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64. Vierschanzentournee
Chancen auf deutschen Triumph stehen so gut wie lange nicht

Porträt: Freund – Skispringer, Olympiasieger, Weltmeister
Porträt: Freund – Skispringer, Olympiasieger, Weltmeister FOTO: dapd, dapd
Oberstdorf. Weltmeister Severin Freund, Favorit Peter Prevc oder gar Richard Freitag? Die 64. Vierschanzentournee verspricht Hochspannung - und das Ende der österreichischen Dominanz.

Severin Freund als Jäger, Peter Prevc als Favorit, ein Teenager als Geheimtipp und Österreichs Stars nur im Windschatten: Wenn der Mythos Vierschanzentournee am Montag in seine 64. Auflage geht, vibriert wieder die Luft. "Die Tournee ist und bleibt genial", sagt Skisprung-Weltmeister Freund, der 14 Jahre nach Sven Hannawalds "Grand Slam" endlich das deutsche Trauma beenden soll.

"Es wäre unglaublich schön, die Tournee zu gewinnen, und ich werde alles dafür tun", sagt Freund, der beim Ritt über die vier Schanzen bislang meist früh abgeworfen wurde. Mehr als Platz sieben sprang für den 27-Jährigen in der Gesamtwertung nicht heraus. Häufig platzten die Tournee-Träume schon am Oberstdorfer Schattenberg, wo am Montag mit der Qualifikation für das Auftaktspringen (17.15 Uhr/Live-Ticker) traditionell der Startschuss fällt.

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Die Chancen des DSV-Teams sieht Freund diesmal so gut wie seit seligen Hannawald-Zeiten an. "Wir haben drei Leute, die ganz vorne reinspringen können", sagte der 27-Jährige vor der Qualifikation: "In den vergangenen Jahren haben wir nicht immer grandios ausgesehen, jetzt sind wir einen Schritt weiter."

Damit aus dem Trauma endlich ein Traum wird, ging Freund im Sommer ungewöhnliche Wege. Das deutsche Team mit den ebenfalls ambitionierten Richard Freitag und Andreas Wellinger simulierte kurzerhand die Tournee, sprang auf allen vier Schanzen, schlief in den gleichen Hotels. "Das war ein Highlight, ein hochattraktiver Kurs für die Jungs", sagt Bundestrainer Werner Schuster über seine Idee.

Doch am Ende, das weiß auch Schuster, zählt einzig der Tag der Wahrheit. "Wenn einer gut drauf ist, kann er auch im Zelt schlafen und gewinnt trotzdem", sagt der Österreicher. Für die DSV-Adler gelte daher das primäre Ziel, "nach Garmisch noch im Rennen zu sein". Denn zuletzt war die Tournee-Wertung schon zur Halbzeit stets gelaufen für das Team, auch wenn vergangenen Winter mit Freitags Sieg in Innsbruck noch ein echtes Highlight folgte.

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Freunds Vorteil könnte seine Rolle als Jäger sein. Denn als klarer Favorit geht der Slowene Peter Prevc ins Rennen, Freunds Dauer-Rivale gewann zuletzt drei Weltcups in Folge und führt auch die Gesamtwertung an. "Ich erwarte bei der Tournee einen Zweikampf zwischen Prevc und Freund. Für beide spricht die Erfahrung", sagt auch Hannawald im SID-Interview.

Dahinter stehen in Daniel-Andre Tande, Kenneth Gangnes und Johann Andre Forfang gleich drei Newcomer aus Norwegen bereit. Für die größte Überraschung könnte allerdings ein Teenager sorgen. Domen Prevc, erst 16 Jahre alter Bruder von Peter Prevc und zuletzt Zweiter in Engelberg, kann eine kuriose Serie fortsetzen: In Thomas Diethart und Stefan Kraft gewann zuletzt zweimal ein Skispringer die Tournee, ohne jemals zuvor einen Weltcup gewonnen zu haben.

Während Diethart diesmal erst gar nicht dabei ist, ruhen die Hoffnungen der einst so dominanten Österreicher fast ausschließlich auf Kraft. Siebenmal in Folge siegte zuletzt ein ÖSV-Adler, nun droht diese Serie zu reißen. Spannend dürfte das Comeback des formschwachen Superstars Gregor Schlierenzauer werden, der zuletzt wochenlang im Weltcup fehlte und für seinen dritten Tournee-Sieg ein Wunder bräuchte.

Kein Wunder, sondern einfach nur vier gute Tage bräuchte dagegen Severin Freund. Der "Zeppelin" genannte Überflieger kann nach WM-Gold, Skiflug-WM und Gesamtweltcup den vierten der fünf großen Titel des Skispringens holen, nur Einzel-Gold bei Olympia würde dann noch fehlen. "Genial wäre das schon", sagt der eher bodenständige Niederbayer: "Mein Glück werde ich davon aber nicht abhängig machen."

(sid)
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