Nur Burgsmüller weiter: "Wüstensohn" Kiefer gegen Rafter gescheitert
zuletzt aktualisiert: 27.02.2001 - 17:45Dubai (dpa). Kahlkopf Patrick Rafter hat Nicolas Kiefer (Foto) auf dem Tennisplatz von Dubai ordentlich "rasiert". Der Australier ließ den letztjährigen "Wüstensohn" aus Holzminden am Dienstag in der kühlen Nacht am Persischen Golf nicht zu seinem Spiel finden und fertigte den Titelverteidiger im vierten Versuch zum ersten Mal in seiner zum Saisonschluss endenden Karriere mit 6:2, 6:4 ab. Als einziger der fünfköpfigen deutschen Delegation überstand Lars Burgsmüller die erste Runde. Der Qualifikant aus Essen setzte sich mit 6:4, 6:2 überraschend gegen den Spanier Alex Corretja durch und trifft am Mittwoch auf den Franzosen Nicolas Escude.
Wie sein Daviscup-Kollege David Prinsoil patzte auch Kiefer in altbewährter Form. Für beide gilt wie eh und je: Wenn ein Spiel nicht läuft, dann fehlt ihnen die nötige Kampfkraft, Moral und mentale Stärke, das drohende Unheil abzuwenden. Dabei hätte auch Prinosil beim 5:7, 2:6 gegen den Russen Marat Safin durchaus eine reelle Chance gehabt, im sechsten Match den zweiten Sieg zu holen. Doch ein Doppelfehler kostete ihn den ersten Satz und danach ging gar nichts mehr.
Die große Überraschung war "Nobody" Burgsmüller überlassen. Der 25-Jährige hatte gegen den einstigen ATP-Weltmeister Corretja zu Recht allen Grund zum Jubel. Nach dem 1:4-Fehlstart sah er zwar schon wie der erwartete Verlierer aus. Doch mit dem Mute der Verzweiflung kämpfte er sich zu seinem "größten Erfolg" und ließ den Spanier bei seinem zweiten Turniereinsatz des Jahres schlecht aussehen. "Ich habe noch nie einen Top-Ten-Spieler geschlagen. So gesehen war es auch mein wichtigster Sieg", sagte der Essener, der nach dem verpatzten Start von Rainer Schüttler und Qualifikant Tomas Behrend einziger deutscher "Überlebender" in der Wüste von Dubai ist.
Die Gunst der Stunde ließ auch Prinosil ungenutzt. Dabei plagte sich sein Gegner Safin, der im letzten Match der vorigen Saison durch den Brasilianer Gustavo Kuerten von Platz eins verdrängt worden war, mit Selbstzweifeln. Verunsichert, teilweise unkonzentriert und mit einer Reihe leichter Fehler im Programm taumelte der Russe am Rande einer Niederlage. Wie konfus Safin nach wie vor nicht nur auf dem Court handelt, verdeutlicht sein Verschleiß an Trainern. Nach Dubai wird er nun von der einstigen Nummer eins, Mats Wilander, angeleitet. Der Schwede tritt die Nachfolge von Andrej Tschesnokow, dem früheren Edberg-Trainer Tony Pickard und Alexander Wolkow an.
Kiefer versuchte alles, aber selbst ein Break im zweiten Durchgang brachte den Umschwung nicht. Rafter, der sich zu Gunsten seiner Kinderhilfs-Stiftung vor Tagen eine Glatze hat schneiden lassen, war an diesem Abend zu stark und in den entscheidenden Momenten auch zu clever. Vorbei ist das Turnier für die gescheiterten Daviscup-Spieler aber noch lange nicht. Der Vorjahressieger spielt im Doppel mit dem Spanier Corretja, während Prinosil mit Dominik Hrbaty aus der Slowakei antritt. Unverständlich, warum sich beide nicht als Team versuchen. Für das Daviscup-Viertelfinale im April in den Niederlanden sucht Kapitän Carl-Uwe Steeb bekanntlich händeringend nach einer Alternative für das Auslaufmodell Marc-Kevin Goellner.
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