Haider-Proteste lassen Eiskunstläufer kalt: "Wir sind nicht wegen der Politik hier"
zuletzt aktualisiert: 07.02.2000Wien (sid). Eine Woche lang leben sie im Brennpunkt des Geschehens, doch die weltweiten Proteste gegen den Rechtspopulisten Jörg Haider und die Beteiligung seiner FPÖ an der neuen österreichischen Regierung lassen Europas beste Eiskunstläufer fast völlig kalt. Während täglich Tausende in Wien gegen die blau-schwarze Koalition, die am Montag ihre Amtsgeschäfte aufnahm, rund um die Hofburg protestieren, gehen Stars und Nebendarsteller der eisigen Show nahezu ungerührt ihren Geschäften nach.
"Die aktuellen Ereignisse vor Ort werden intern selten angesprochen. Auch auf der Sitzung der Mannschaftsleiter war das alles kein Thema", bestätigt Angela Siedenberg, Präsidentin der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Delegationschef Frank Schwarz ist immerhin aufgefallen, "dass die Busse zum Hotel sich manchmal verspäten, weil die Fahrer wegen der Demonstrationen einen Umweg nehmen müssen." Wie unangenehm ...
Auch bei der traditionellen Auslosungszeremonie blieb die Operetten-Welt der Kufenkünstler heil. Ein Protestzug von 7.000 Menschen zum ORF, der zeitgleich eine Polit-Diskussion ausstrahlte, wurde diskret am Ort des Geschehens vorbeigeleitet, nur hin und wieder trübte ein über dem Wiener Rathaus kreisender Polizeihubschrauber die festliche Stimmung.
Selbst die Delegation aus Israel wehrte sich ungeachtet der Abberufung von Botschafter Nathan Meron aus Wien gegen eine Verquickung von Sport und Politik. Verbandsboss Yossi Goldberg: "Wir sind nicht wegen der Politik hier, sondern weil wir eislaufen wollen." Den sportlichen Wert der europäischen Titelkämpfe hätte eine Absage der Israelis nicht geschmälert, über Rang zehn sind sie bei einer EM noch nie hinaus gekommen.
Und während sich die Wiener in den Kaffeehäusern rund um den Opernplatz wie in der TV-Steinzeit um die Bildschirme drängten, weil sie einen TV-Auftritt Haiders im deutschen Fernsehen verfolgten, räsonierte Europas Athletensprecher Mariusz Siudek lieber über das Lospech seiner Partnerin Dorota Zagorska, die für die Vize-Europameister im Kurzprogramm der Paare die Startnummer eins gezogen hatte: "Ob als Erster oder Letzter - du musst jedes Mal gut laufen."
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