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DFB-Pokal
Wolfsburg fährt nach Berlin

Fotos: Bielefeld - Wolfsburg
Fotos: Bielefeld - Wolfsburg FOTO: afp, PST/DG
Bielefeld. Der Bundesligist schlägt Drittligist Bielefeld mit 4:0 und steht im Finale um den DFB-Pokal. Von Gianni Costa

Vor den Toren von Bielefeld gibt es einen großen Tierpark. In Olderdissen war jahrelang das Revier einer stattlichen Gruppe von Wölfen. Vor ein paar Wochen ist das letzte Tier dort verendet. Gestern Abend hat sich ein neues Rudel in Ostwestfalen vorgestellt. Das war auf der Alm allerdings nur auf Durchreise gewesen. Der VfL Wolfsburg, genannt die "Wölfe", besiegte Arminia Bielefeld 4:0 - und hat sich damit für das Finale im DFB-Pokal am 30. Mai gegen Borussia Dortmund qualifiziert.

Bielefeld hat in den vergangenen Jahren Konstanz vor allem in der Kategorie "Absturz" gezeigt. Ziemlich zielsicher nahm die DSC Arminia jede Möglichkeit wahr, formidabel zu scheitern. Sportlich ist der Klub bis in die Dritte Liga durchgereicht worden. Wirtschaftlich hatte sich der Verein derart verhoben, dass immer mal wieder wie 2010 die Insolvenz drohte. Nach wie vor sollen sich die Schulden bei 27,5 Millionen Euro angehäuft haben.

Seit ein paar Jahren hat sich der Klub stabilisiert und klopft nun sogar als Spitzenreiter der Dritten Liga an die Tür zur zweithöchsten Klasse. Vier Spieltage vor Saisonende hat das Team ein beruhigendes Polster von sechs Punkten auf den Relegationsplatz. Auf der Alm, da blühen wieder große Träume. Maßgeblichen Anteil daran hat Norbert Meier. Der Trainer, der zuvor bei Fortuna Düsseldorf wirkte, hat sich auch in seiner neuen Wirkungsstätte Kultstatus erarbeitet. Das zahlt sich auch marketingtechnisch für seinen Arbeitgeber aus. Arminia hat ein Spiel fürs Handy entwickelt, bei dem seine Essgewohnheiten im Mittelpunkt stehen. Auf jeder Pressekonferenz isst Meier Käsebrötchen. In der App für 99 Cent muss man so viele Stullen wie möglich einsammeln. Das durch den Verkauf erlöste Geld geht an die Jugendabteilung. Immerhin ein paar Tausend Euro sind so schon dafür zusammengekommen.

Die Sache mit Berlin war ziemlich schnell geplatzt. Auf dem Weg ins Halbfinale hatte die Arminia unter anderem drei Erstligisten (Hertha BSC Berlin, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach) aus dem Wettbewerb geschmissen. Wolfsburg, ein Champions-League-Kandidat, war an diesem Abend eine Nummer zu groß.

Die Niedersachsen zogen recht schnörkellos ihr Spiel auf und unterstrichen ihre Favoritenrolle durch ein Tor von Maximilian Arnold (8.) früh. Die Bielefelder müssen sich vielleicht den Vorwurf gefallen lassen, der Verführung erlegen zu sein, gegen die Betriebssportmannschaft von Volkswagen mitspielen zu wollen. Arminia rannte an, Wolfsburg bedankte sich und hatte obendrein auch noch Glück. Ein falscher Freistoßpfiff von Schiedsrichter Tobias Welz bescherte ihnen eine Standardchance - Ricardo Rodriguez bediente mustergültig Luiz Gustavo (33.), der nur noch einnicken musste.

Hernach gab das Publikum alles, um seiner Mannschaft einen würdigen Rahmen zu bereiten. Jede Entscheidung des Unparteiischen wurde mit Pfiffen bedacht, und auch die obligatorischen "Schieber, Schieber"-Rufe durften nicht fehlen. Derartige Töne wurden lautstark überlagert von dem Chor der Partygemeinschaft Arminia. Die Fans feierten sich und ihr Team auf der großen Bühne DFB-Pokal ganz unabhängig von dem am Ende ernüchternden Ergebnis. "Wir waren krasser Außenseiter", sagte Geschäftsführer Marcus Uhlig. "Wir haben investiert, was wir konnten. Diesmal waren wir einfach noch eine Nummer zu klein." Schon bald will Arminia allerdings dauerhaft bei den Großen mitspielen.

Quelle: RP
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