "der Mann, der uns schon so viel Spaß gemacht hat" vom Stadionsprecher angekündigt.

Während die Norweger drei Springer unter die besten vier brachten, enttäuschten die in den vergangenen Jahren überragenden Österreicher abgesehen von Schlierenzauer. Die Nerven liegen vor dem Heimspiel in Innsbruck blank. Österreichs Skisprung-Nationaltrainer Alexander Pointner hatheftige Kritik an den Punktrichtern geübt. "Ich weiß nicht, ob der eine oder andere gestern zu lange ausgegangen ist. Es hat riesige Unterschiede gegeben", sagte der Coach, "wenn mir so etwas im Straßenverkehr passiert, wird mir der Führerschein abgenommen."

Quelle: RP/seeg
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