Skispringen: Trotz Debakel keine Diskussion um Schuster
zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 - 14:28Bischofshofen (RPO). Auch nach der schwächsten Tournee-Bilanz aller Zeiten sitzt Werner Schuster als Skisprung-Bundestrainer fest im Sattel. "Natürlich können wir mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden sein. Aber Schuster ist unser Mann und seine schwierige Aufgabe ein Mehrjahresprojekt", sagte Verbandspräsident Alfons Hörmann.
Der vor einem Jahr angetretene Österreicher habe die Ruhe und Gelassenheit, die Mannschaft um den schwächelnden Vizeweltmeister Martin Schmitt aus dem Leistungstal zu führen: "Wir müssen die Tournee ganz schnell abhaken und zielgerichtet auf Vancouver arbeiten. Ziel bleibt eine Olympia-Medaille." Schließlich seien im Skispringen in drei oder vier Wochen große Leistungssprünge möglich.
Oder eben auch gewaltige Abstürze wie bei der 58. Vierschanzentournee. Einen Monat nachdem das deutsche Team mit zwei Podestplätzen in Finnland grandios in den Weltcup gestartet war und sogar die Austria-Überflieger herausgefordert hatte, gab es ausgerechnet beim ersten Saisonhöhepunkt ein Desaster. "Meine Tournee-Auftritte in Deutschland waren peinlich", sagte Michael Uhrmann auch mit Blick auf seinen letzten Platz in Oberstdorf: "Und die Leistung des Teams bescheiden."
Lediglich der einzige deutsche Lichtblick Pascal Bodmer schaffte es als Achter von Innsbruck in den ersten drei Springen des Skisprung-Grand-Slams unter die Top Ten. Selbst beim bisherigen Tiefpunkt vor drei Jahren hatte der später gefeuerte Chefcoach Peter Rohwein am Ende vier Platzierungen zwischen acht und zehn vorzuweisen.
"Wir sind in Oberstdorf in eine negative Welle reingekommen. Ich habe nie meinen Rhythmus gefunden und war einfach nicht in der Form für Weltklasseleistungen", kommentierte Schmitt: "Ich bin einfach verunsichert."
Deshalb wird das Olympia-Team in der kommenden Woche den Weltcup in Sapporo auslassen und stattdessen ein Sondertraining mit Blick auf Vancouver einlegen. Vor dem Skisprung-Grand-Slam waren die geplanten Übungsflüge in Oberstdorf an einem Föhneinbruch gescheitert - für den intelligenten wie redegewandten Chefcoach Schuster ein wesentlicher Grund für die viel zu kurzen Hüpfer: "Ich suche keine Ausreden. Aber bei uns muss eben alles passen, damit wir vorn mitspringen können."
Ein Jahr, nachdem Martin Schmitt bei der Tournee erstmals seit acht Jahren wieder aufs Podest gesprungen war und später mit WM-Silber glänzte, steckt Schuster in der ersten großen Krise seiner Mission. Sein Vertrag läuft bis nach der WM 2011, er hat "Spaß an diesem spannenden Job" und ist überzeugt, dass "ich das Team erreiche".
Die Stimmung bei seinen Fliegern ist jedenfalls trotz des Absturzes positiv. Uhrmann: "Ich habe schon oft solche Pleiten erlebt und bin dann wieder aufgestanden." Bodmer ist sogar überzeugt, dass wir bei "Olympia um eine Medaille mitkämpfen - im Team und Einzel". Und auch wenn es einen weiteren Absturz geben sollte, will der Verband geduldig bleiben - Sportdirektor Thomas Pfüller möchte den Vertrag mit Schuster vorzeitig bis Olympia 2014 verlängern.
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