Triumphator der 60. Vierschanzentournee: Schlierenzauer dominierend – DSV-Team schwach
zuletzt aktualisiert: 06.01.2012 - 20:14Bischofshofen (RPO). Als "Dominator" Gregor Schlierenzauer den Jubel der 26.000 Zuschauer genoss, standen die deutschen Skispringer wieder einmal enttäuscht im Abseits. Der Österreicher gewann einen Tag vor seinem 22. Geburtstag erstmals die Vierschanzentournee, dagegen blieb für die DSV-Mannschaft beim Abbruch-Springen in Bischofshofen als bestes Ergebnis nur Rang zehn durch Richard Freitag (Aue). In der Gesamtwertung belegte Severin Freund (Rastbüchl) am Ende als bester Deutscher den siebten Platz.
"Ich hatte eine gute erste Tournee-Hälfte, danach lief es leider nicht mehr so gut. Ich will daraus lernen und es künftig besser machen", sagte Freund, der in Bischofshofen auf Rang 30 abstürzte. Auch im dritten Jahr in Folge fuhr das deutsche Team somit ohne Podestplatz nach Hause, einziger Trost waren sieben Top-10-Plätze. Besser als der 23 Jahre alte Freund war in der Endabrechnung zuletzt Martin Schmitt 2008/2009 als Vierter.
Im Mittelpunkt einer rot-weiß-roten Party stand aber Gregor Schlierenzauer, der sich ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk machte: Nach seinen Tagessiegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowie Platz zwei in Innsbruck reichte dem Weltmeister ein dritter Platz, um in der Gesamtwertung mit 933,8 Punkten seine Teamkollegen Thomas Morgenstern (908,0) und Andreas Kofler (896,9) auf die Plätze zu verweisen. Es war der vierte Tournee-Gesamtsieg eines Österreichers in Folge - Rekord.
"Mir fehlen die Worte. Es ist unbeschreiblich", sagte Schlierenzauer nach dem Bad in der Menge mit Tränen in den Augen: "Ich habe lange dafür gekämpft, jetzt ist mein großer Traum in Erfüllung gegangen. Ich muss mich bei allen bedanken, dass sie es mit mir aushalten."
Der entthronte Tourneesieger Morgenstern holte sich nach zahlreichen Verschiebungen und Unterbrechungen den Tagessieg vor dem Norweger Anders Bardal. Weltcup-Spitzenreiter Kofler, vor dem Springen noch Zweiter der Gesamtwertung, musste sich nach einem Hüpfer mit dem 27. Platz begnügen. "Ich habe alles riskiert und alles verloren", sagte Kofler.
Neben Freitag und Freund schafften es auch Maximilian Mechler (Isny/14.) und Michael Neumayer (Berchtesgaden/17.) in die Punkte. Andreas Wank (Oberhof/31.) und Stephan Hocke (Schmiedefeld/44.)
gingen dagegen leer aus.
Für die deutsche Mannschaft endete damit eine insgesamt enttäuschende Tournee. Die mit großen Hoffnungen gestarteten Freund und Freitag erfüllten die hohen Erwartungen nicht, mehr als Freunds vierter Rang in Oberstdorf war nicht drin. Am Ende nicht mehr dabei war Altmeister Martin Schmitt (Furtwangen), der nach schwachen Leistungen zur Halbzeit die Heimreise antreten musste. Damit geht auch die deutsche Wartezeit auf einen großen Erfolg weiter: Letzter DSV-Adler auf dem Podest war Michael Neumayer 2007/2008 als Gesamt-Dritter.
Schlierenzauer ging mit einem Vorsprung von umgerechnet zehn Metern in den letzten Wettkampf und ließ dort nichts mehr anbrennen. Als Belohnung gab es eine Prämie von 20.000 Schweizer Franken (knapp 16.200 Euro). Nach dem Gewinn des Gesamtweltcups, dem Team-Olympiasieg und fünf Weltmeistertiteln fehlt dem 21-Jährigen in seiner imponierenden Sammlung nur noch olympisches Gold in einem Einzelwettbewerb.
Sorgen gab es dagegen um Lukas Hlava. Der Tscheche zog sich einer ersten Diagnose zufolge bei einem Sturz einen offenen Nasenbeinbruch zu. Der 27-Jährige war nach der Landung zu Fall gekommen und mit voller Wucht in den Schnee geknallt. Hlava wurde auf einem Schlitten aus dem Stadion gebracht.
Das Springen musste nach dem ersten Durchgang abgebrochen werden, da starker Schneefall die Spur stumpf werden ließ. "Wir haben versucht, die Spur wieder herzurichten. Das ist uns nicht gelungen. Wir hatten keine gleichwertigen Bedingungen mehr, daher mussten wir abbrechen", sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer. Bundestrainer Schuster lobte den Abbruch als "konsequent und richtig".
Vorausgegangen war ein stundenlanger Kampf um die Durchführung des Wettbewerbs. Mit Kunstdünger versuchte die Jury, die Spur vom feuchten Schnee zu befreien. "Chemie war das letzte Mittel", sagte Walter Hofer. Hocke war in der später abgebrochenen Qualifikation im Anlauf stark gebremst worden und beinahe gestürzt. "Es hat mich gewundert, dass einige meiner Kollegen zu diesem Zeitpunkt ihre Sportler noch runtergelassen haben", sagte Österreichs Chefcoach Alexander Pointner.
Am Ende wurden die Bemühungen mit einem halbwegs fairen Wettkampf belohnt - und mit einem strahlenden "Dominator" Gregor Schlierenzauer.
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