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Vierschanzentournee
Schlierenzauers Sturz ins Mittelmaß

Das ist Gregor Schlierenzauer
Das ist Gregor Schlierenzauer FOTO: afp, CHRISTOF STACHE
Düsseldorf. Mit 53 Siegen ist der Österreicher der erfolgreichste Skispringer im Weltcup. Doch der Tiroler, der am 7. Januar seinen 26. Geburtstag feiert, droht den Anschluss zu verlieren. Bei der Vierschanzentournee springt er hinterher. Von Eckhard Czekalla

Am 6. Januar endet die Vierschanzentournee in Bischofshofen. Einen Tag später hat Gregor Schlierenzauer Geburtstag. Wie es aussieht, wird der dann 26 Jahre alte Skispringer wenig Grund zum Feiern haben. "Diese Tournee ist für Gregor da, um zu lernen", sagt Österreichs Cheftrainer Heinz Kutin. Was kurios klingt angesichts von 53 Weltcupsiegen, 20 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, ist Realität. Schlierenzauer, der mit 16 im Weltcup debütierte, im dritten Wettbewerb bereits triumphierte, als Wunderkind gefeiert und seitdem von seinen Landsleuten vereinnahmt wurde, ist längst kein Siegspringer mehr.

Auch bei der Vierschanzentournee, bei der Severin Freund morgen (14 Uhr/ZDF) in Garmisch-Partenkirchen seinen Auftaktsieg bestätigen möchte, ist der Tiroler nur ein Nebendarsteller. In der Qualifikation von Oberstdorf schaffte er als 46. soeben noch den Sprung ins Feld der besten 50. Nur 0,9 Punkte verhinderten bei seiner zehnten Tourneeteilnahme den Super-GAU. Im Wettkampf verpasste er das Finale der besten 30 - erst zum zweiten Mal nach Bischofshofen 2008.

"Das Feuer brennt noch. Momentan kämpfe ich aber mit Schwierigkeiten", sagt der Stubaier. "Ich will wieder Schritt für Schritt nach vorne kommen. Wie lange es dauert, weiß niemand. Das kann drei Wochen, drei Monate oder ein Jahr dauern. Ich schaffe aber den Weg zurück." Anfang Dezember nahm Schlierenzauer eine Auszeit. In Lillehammer mietete er vor Weihnachten eine Blockhütte, verbrachte auf eigene Kosten ein paar Tage mit dem ehemaligen österreichischen Co-Trainer Marc Nölke. Er wollte in der Mischung aus Ferien und Trainingslager aus seinem Motivationsloch herausfinden.

Doch die Leichtigkeit, mit der Schlierenzauer den Konkurrenten davonflog, fehlt. Dass er seinen beiden Tourneesiegen (2012, 2013) einen dritten hinzufügen kann, ist derzeit eher unwahrscheinlich. "Es ist nicht immer gut, wenn man bereits alles gewonnen hat", sagte Ernst Vettori, einst ein Skispringer der Weltklasse und nun Präsident des Österreichischen Skiverbandes. Seit dem 7. Dezember 2013 hat Schlierenzauer nur noch einen Weltcupsieg erzielt. Fast auf den Tag genau ein Jahr später, ebenfalls in Lillehammer. Ob er noch einmal die von Freund und Peter Prevc (Slowenien) angeführten aktuellen Stars der Szene herausfordern kann, wird sich zeigen. "Wer sein System nicht findet, der hat Probleme, auch wenn er Olympiasieger ist", sagt der Österreicher. Jahrelang hat es gepasst. Doch die Material (Ski, Anzug) und Weiten-Bewertungen betreffenden Regeländerungen warfen ihn zuletzt zurück. Der Absprung bereitet die größten Probleme. Um sie zu lösen, hatte er im Sommer sogar auf einer Kinderschanze im heimischen Stubaital nahe Innsbruck geübt, weil "man da extrem gut abspringen muss".

Beim Wettkampf heute und - falls er die Qualifikation übersteht - morgen in Garmisch-Partenkirchen sucht Schlierenzauer erneut den Weg aus der Krise. "Geht es nur darum, ganz oben zu stehen, oder darum, einfach Freude am Sport zu haben?", fragte er vor dem Tournee-Auftakt. Die Antwort muss der einstige Seriensieger noch finden.

Quelle: RP
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