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Düsseldorf
"Wir müssen eine Siegermannschaft werden"
Düsseldorf. Fußball-Bundestrainer Joachim Löw sieht das Nationalteam noch nicht auf dem Zenit seiner Entwicklung.

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat in Interviews mit den Nachrichten-Agenturen sid und dpa Bilanz des Jahres 2012 gezogen und einen Blick auf die kommenden Aufgaben der Nationalmannschaft geworfen.

Sein Fazit 2012 "Insgesamt war das Jahr ein wenig durchwachsen. Man hat schöne Momente erlebt, auch bei der EM, obwohl wir vom Ausscheiden gegen Italien natürlich tief enttäuscht waren. Auch das Spiel gegen Schweden (4:4 nach 4:0) vergisst man nicht so schnell. Das war so, als wenn ein Kind auf die heiße Herdplatte fasst und sich dabei die Finger verbrennt. Ich denke, dass man der Nationalmannschaft die Note Zwei geben kann, zu einer Eins hat der letzte Schritt gefehlt."

Die Aufgaben für 2012 "Wir haben die ein oder andere Grenzerfahrung machen müssen gegen Italien und Schweden. Das hat aber auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Wir wollen so etwas nicht noch einmal erleben, wir können daraus die Lehren ziehen. 2013 ist ein Jahr der Konzentration und dient als Vorbereitung auf die WM in Brasilien. Es ist wichtig, dass die Lernkurve unserer jungen Mannschaft weiter nach oben geht, wobei die Entwicklung in den letzten Jahren rasant war und es in diesem Tempo und mit diesen großen Schritten gar nicht weitergehen kann. Die jungen Spieler müssen weiter reifen. Unsere Fußball-Könner, um die wir beneidet werden, müssen sich noch mehr zu einer Siegermannschaft bei Turnieren entwickeln."

Die weiteren Perspektiven "Für uns wäre es das Allergrößte, wenn wir 2014 Weltmeister werden. Meine ganze Konzentration gilt dem Jahr 2013. Diese junge Mannschaft ist noch nicht am Zenit. Wir werden die Dinge so vorbereiten, dass wir 2014 absolut konkurrenzfähig sind. Eine Titelgarantie gibt es aber nicht."

Über die jungen Spieler "Es gibt einige Spieler, die auch durch die Erfahrung der Europameisterschaft eine positive Entwicklung genommen haben: die Dortmunder Mario Götze, Marco Reus, Mats Hummels. Von Spielern wie Ilkay Gündogan, den Bender-Zwillingen oder Marcel Schmelzer erwarte ich mir ebenfalls noch einmal einen Schub, weil sie großes Potenzial haben. Selbst Mesut Özil oder Sami Khedira von Real Madrid sind ja noch sehr jung, auch sie können noch besser werden."

Über die Taktik "Wir haben gesehen, dass wir Probleme gegen Mannschaften haben, die früh attackieren wie Italien oder Schweden. Wenn wir auf Unwägbarkeiten stoßen, müssen wir besser reagieren. Wir verlassen dann unsere Linie, verlieren die Ordnung. Wir müssen unserem Spielstil, unserem Können treu bleiben. Auch die Defensive bleibt das Thema. Die müssen wir stabilisieren. Die Balance ist wichtig. Unsere Mannschaft hatte in vielen wichtigen Spielen die richtigen Lösungen parat. Wichtig wird aber sein, dass wir diese Top-Performance ständig abrufen, um dann bei der Weltmeisterschaft bis zum krönenden Abschluss durchzukommen. Da fehlen uns noch ein paar Prozent."

Über die Kritik an ihm "Ich denke, dass das Vertrauen in unsere Arbeit vorhanden ist, auch wenn das ein oder andere Ergebnis nicht so positiv war. Wir haben große Schritte gemacht. Wir vertrauen unserer Arbeit, unserem Konzept. Auch die Spieler sind diesen Weg mitgegangen und wollen ihn weiter mitgehen. Das ist das Entscheidende. Ich kann die Kritik nachvollziehen und sie einordnen. Gegen Italien (im EM-Halbfinale) bin ich als Trainer verantwortlich, dass so etwas nicht passiert. Da ist es klar, dass Dinge hinterfragt werden. Aber so etwas wirft mich nicht aus der Bahn."

Zu einer möglichen Vertragsverlängerung "Vor Ende 2013 wird es keine Gespräche geben. Dazu gibt es auch keine Veranlassung. Erst einmal wollen wir uns für die WM in Brasilien qualifizieren. Dann wird man in Ruhe mit dem Verband überlegen, welche weiteren Schritte man einleitet. Jetzt darüber nachzudenken, was nach 2014 kommt, macht wenig Sinn."

Über die Erfolge der Klubs im Europapokal "Es ist positiv, dass alle Mannschaften die Gruppenphase überstanden haben. Das war ja mein Wunsch schon in den vergangenen Jahren, dass wir mehr Mannschaften in der K.o.-Runde haben, nicht nur die Bayern. Weil es für die Spieler wichtig ist, Erfahrungen zu sammeln."

Über Borussia Dortmund "Die Dortmunder haben gegen Real Madrid, Ajax Amsterdam und Manchester City als Team sehr gut funktioniert. Das kann in der K.o.-Phase der Champions League ein bisschen schwieriger werden. Da kann man Fehler nicht mehr so richtig korrigieren. Es gibt fünf, sechs Mannschaften, denen ich den Gewinn der Champions League zutraue, da ist Dortmund dabei."

Über den FC Bayern München als Spitzenreiter der Bundesliga "Die Bayern sind schon sehr dominant. Sie haben so einen Riesenvorsprung, dass die Bundesliga an Spannung schon fast ein bisschen verloren hat. Bei so einem Vorsprung kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich noch die Butter vom Brot nehmen lassen."

Quelle: RP
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