Nach Doping-Skandal: Zwangspause für gesamten Radsport in Italien
zuletzt aktualisiert: 13.06.2001 - 21:23Rom (rpo). Mit drastischen Maßnahmen hat der italienische Radsport-Verband auf den Doping-Skandal beim diesjährigen Giro d`Italia reagiert. Ab dem 18. Juni werden in Italien vorerst keine Radrennen mehr stattfinden.
Außerdem hat die FCI auf ihrer dreistündigen Sitzung eine ethische Kommission gegründet, die im Kampf gegen Doping neue Vorschriften erarbeiten soll. Dieser Vereinigung unter Vorsitz des früheren Nationaltrainers Alfredo Martini gehören rund zehn Personen, darunter auch Vertreter der Radprofis (Mario Cipollini) und der Teams an.
Mit diesem Beschluss folgte der Radsport-Verband dem Vorschlag des Nationalen Olympischen Komitees (CONI). CONI-Präsident Gianni Petrucci hatte bereits am Dienstag die Aussetzung aller Radrennen gefordert. Wie lange die FCI den Beschluss aufrecht erhalten will, ist noch fraglich. Die nächste Sitzung soll am 23. Juni stattfinden.
Das Team Telekom hat nach eigenen Angaben keine Ermittlungen durch die italienische Justiz zu befürchten. Team-Sprecher Olaf Ludwig dementierte am Mittwoch gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid) die Meldung, dass der Bonner Radrennstall nach der Doping-Razzia beim mit einem Ermittlungsverfahren rechnen müsse.
"Mir ist von einem Anschreiben nichts bekannt. Dafür gäbe es auch überhaupt keinen Grund", so der Olympiasieger von 1988. "Zwar wurden bei Jan Ullrich Asthma-Mittel gefunden, die auf der Doping-Liste stehen. Allerdings darf er diese laut Gesundheitspass schon lange zu sich nehmen." Der Tour-de-France-Sieger leidet bereits seit Jahren an einer Pollen-Allergie und Asthma, die ihm die Einnahme von Kortekoiden erlauben.
Neben den Asthma-Mitteln hatten Dopingfahnder außerdem Koffeintabletten bei Teamarzt Lothar Heinrich gefunden. Doch auch in diesem Fall sagt Ludwig: "Es ist bereits seit Tagen bekannt, dass bei Heinrich im persönlichen Waschbeutel Koffeintabletten gefunden wurden. Die hat er allerdings für sich gebraucht."
Die italienischen Doping-Fahnder hatten bei ihrer Razzia am vergangenen Donnerstag zahlreiche verbotene Substanzen bei den Teams festgestellt. Laut Staatsanwalt Luigi Bocciolini ermittelt die italienische Justiz gegen insgesamt 86 Personen, darunter auch 50 bis 60 Radprofis. Wie das italienische Fernsehen am Dienstag berichtet hatte, haben die Fahnder lediglich bei zwei Teams nichts gefunden.
Unterdessen haben die Organisatoren der Tour de France angekündigt, die Ergebnisse der Doping-Fahnder genau zu beobachten und sich für die diesjährige Frankreich-Schleife mögliche Konsequenzen offen gelassen. Die französische Radsport-Größe Bernard Hinault hat derweil drastische Strafen gefordert. So sollen nach Ansicht des fünfmaligen Tour-Siegers, "die Dopingsünder mit Sperren bis zu drei Jahren bestraft werden".
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