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Düsseldorf
Zwanziger gewinnt Katar-Prozess

Düsseldorf. Der ehemalige DFB-Präsident darf von "Krebsgeschwür" sprechen.

Der Rahmen - Sitzungssaal 2.111 des Landgerichts Düsseldorf - war ungewöhnlich für die Urteilsverkündung in einer Zivilsache. Dort drängten sich Fotografen und Kamerateams, acht der neun Beobachterplätze waren besetzt, als der Vorsitzende Richter Joachim Matz die Unterlassungsklage (Streitwert: 100.000 Euro) gegen Theo Zwanziger (Foto: dpa) abwies. Eingereicht hatte sie der katarische Fußball-Verband (QFA). Der ehemalige DFB-Chef hatte im Zuge der WM-Vergabe 2022 erklärt, Katar sei "ein Krebsgeschwür des Weltfußballs". Dies sei ein "beleidigendes Werturteil", überschreite aber nicht die Grenze zur Schmähkritik, urteilte das Gericht. "Scharfe Aussagen sind erlaubt, sonst kann es zu einer Lähmung des Meinungsbildungsprozesses kommen", sagte Richter Matz.

Zwanziger war wie der ehemalige CSU-Politiker Peter Gauweiler, der Katar beim Rechtsstreit vertritt, nicht in Düsseldorf. "Ich war immer davon überzeugt, dass die Kritik an der WM-Vergabe, auch wenn ich sie mit deutlichen Worten geäußert habe, von der in der verfassungsmäßig garantierten Meinungsfreiheit gedeckt war", betonte der Jurist. "Dieses Land ist halb so groß wie Hessen, da herrscht eine unglaubliche Hitze, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Dort die WM 2022 auszutragen, ist ein Witz", ergänzte der 70-Jährige, der früher selbst Richter war. Gauweiler kündigte Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf an.

Von Katar muss sich der streitbare Zwanziger nicht den Mund verbieten lassen. Ob dies Günter Netzer (71) gelingt, zeigt sich am kommenden Mittwoch vor dem Landgericht Köln. Beide Funktionäre trieben gemeinsam die Bewerbung um die WM 2006 voran, Zwanziger im WM-OK, Netzer im Aufsichtsrat. Vor Gericht geht es um ein Treffen im Jahr 2012 am Flughafen Zürich. Zwanziger behauptet: Netzer habe ihm mitgeteilt, die Stimmen der vier Asiaten in der Exekutive des Weltverbandes Fifa für die WM-Vergabe seien gekauft gewesen. Netzer bestreitet vehement, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben.

Quelle: RP
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