Box-Olympiarevanche in Hamburg:: Wolfgramm hat mit Klitschko eine Rechnung offen
zuletzt aktualisiert: 14.03.2000 - 13:28Hamburg (sid). Zum Händedruck für die Fotografen schnappte sich Paea Wolfgramm schnell einen Hocker und kletterte drauf - einmal nur sollte Wladimir Klitschko zu ihm aufschauen müssen. Beim ersten Treffen der beiden Boxer war es noch umgekehrt. 1996 im Olympiafinale von Atlanta gewann der Ukrainer, wenn auch mühsam, die Goldmedaille gegen den Mann aus Tonga. Am kommenden Samstag (22.00 Uhr/Live bei Premiere World ) ist die Zeit zur Revanche gekommen. Wenn auch unter den ganz anderen Vorzeichen des Berufsboxens.
Für Paea Wolfgramm ist der für die Weltrangliste wichtige Kampf um die "Internationale Meisterschaft der WBC" die große Chance, ein weiteres Kapitel seiner wundersamen Geschichte zu schreiben. Der 30-Jährige wurde mit seinem sensationellen Aufstieg in Atlanta zum ersten olympischen Medaillengewinner seines gerade mal 98.000 Einwohner zählenden Heimatlandes am Ende der Welt. "Ich bin sehr glücklich, dass der Herr mich auserwählt hat", sagte der Ur-Ur-Enkel eines deutschen Auswanderers: "Diese Medaille hat für Tonga einen sehr großen Stellenwert."
Wolfgramm begann erst als 24-Jähriger mit dem Boxsport. "In Tonga gibt es genau ein Gym und einen einzigen Sandsack", erzählt der zweifache Familienvater. Also musste er sich auf den Weg in die USA machen - zu Manager Steve Eisner, einem 70 Jahre alten Veteranen, der schon viel erlebt hat im Boxbusiness. "Wolfgramm ist ein unglaubliches Talent", sagt Eisler: "Ich kann mir gar nicht ausmalen, was er erreicht hätte, wenn ich ihn schon mit 20 Jahren gehabt hätte."
Doch auch so ist die Karriere beeindruckend genug. Nach Olympia wurde er Profi, bestritt seitdem 19 Kämpfe bei nur einer Niederlage und ist keinesfalls nach Hamburg gekommen, um ein weiteres Opfer eines Klitschko auf dem Weg nach oben zu sein: "Dieser Kampf ist eine goldene Gelegenheit für mich. Wenn ich gewinne, bin ich unter den Top Ten der Welt."
30 Kilogramm hat der Muhammed-Ali-Fan abgenommen. Der einstige Fettkloß präsentiert sich körperlich in ausgezeichneter Verfassung, zuletzt ging er zweimal über die Zehn-Runden-Distanz. "Talent allein reicht nicht, man muss auch arbeiten", sagt er: "Das habe ich aus meiner einzigen Niederlage gelernt." Seit zwei Monaten bereitet er sich auf den Kampf in der Hansestadt vor. "Ich muss diesen Fight gewinnen."
In seiner eigenen Heimat wird es wohl so schnell nicht zu einem Auftritt kommen, denn Tonga ist eines der ärmsten Länder der Welt. "Es gab Pläne für einen Kampf", sagt Wolfgramm: "Aber dazu ist es noch nicht gekommen." So oder so ist er in dem ansonsten rugby-verrückten Inselreich ein Volksheld. König Taufa Ahau Tupou IV hat ihn bereits empfangen und ein genz spezielles Gesetz verabschiedet: An Wolfgramms Kampftagen muss die gesamte Bevölkerung für ihren Fighter fasten.
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