Handball-WM: DHB-Team verliert gegen Ukraine: Zweiter Titel für Frankreich - Brave deutsche Handballer Achte
zuletzt aktualisiert: 04.02.2001 - 22:21Paris (dpa). Die "Grande Nation" sitzt nach 1995 zum zweiten Mal auf dem Handball-Thron, Deutschlands brave Handballer haben bei der Weltmeisterschaft in Frankreich mit ihrer neu formierten Mannschaft Platz acht belegt und mangels Cleverness einen Spitzenrang verpasst. Nach Verlängerung gewann Gastgeber Frankreich am Sonntagabend in Paris das Endspiel gegen Titelverteidiger Schweden mit 28:25 (22:22, 11:10). Unter dem frenetischen Jubel der ausgelassen feiernden 13.000 Zuschauer im Pariser Palais Omnisports wurde Frankreich erster Handball-Weltmeister im eigenen Land. Bronze ging wie 1999 an Jugoslawien nach einem 27:17 (11:8) gegen Ägypten. Fünfter wurde Spanien durch einen 40:38 (35:35, 18:15)-Erfolg über Russland.
Für die Deutschen blieb beim Medaillenkampf nur die Zuschauerrolle. Trotz des erneut bitteren Ausscheidens im Viertelfinale und ungeachtet der peinlichen 24:30 (8:17)-Pleite am Sonntag gegen WM- Neuling Ukraine zog Bundestrainer Heiner Brand am Ende eine positive Bilanz. "Es war eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. Man darf nicht vergessen, dass wir eine neu formierte Mannschaft haben. Wir waren trotzdem dicht dran. Die Mannschaft ist seriös aufgetreten", resümierte Brand, der seine Bereitschaft zur Verlängerung seines bis 2002 datierten Vertrages um weitere zwei Jahre bekundet hatte.
Zur Frühschicht im Spiel um Platz sieben schien das Brand-Team noch zu schlafen. Über 0:5 (10.) und 4:12 (21.) geriet der WM-Fünfte von 1999 in einen unaufholbaren 7:17-Rückstand (29.). Der Versuch des Aufbäumens blieb in Ansätzen stecken. Die meisten Treffer auf deutscher Seite warfen Markus Baur (Wetzlar/8/6) und Florian Kehrmann (Lemgo/6). Für die Ukraine war Juri Kostetski (14/6) erfolgreichster Torschütze.
Wie schon bei der WM 1999 und den Olympischen Spielen 2000 war die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) knapp in der Runde der letzten Acht hängen geblieben. Bei der 23:26-Niederlage nach Verlängerung gegen Frankreich offenbarte sich die Unerfahrenheit des Brand-Teams kurz vor Ende der regulären Spielzeit, als der Gastgeber durch Jackson Richardson noch zum 22:22 kam. "Diese Niederlage war einfach Dummheit", meinte Ex-Nationaltorhüter Andreas Thiel im Online-Dienst sport.de. "Fünf Sekunden vor Schluss muss man den Franzosen umpumpen, wie wir Handballer sagen."
"Das soll nicht unser Stil sein. Aber sicher sind wir in einigen Situationen zu brav. Da muss dran gearbeitet werden", urteilte auch Brand. Doch auch ohne Medaille war der Bundestrainer zufrieden. "Wir haben ein Ergebnis, mit dem wir uns nicht verstecken müssen. Ich war skeptischer, was die Mannschaft angeht. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft schon ganz gut zusammengewachsen ist", meinte er.
Allerdings fielen ihm neben der fehlenden Abgeklärtheit auch andere Defizite auf. "Unser Problem lag vorne im Angriff. Es ist ein Zeichen für spielerische Qualität, wenn man sich so viele Chancen erarbeitet. Aber die Chancenverwertung war mangelhaft und muss verbessert werden", monierte der Bundestrainer. Dabei ließ er sich auch nicht von dem zwei Mal verbesserten Tor-Rekord aus der Vorrunde gegen die USA (40:12) und Grönland (39:8) blenden.
Zudem zeigten fast alle Leistungsträger wechselhafte Leistungen. Den Auftritt von Stefan Kretzschmar (Magdeburg), der seinen Rücktritt aus dem Nationalteam nach WM-Abschluss angekündigt hatte, beurteilte Brand als "durchwachsen" und "schwankend". Kapitän Frank von Behren (Minden) attestierte der Bundestrainer, "dass er noch viel Leistungs- Potenzial offen hat". Auch Deutschlands "Handballer des Jahres", Markus Baur (Wetzlar), wurde von Brand gerügt.
Positiv dagegen fielen die Torhüter Christian Ramota (Großwallstadt), Chrischa Hannawald (Essen) und Henning Fritz (Magdeburg) sowie im Angriff Jörg Kunze (Großwallstadt), "Einflieger" Thomas Knorr (Flensburg-Handewitt), Mark Dragunski (Essen) und auch Steffen Stiebler (Magdeburg) auf.
17. Handball-WM in Frankreich:
Finale: Frankreich - Schweden 28:25 (22:22/11:10) n.V.
Spiel um Platz drei: Jugoslawien - Ägypten 27:17 (11:8)
Spiel um Platz fünf: Spanien - Russland 40:38 (35:35/18:15) n.V.
Spiel um Platz sieben: Ukraine - Deutschland 30:24 (17:8)
Endplatzierungen:
1. Frankreich 2. Schweden 3. Jugoslawien 4. Ägypten 5. Spanien 6. Russland 7. Ukraine 8. Deutschland.
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