Russisches Trio führt bei den Damen: Zoya Douchine nach dem Kurzprogramm nur auf Platz 18
zuletzt aktualisiert: 11.02.2000Wien (dpa). Russlands Eislauf-Königin Maria Butirskaja hat der Anschlag auf ihr Auto wohl doch mehr mitgenommen, als sie bisher zugegeben hat. Die Titelverteidigerin ist auf dem Weg zu ihrem dritten Europameisterschafts-Titel hintereinander ins Straucheln geraten. Im Kurzprogramm am Freitag in Wien musste sich die 27- Jährige mit dem dritten Platz begnügen. Vor der Kür am Samstag führen ihre Teamkolleginnen Irina Slutskaja, die Europameisterin von 1996 und '97, und Viktoria Woltschkowa. Die deutsche Vizemeisterin Zoya Douchine (München) war bei ihrem EM-Debüt mit dem vorläufigen 18. Platz nicht ganz zufrieden.
Die 16-Jährige stürzte in der Kombination. "Das war ein dummer Patzer beim Rittberger. Technisch war der Sprung gut, aber ich habe mich einfach hingesetzt", ärgerte sie sich. Dies wurde natürlich bestraft. Kuriosum am Rande: Ausgerechnet die ungarische Preisrichterin Agnes Morvai-Kövecses gab der zur ungarischen Folkloremusik laufenden Douchine mit 3,6 die niedrigste A-Note.
Die gebürtige Moskauerin kam vor zehn Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland und hofft nun auf ihre Einbürgerung. Dann könnte sie nicht nur bei EM und WM für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) starten, sondern auch bei Olympia.
Die Schülerin hatte bei den nationalen Titelkämpfen Favoritin Tanja Szewczenko geschlagen. Ihren Startplatz für die WM Ende März in Nizza könnte sie jedoch noch an die deutsche Meisterin Susanne Stadlmüller verlieren. Die Stuttgarterin ist mit 15 Jahren für eine internationale Meisterschaft eigentlich zu jung, mit einer Medaille bei der Junioren-WM in Oberstdorf (6. bis 12. März) könnte sie sich jedoch eine Wild Card für Nizza erwerben. Ersatzläuferin Szewczenko (Düsseldorf), das machte DEU-Präsidentin Angela Siedenberg deutlich, hat jedenfalls keine Chance, für die WM nachnominiert zu werden.
Butirskaja hatte bereits in der Qualifikation nicht überzeugen können, diesmal brachte sie keine Kombination aufs Eis. Im Gegensatz zu den russischen Meisterschaften Ende Dezember in Weihnachten trat sie in Wien ohne Leibwächter auf. Damals war in Moskau der BMW der Sportlerin abgefackelt worden. Butirskaja war "fassungslos" und glaubt, "das es jemand aus Neid getan hat". Die Ermittlungen der Polizei laufen noch.
Mit Schwierigkeiten ganz anderer Art hatte Slutskaja zu kämpfen. Im letzten Winter war sie in ein tiefes Loch gefallen. "Ich hatte eine richtige Blockade im Kopf. Wenn ich fünf Minuten auf dem Eis war, fing ich an zu weinen." Sie verpasste die Qualifikation für internationale Wettkämpfe und fand erst nach der Heirat mit dem Sportlehrer Sergej Michejew ihr psychisches Gleichgewicht wieder. Mit dem Sieg bei den nationalen Titelkämpfen und beim Grand-Prix-Finale in Lyon feierte die 21-Jährige ein eindrucksvolles Comeback, das sie nun mit ihrem dritten EM-Gold krönen will.
Die Ergebnisse:Stand nach dem Kurzprogramm: 1. Irina Slutskaja 1,0 Punkte, 2. Viktoria Wolschkowa 2,0, 3. Maria Butirskaja (alle Russland) 2,8, 4. Vanessa Gusmeroli (Frankreich) 3,4, 5. Elena Liaschenko (Ukraine) 4,8, 6. Silvia Fontana (Italien), 7. Alisa Drei (Finnland) beide 5,4 (besseres Kurzprogramm zugunsten von Fontana), 8. Mikkeline Kierkgaard (Dänemark) 7,4, 9. Mojca Kopac (Slowenien), 10. Julia Lautowa (Österreich) beide 8,4 (besseres Kurzprogramm zugunsten von Kopac), 11. Julia Sebestyen 8,6, 12. Tamara Dorofejew (beide Ungarn) 10,2, 13. Sanna-Maija Wiksten (Finnland) 10,4, 14. Sarah Meier (Schweiz), 15. Diana Poth (Ungarn) beide 11,2 (besseres Kurzprogramm zugunsten von Meier), ... 18. Zoya Duschin (München) 15,2.
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